Schweinsteiger spielt - und sonst?

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Bastian Schweinsteiger bleibt wohl im Team

Warschau - Bundestrainer Joachim Löw setzt im EM-Halbfinale am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) in Warschau gegen Italien auf seinen Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger.

Auf seinen „emotionalen Leader“ will Joachim Löw partout nicht verzichten. Darum wird sich Bastian Schweinsteiger auch im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft gegen Italien wieder quälen, mindestens 90 Minuten, notfalls auch 120. Und wenn's sein muss, würde er sogar zum Elfmeterschießen antreten. „Ich habe keine Scheu davor“, sagte der Vize-Kapitän vor seinem 95. Länderspiel an diesem Donnerstag ungeachtet seines folgenschweren Fehlversuchs im Champions-League-Finale der Bayern gegen den FC Chelsea.

„Bastian ist so selbstbewusst, wie wir ihn brauchen, absolut“, sagte Löw über Schweinsteiger. Er habe „mit einigen Rückschlägen in dieser Saison kämpfen müssen“, betonte der Bundestrainer, „aber wir brauchen Bastian Schweinsteiger. Er ist ein emotionaler Leader.“

Klose oder Gomez, Müller oder Reus, Podolski oder Schürrle - auf vielen Positionen hat Löw die Qual der Wahl. Nur vor einem Achsbruch im Zentrum des deutschen Spiels schreckt der Cheftrainer zurück, obwohl er in Schweinsteigers Bayern-Kollege Toni Kroos einen erprobten Mann in der Hinterhand hält. Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil - diese strategische Achse, dieses Kraftzentrum im Mittelfeld will der Bundestrainer nur im äußersten Notfall sprengen.

Im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark war Schweinsteiger wieder mit dem rechten Fuß umgeknickt, an dem er sich im Februar einen Außenbandriss zugezogen hatte. Er musste eine Trainingspause einlegen und spielte beim 4:2 im Viertelfinale gegen Griechenland schwach. „Es gibt das eine oder andere Problem mit dem Sprunggelenk“, berichtete Schweinsteiger im ARD-Hörfunk. Schnelle Drehungen oder Außenristpässe bereiten ihm Probleme. „Es fühlt sich wieder besser an“, beruhigte er jedoch vor dem Halbfinale. Und überhaupt: „Wenn das Spiel angeht, bist du so voller Adrenalin, dass du den Schmerz verlierst.“

An der Kondition, der Ausdauer fehlt es nicht. Fast 48 Kilometer hat Dauerläufer Schweinsteiger nach vier Spielen auf dem EM-Tacho. „Ich habe auch gegen Real Madrid und im Champions-League-Finale mit den gleichen Voraussetzungen gespielt. Da habe ich auch gute Spiele gemacht“, erzählte der 27-Jährige. Er sei „sehr heiß“ auf die letzte Hürde vor dem Finale am Sonntag in Kiew: „Wir haben noch nie gewonnen gegen die Italiener in einem Turnier, deswegen ist es Zeit.“

Löw hat in den vergangenen Tagen viel gesprochen mit seinem Vize-Kapitän, den er in der entscheidenden Turnierphase in Bestform benötigt. „Bastian ist ein Spieler, der mitdenkt, der wissbegierig ist, der nachfragt, der sich wahnsinnig viele Gedanken macht, was die besten Lösungen für uns sind. Er ist unglaublich reif geworden“, stimmte Löw ein Loblied auf den fast 100-maligen Nationalspieler an.

Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren war Schweinsteiger der überragende Chef auf dem Platz. Er dirigierte in Südafrika die junge, unerfahrene Nationalmannschaft, trieb sie an. Er führte nach dem Verletzungs-Aus von Kapitän Michael Ballack die Turnierneulinge Khedira und Özil. Jetzt, bei der EM, ist es gegen die Griechen der bei Real Madrid gereifte Khedira gewesen, der ihn mitzog.

Es sei „bewundernswert“, wie Schweinsteiger die Verletzungen und die sportlichen Enttäuschungen mit dem FC Bayern weggesteckt habe, bemerkte Löw: „Wir wissen alle, er kann es besser machen als gegen Griechenland. Aber in den ersten drei Spielen fand ich ihn gut im Mittelfeld.“ Das galt vor allem für das 2:1 gegen die Niederlande, als Schweinsteiger beide Tore von Mario Gomez vorbereitete.

„Es ist für unsere Mannschaft wichtig, wenn er da ist, mit seiner Präsenz, seiner Ruhe am Ball, mit seiner Physis auch“, erläuterte der Bundestrainer: „Was Bastian gegen Griechenland ein bisschen abgegangen ist, war die Handlungsschnelligkeit in einigen Aktionen. Aber Schweinsteiger ist wichtig für uns auf dem Platz.“ Das sieht der Vize-Kapitän auch so, gerade auch wegen seiner Erinnerungen an den bitteren Halbfinal-K.o. gegen Italien beim WM-Sommermärchen 2006: „Es

dpa

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