"Spanische Verhältnisse"

Seifert sieht UEFA in der Pflicht

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DFL-Chef Christian Seifert

Köln - DFL-Chef Christian Seifert sieht in der Diskussion über „spanische Verhältnisse“ in der Fußball-Bundesliga die Europäische Fußball-Union (UEFA) in der Pflicht.

Ruhe bewahren, Selbstvertrauen zeigen - und die UEFA in die Pflicht nehmen: Nach Tagen hitziger Diskussionen über „spanische Verhältnisse“ zeichnet sich in der Fußball-Bundesliga allmählich ein einheitliches Stimmungsbild ab. Der scheinbar erdrückenden und sogar für Uli Hoeneß besorgniserregenden Dominanz von Bayern München und Borussia Dortmund ist demnach ligaintern nicht beizukommen.

„Klar ist: Auf nationaler Ebene lassen sich die enormen Erlöse in der Champions League nicht ausgleichen“, sagte DFL-Chef Christian Seifert im kicker-Interview: „Natürlich muss sich die UEFA Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn es ist offensichtlich, dass sie durch ihren derzeitigen Verteiler-Mechanismus massive Eingriffe vornimmt mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe.“

Die UEFA hat das Problem grundsätzlich erkannt. Schnelle Gegenmaßnahmen werden aber nicht ergriffen, zumal UEFA-Präsident Michel Platini in Fragen der Europacup-Reform einen bemerkenswerten Schlingerkurs fährt. Zunächst wollte er die Champions League von 32 auf 64 Klubs aufstocken, nun soll es wohl eher eine Stärkung der Europa League geben, den „Pokal des Herzens von ganz Europa“, wie Platini sie zuletzt im Bild-Interview nannte. Beschlüsse soll es nach Angaben des Franzosen erst 2014 geben.

Für Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt und DFL-Vorstandsmitglied, ist neben der UEFA vor allem Karl-Heinz Rummenigge für den Status quo verantwortlich. „Der Präsident der europäischen Klubvertretung ECA ist nun mal Karl-Heinz Rummenigge, und von dort wurde die Stärkung der Champions League gestützt“, sagte Bruchhagen im SID-Interview. Er will seine Aussage aber ausdrücklich nicht als Vorwurf verstehen: „Es ist doch logisch, dass er als Bayern-Vorstand so handelt.“

Seiferts Appell an die UEFA sieht Bruchhagen auch taktisch bedingt. Der DFL-Boss müsse „einen Spagat vollführen“, die Liga international vermarkten und gleichzeitig die Chancengleichheit in der Bundesliga wahren. „Der erste Punkt gelingt ihm hervorragend, weil Bayern und Dortmund so erfolgreich sind. Leider braucht er dafür diese Aushängeschilder. Was den zweiten Punkt angeht, müssen Klubs im Mittelfeld der Tabelle immer höheres Risiko eingehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Seifert habe allerdings „nicht ganz recht“, einzig die UEFA in die Pflicht zu nehmen. „Aus 420 Millionen Euro an TV-Geldern werden 628 Millionen Euro. Alle kriegen mehr, aber die, die oben stehen, kriegen mehr vom Mehr“, sagte Bruchhagen, der aber einschränkte: „Die Ligasummen sind auch zu beachten, wenn es auch korrekt ist, dass das ganz große Geld in der Champions League ausgeschüttet wird. ` Zudem bedauerte Bruchhagen, dass er in puncto Geldverteilung `im DFL-Vorstand keine Gleichgesinnten“ an seiner Seite hat. So trug auch er die Neuregelung, die für die kommenden vier Spielzeiten gilt, mit.

Ein anderes DFL-Vorstandsmitglied stimmt Seifert uneingeschränkt zu. „Der Schlüssel ist die UEFA. Die Verteilung der Gelder zwischen Champions League und Europa League sind eine der maßgeblichen Ursachen. Wir können stolz sein auf die gerechte Verteilung der TV-Gelder“, sagte Peter Peters, Finanzvorstand von Schalke 04.

Unterdessen mehren sich auch die Stimmen, die trotz Kantersiegen am Fließband durch Bayern und den BVB zur Besonnenheit mahnen. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser verwies auf wechselnde Vorherrscher in der jüngeren Liga-Geschichte - mit dem Platzhirsch aus München als einzige Konstante.

„Um die Jahrtausendwende hatten wir Bayern München und Bayer Leverkusen, die die Liga dominiert haben. Das gab es zwischenzeitlich auch mit Werder Bremen und jetzt Borussia Dortmund. Die Bundesliga lebt immer noch glänzend, und ich glaube, es bleibt auch dabei“, sagte Holzhäuser dem SID: „Wir sollten froh sein, dass wir mit Dortmund und Bayern zwei Vereine haben, die europäisch mithalten können. Das bedeutet dann halt auch, dass die Bundesliga zeitweise dominiert wird - das sollte man in Kauf nehmen. `

Schalkes Manager Horst Heldt ergänzte: `Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten und Konkurrenzsituationen, trotzdem ist die Liga sehr, sehr eng. Und Bayern wird sie auch in den nächsten Jahren dominieren.“

Dass ausgerechnet Uli Hoeneß („Wir sind der Meinung, dass die großen Vereine zurückstecken müssen“) die Diskussion ins Rollen gebracht hat, sorgt noch immer für Erstaunen. „Ganz ehrlich: Ich hätte nie erwartet, dass Uli diese Problematik anspricht. Er hat das doch mit Hartleibigkeit jahrzehntelang andersherum erzählt“, sagte Bruchhagen: „So langsam dämmert es ihm auch.“

sid

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