Simak zurück in seinem Paradies

+
Jan Simak, hier im VfB-Dress, ist nach Jena zurückgekehrt.

Jena - Jan Simak ist auf seiner Berg- und Talfahrt im deutschen Fußball wieder in Jena angekommen. Das einst so hoffnungsvolle Talent nimmt für sein Fußball-Glück sogar den Rückschritt in die 3. Liga in Kauf.

Und plötzlich war Jan Simak wieder der große Star. Angehimmelt von der Jugend, gesucht von den Mitspielern, gelobt von den Fans. Beim Drittligisten Carl Zeiss Jena hofft der 32-Jährige, dass ihm das Fußball-Glück wieder hold ist. Das 11:0 im Testspiel gegen den Zehntligisten SV Rothenstein war zwar kein Gradmesser für den dreimaligen DDR-Meister, Ex-Bundesligaprofi Simak tat der lockere Aufgalopp jedoch sichtlich gut.

Eine einzige Minute hatte ihm Trainer Thomas Tuchel beim FSV Mainz 05 in der vergangenen Saison gegönnt. Der einst geniale Stratege Simak, der Hannover 96 vor neun Jahren mit 18 Toren und 19 Vorlagen in die Bundesliga geschossen hatte, spielte nur noch eine Nebenrolle, während sich die Mainzer Boygroup in den Europacup und die Herzen der Fans zauberte.

Bundesliga: Die besten Sprüche der Saison

Bundesliga: Die besten Sprüche der Saison

Nun also wieder Jena. Ein Schritt zurück, vielleicht auch zwei. Die dritte Liga wartet, ohne jede Aufstiegsambitionen. Grau ist der Alltag zwischen Sandhausen und Heidenheim. Für Simak erscheint die Studentenstadt inmitten der Kernberge allerdings hell und bunt wie das sprichwörtliche Jenaer Paradies.

Vier Jahre ist es her, da nahm der frühere tschechische U21-Nationalspieler auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld einen neuen Anlauf im deutschen Profifußball. Der Abstiegskampf in der 2. Liga nahm ein schlechtes Ende. Doch Simaks Klasse führte Jena ins Pokalhalbfinale gegen Dortmund (0:3) und ihn selbst zurück in die Bundesliga zum VfB Stuttgart.

Jena war Simaks Wohlfühloase nach seinem Absturz, der mit der Flucht in die tschechische Heimat begann und in einer Entzugsklinik endete. „Für mich war klar: Entweder ich ende in dem Loch, in das ich geraten war, trinke weiter und sterbe irgendwann. Oder ich kämpfe mich heraus und beweise, dass ich gut bin“, sagte Simak damals angesichts seiner Alkoholprobleme.

Ging er in Hannover gerne feiern, wandelte sich sein Trinkverhalten bereits bei der ersten großen Herausforderung. Bayer Leverkusen verpflichtete Simak 2002 als Nachfolger des zu Bayern München abgewanderten Michael Ballack, Stammspieler war er allerdings nicht. „Ich hätte härter zu mir selbst sein und mehr trainieren müssen. Stattdessen habe ich die Probleme mit Alkohol lösen wollen“, berichtete er.

Den Erwartungen im deutschen Oberhaus hielt der junge Simak nicht stand. Erst der Wechsel zu Sparta Prag, die Monate im Alkoholentzug und der Neuaufbau in Jena brachten ihm die Stabilität, die er so lange gesucht hatte. Zu der Karriere, die ihm einst prophezeit wurde, reichte es zwar nicht mehr, doch schon die Rückkehr in die Bundesliga zu Stuttgart und später Mainz wertete er als Erfolg.

Nun also wieder Jena. Für das Engagement in seinem persönlichen Paradies sagte Simak sogar besser dotierte Angebote aus der 2. Bundesliga und der Heimat ab. Er habe sich hier sehr geborgen und zudem fair von der Presse behandelt gefühlt, auch die Heimat sei nicht weit weg, ließ Carl-Zeiss-Präsident Rainer Zipfel verlauten. Simak hielt sich am Rande des Testspiels gegen Rothenstein zurück: „Gebt mir mal noch zwei, drei Tage Zeit, damit ich ankommen kann“, sagte der 32-Jährige, widmete sich seinen Fans und erfüllte geduldig jeden Autogrammwunsch.

sid

Kommentare