Wen sich Schweinsteiger als Finalgegner wünscht

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Bastian Schweinsteiger.

München - Bis zum 1. Juli 2012 sind es noch 186 Tage - aber Bastian Schweinsteiger hat diesen ganz besonderen Sonntag schon lange verplant. Dann nämlich findet in Kiew das Finale der nächsten Europameisterschaft statt.

 „Da hole ich mir den EM-Pokal in Kiew ab“, sagt er lachend im Exklusivinterview mit der Nachrichtenagentur dapd. Es ist ein weiter Weg, das weiß er, aber die Worte des Nationalspielers wirken keinesfalls wie leere Versprechungen. Schweinsteiger ist entschlossen - und glaubt bei seiner fünften Turnier-Teilnahme an den Coup: „Wir haben jetzt eine Mannschaft, die das schaffen kann.“

Der Vizekapitän weiß, wovon er spricht, immerhin hat er die jüngste Entwicklung der deutschen Mannschaft zurück zu einem der besten Teams der Welt miterlebt wie kaum ein anderer. Als 19-Jähriger war er dabei, als die Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der EM in Portugal in der Vorrunde scheiterte, „aber inzwischen sind wir schon relativ nah dran an der Qualität von Spanien“, sagt er heute.

Titelhunger? „Ja, aber ich versuche, Gas rauszunehmen“

Natürlich müsse man „einen guten Tag erwischen“, um gegen den Weltmeister zu bestehen, zudem „müssen wir einige Dinge noch verfeinern“, sagt der Mittelfeldspieler. Schweinsteiger ist aber weit weg davon, die Dinge zu beschönigen. Der 27-Jährige wirkt, als habe er erkannt, welche Chance sich der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw im kommenden Jahr eröffnet. Die Mischung aus Titelhunger und Bescheidenheit soll der jungen DFB-Elf, der vor Kreativität strotzende Garde, endlich diesen lang ersehnten Titel bringen. „Wir haben jetzt drei Turniere gespielt und waren immer relativ nah dran. Es ist verständlich, dass in Deutschland die Erwartungshaltung hoch ist“, sagt Schweinsteiger. Das sei berechtigt, aber die Euphorie könne auch zu viel Druck entstehen lassen. „Ich versuche, da ein bisschen Gas rauszunehmen.“

Ausruhen auf den jüngsten Erfolgen der Qualifikation für das Turnier in Polen und der Ukraine darf sich die Mannschaft keineswegs. „Es gibt in unserem Spiel noch Situationen, wo wir noch nicht schnell genug umschalten. Wir könnten noch mehr Druck auf den Gegner erzeugen.“ Bisher fehlt dem deutschen Spiel die Variabilität, das perfekte Einstellen auf die Spielweise des Gegners: „Gegen England und Argentinien hat das gereicht - aber eben nicht gegen Spanien.“ Experimente wie beim letzten Test des Jahres gegen die Ukraine (3:3) heißt Schweinsteiger daher für gut.

Zumal auch der Titelhunger der spanischen Superstars nach wie vor „ungebrochen ist. Die haben diese Mentalität“, sagt Schweinsteiger, zudem „hohe Spielintelligenz und eine Riesen-Erfahrung“. Dass sich die deutsche Mannschaft in den letzten Jahren weg von den traditionellen Tugenden Kraft, Athletik und Ausdauer hin zu technischer Raffinesse und Spielwitz entwickelt hat, kann Schweinsteiger allerdings gar nicht bestätigen. „Für den deutschen Fußballer ist das einfach die Grundvoraussetzung“, das merke man schon im Training der Jugendmannschaften.

Auch die deutsche B-Elf „würde eine Rolle spielen“

In der Haut des Bundestrainers möchte Schweinsteiger in den kommenden Monaten lieber nicht stecken. „Es wird für ihn schwer genug“, die elf Besten aufzustellen, sagt er: „Aber es spricht für den deutschen Fußball.“ Sogar die deutsche „B-Elf“ könnte bei der EURO eine Rolle spielen: „Davon bin ich überzeugt.“

Lediglich einen guten Tipp gibt Schweinsteiger seinem Trainer. Obwohl sein eigener Aufstieg zum Regisseur durch den Abgang von Michael Ballack wohl nur begünstigt wurde, stellt er sich im Streit mit Löw auf die Seite des ehemaligen „Capitano“. „Normalerweise wäre Ballack bei der WM 2010 Kapitän gewesen, und nur durch ein Foul wurde ihm alles genommen - das ist nicht so einfach zu verkraften“, sagt er. Ein Treffen zwischen Löw und Ballack „macht daher Sinn“.

Genauso wie eine weitere Begegnung mit Angela Merkel. Dass Schweinsteiger der Liebling der Bundeskanzlerin ist, will er bisher zwar noch nicht bemerkt haben: „Aber ich mag sie, weil sie eine total sympathische Frau ist.“ Auf einen weiteren Kabinenbesuch Merkels freut sich Schweinsteiger daher schon - am liebsten in 186 Tagen nach seinem Traumfinale: „Deutschland gegen die Niederlande - da wäre richtig Brisanz drin.“

dapd

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