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Sexy Parade: Ukraine heiß auf die EM

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Ein heißer Anblick: Tänzerinnen bei der Eröffnung der Fan-Zone

Kiew - Das könnte eine heiße EM werden! Eine Parade machte den Fans und Beobachtern am Freitag vor dem Turnier-Auftakt Lust auf mehr.

In Kiew wummern kurz vor EM-Beginn dumpfe Bässe durch das Zentrum. Auf dem Unabhängigkeitsplatz, von dem aus 2004 die Bilder der prowestlichen Orangenen Revolution um die Welt gingen, laufen Proben für eine Eröffnungsfeier. „Viele Ukrainer halten die EM für eine einzige Dummheit“, sagt der Postangestellte Nikolai. „Das Verrückte ist: Sie freuen sich trotzdem - ich auch“, sagt der 48-Jährige und lacht. Er hat im Internet einen EM-Touristen aus Berlin kennengelernt und bei sich untergebracht. „Gratis. Das ist doch Ehrensache.“

Leicht bekleidet im Cheerleader-Dress marschierten zahlreiche Frauen schon am Freitag durch die ukrainische Hauptstadt Kiew. Das erste Spiel dort findet zwar erst am Montag statt (Ukraine gegen Schweden). Aber wie obiges Foto von der Fanzonen-Eröffnung zeigt, ist die Stimmung bei der Bevölkerung schonNur top.

Die Ukraine will ein positives Bild hinterlassen. Freizügige Anblicke gerne, aber es gibt Grenzen. Unterwäsche ist unerwünscht: Die Fußball-EM in der Ukraine ist für die Stadtverwaltung von Kiew ein „historischer Moment“ - da passen halbnackte Bürger nicht ins Bild. Menschen in Unterwäsche sollten während der Europameisterschaft also ihren Balkon bitte nicht betreten, heißt es in einem Appell des Bürgermeisteramts.

Der 2011 erlassene Kodex gilt rund um das Olympiastadion und dürfte kaum zu kontrollieren sein. „Trotzdem verleihen solche Aktionen bei uns der EM einen schlechten Ruf“, sagt Verkäufer Sergej. Er freut sich auf das Turnier. Wenn im Co-Gastgeberland an diesem Samstag die Spiele beginnen, sei das „wie ein kleiner EU-Beitritt“.

Der Ball rollt, aber längst läuft nicht alles rund in der früheren Sowjetrepublik. In Kiew wird um das Endspielstadion noch immer gesägt und gehämmert. Kurz vor EM-Beginn verwandelte der Bruch eines 40 Jahre alten Heißwasserrohrs eine angrenzende Straße in ein Dampfbad.

Starker Regen führte nicht nur zu einer Überschwemmung der im Aufbau befindlichen Fanzone, sondern setzte auch Unterführungen und eine Metrostation unter Wasser. Der Grund war eine falsch konzipierte Kanalisation. Zudem verschärft die Dauersperrung der Hauptstraße die Verkehrssituation in der Millionenmetropole. Statt Vuvuzela-Tönen dröhnen Hupkonzerte frustrierter Autofahrer durch das Zentrum.

Vor allem ältere Menschen ziehen es daher offenbar vor, während der EM zu verreisen. Medienumfragen ergaben bei Reisebüros in Kiew einen Nachfrageanstieg bis zu 30 Prozent - trotz höherer Preise. Ähnlich sieht es in den drei anderen ukrainischen Spielorten aus, wo der Anstieg bis zu 15 Prozent beträgt. Im Gegenzug erwartet die ukrainische Regierung eine Million ausländische EM-Besucher.

Stolz vermeldeten die Behörden in Kiew die Ankunft von 200 Fans aus Schweden. Aber erst nach massiven Beschwerden montierten Firmen fehlende Duschen und Stromanschlüsse. Alles in Ordnung, teilten die Skandinavier am Freitag mit. Nur der Wasserdruck sei etwas niedrig.

Rund 11,5 Milliarden Euro soll die ohnehin klamme Ukraine für das größte sportliche Ereignis in Osteuropa seit dem Ende des Kalten Krieges ausgegeben haben. Präsident Viktor Janukowitsch weist aber Vorwürfe einer „gigantischen Fehlinvestition“ zurück. „Kommende Generationen werden von den neuen Flughäfen und Straßen profitieren“, sagte er kurz vor EM-Start in einer TV-Rede an die Nation.

Janukowitsch sieht das Land in einer „Stunde Null“ - in der Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht fehlen sollte. „Frau Merkel muss man zum EM-Finale einladen“, sagte der Staatschef bei einem Treffen mit ausländischen Investoren. Die Reise der Kanzlerin zum Endspiel am 1. Juli in Kiew gilt als unwahrscheinlich. Die Bundesregierung kritisiert massiv den Umgang der Regierung in Kiew mit der in der Haft erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko.

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Die deutsche Mannschaft wird daher zu ihrem EM-Start an diesem Samstag gegen Portugal in Lwiw ohne Unterstützung durch deutsche Politiker auf der Tribüne auskommen müssen. Höchster deutscher Vertreter werde Botschafter Hans-Jürgen Heimsoeth sein - „sofern kein deutscher Politiker heimlich anreist“, sagte ein Mitarbeiter der Europäischen Fußball-Union UEFA der Deutschen Presse-Agentur dpa.

dpa/lsl.

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