Macher sind enttäuscht

Sendeschluss für Fußballradio 90elf

Köln - Der Online-Radiosender 90elf überträgt am Wochenende zum letzten Mal die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga. Danach wandern die Übertragungsrechte zum Konkurrenten Sport1. Die Macher sind enttäuscht.

Wenn Manni Breuckmann über seine Leidenschaft spricht, fallen klare Worte. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass ein anerkanntes und einzigartiges Produkt, das Jahre lang erfolgreich war, jetzt gekillt wird“, sagte der bekannte Fußball-Radio-Reporter dem Sport-Informations-Dienst (SID) zum bevorstehenden Aus von 90elf, dem populären Online-Radiosender aus Leipzig.

Seit fünf Jahren sendet 90elf aus 36 Bundesligastadien, seit 2011 mit Breuckmann. Im Schnitt hören 400.000 Fans zu. Ab nächster Saison überträgt der Münchner TV-Sender Sport1, der den Zuschlag für die Sendelizenz bis 2017 erhalten hatte.

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Breuckmann war 2008 beim WDR ausgeschieden, seit der Saison 2011/12 berichtete er für 90elf regelmäßig aus Schalke und Dortmund. „Das war Fußball pur. Das war eine Herausforderung“, sagte er über die Vollreportagen: „Da war man ein richtiger Reporter, da konntest du lange Spielzüge schildern.“

In welcher Form die Fans künftig den Spielen ihrer Mannschaften lauschen, ist offen. „Die Planungsprozesse laufen. Wir werden unter der Dachmarke ein eigenes Audioangebot an den Start bringen. Dafür besitzen wir die redaktionellen und digitalen Kompetenzen“, sagte Sport1-Sprecher Michael Röhrig dem SID. Eine Frage, die sich viele Fans stellen: Wie sollen die teuren Lizenzen refinanziert werden?

Nach Informationen des Branchenmagazins Sponsors lag das Angebot aus München etwa 30 Prozent über den 700.000 Euro von 90elf. Ob die Hörer künftig zahlen müssen, bleibt offen. „Hinter dem Rechteerwerb steht ein entsprechendes Businessmodell. Wir sind überzeugt, das in dieser Form umsetzen zu können“, sagt Röhrig. Zum Zweitligastart am 19. Juli will Sport1 mit seinem Radio auf Sendung gehen.

In Leipzig hingegen ist man enttäuscht. Bis zum Schluss habe man „gekämpft wie die Löwen“, um ein wirtschaftlich machbares Angebot abzuliefern. „Durch den Erfolg der letzten Jahre sind wir in ein Haifischbecken geraten“, sagte 90elf-Pressesprecher Nico Nickel dem SID. Wie es mit dem Sender weitergeht, ist unklar. 90elf hält neben der Lizenz für den DFB-Pokal bis 2016 noch Rechte am Europapokal.

2011 wurde 90elf mit dem Deutschen Radiopreis als „Beste Innovation“ prämiert. Im Saisonendspurt der Bundesliga sammele man „über 2,5 Millionen Hörkontakte pro Woche“, sagt Nickel. Bekannte Stimmen wie die von Breuckmann, Günter Netzer oder Günther Koch konnten die Macher für ihr Projekt gewinnen. Das schafft Prestige.

In München will man ebenfalls auf Namen setzen. „Bei uns werden renommierte Kommentatoren dazugehören“, sagt Sprecher Röhrig. Die Abgrenzung zu 90elf soll bei Sport1 vor allem aus dem Kerngeschäft kommen: „Wir wollen im Radio, zusätzlich zur Live-Übertragung der Bundesliga, auch ausgesuchte TV-Formate anbieten. Der Doppelpass etwa, dieses Talk-Format ist durchaus für das Radio geeignet.“

Für „Die Stimme des Westens“ endet mit dem Engagement bei 90elf wohl auch das Kapitel Radio. „Ich habe kein neues Angebot. Ich habe große Zweifel, dass ich ein neues Angebot annehmen werde. Es sieht so aus, als sei das Spiel Schalke gegen Stuttgart das letzte Spiel meiner Karriere gewesen“, sagte Breuckmann und ergänzte schmunzelnd: „Ich habe mich nur über diese Schalker Niederlage geärgert.“

SID

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