"Ich kenne keinen, der damit ein Problem hat"

Schwuler Bundesliga-Profi erzählt alles

München - Homosexualität unter Fußballern ist immer noch ein Tabuthema. Ein Bundesliga-Spieler erzählt nun in einem Interview alles.

Homosexualität und Fußball - für Bundesliga-Profis ist das ein schwieriger Spagat. Die Belastung bei einem Outing - der Druck im Stadion, von den gegnerischen und eigenen Fans beleidigt zu werden - ist groß.

Doch jetzt hat ein Bundesliga-Spieler in einem Interview mit "Fluter", dem Magazin der "Bundeszentrale für politische Bildung" Klartext geredet - unter der Bedingung, anonym zu bleiben. Denn den Preis für seinen gelebten Bundesliga-Traum sei hoch: "Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen", sagt der Spieler.

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Trotz dieses Versteckspiels ist er nicht sauer auf die Fans, denn er habe mal gehört, dass in solchen aufgeheizten Stimmungen das Kleinhirn im Menschen regiere, und da sei Toleranz nicht eingebaut.

Das Verhältnis in der Kabine zu den heterosexuellen Mitspielern sei aber ganz normal. Eigentlich wisse jeder Bescheid. Im Gegensatz zur Öffentlichkeit herrsche aber hohe Professionalität. "Ich kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem hat. Es gibt sogar manche, die mit großem Interesse nachfragen", offenbarte der Bundesliga-Profi. Denn klar ist: Sein Leben dürfte ohnehin schon schwierig genug sein - und das, obwohl DFB und der Weltverband FIFA sehr intensiv auf Respekt und Toleranz setzen.

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Um weiterhin der heterosexuelle Vorzeigeprofi zu sein, zeigt sich der Spieler bei offiziellen Anlässen des Vereins mit Frauen an seiner Seite. "Das Klischee ist leider im Grunde wahr. Das machen alle so. Nur bezahlen musste ich nie - schließlich habe ich als richtiger Schwuler auch beste Freundinnen", gab der Fußball-Profi zu.

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Wie seine Zukunft aussehe, wisse er nicht. Auf der einen Seite will sich der Spieler sportlich verbessern, auf der anderen fragt er sich, ob er den ständigen Druck bis zum Karriereende aushält. Er hofft, dass die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Homosexuellen steigt und "ein Stück Normalität" in sein Leben einkehre. Er denkt daran, in einem Jahr wieder ein solches Interview zu geben, dann aber mit seinem vollen Namen. 

Einer der sich nun getraut hat, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, ist "Unter uns"-Star Lars Steinhöfel. Der Schauspieler hatte jahrelang Angst vor den Reaktionen auf sein Outing und beruflichen Konsequenzen, wurde nun aber positiv überrascht.

Lesen Sie hier das ganze Interview.

ms

Rubriklistenbild: © dpa

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