Vize-Kapitän fehlt heute

Schweinsteiger kämpft - auch gegen Lahm

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Bastian Schweinsteiger (r.) und Philipp Lahm.

München - Bastian Schweinsteiger war zuletzt auf dem besten Weg zurück zu alter Form. Im Kampf um einen Stammplatz in der deutschen WM-Elf kommt sein größter Konkurrent aus dem eigenen Klub.

In der Rolle des Zuschauers ist Bastian Schweinsteiger inzwischen geübt. Bei den Basketballern von Bayern München fiebert er gerne als Fan in der Halle mit, und auch bei der Fußball-Abteilung saß er in der jüngeren Vergangenheit allzu oft auf der Tribüne - wenngleich ungewollt.

Gleich 13 Pflichtspiele seiner Bayern verpasste Schweinsteiger in dieser Saison verletzungsbedingt. Und nun, da er gerade auf dem besten Weg zu alter Stärke war, musste er erneut zuschauen: Als der Titelverteidiger am Mittwochabend im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League Manchester United empfing, war Schweinsteiger gesperrt.

Dass er einer ist für diese großen Spiele, hat er in den vergangenen Wochen seit seinem Comeback oft bewiesen. Der Vize-Kapitän ging als Anführer voran, bereitete Tore vor, und erzielte wichtige Treffer selbst - wie zum 1:1 in Manchester. In der Königsklasse, wo die großen Fußball-Schlachten geschlagen werden, war er in sechs Spielen dreimal erfolgreich - häufiger als je zuvor in seiner Karriere. Schweinsteiger, der Kämpfer, hat sich wieder reingebissen - eine gute Nachricht nicht nur für Trainer Pep Guardiola.

Der Spanier lobt den 29-Jährigen als „große Persönlichkeit“ und „überragenden Spieler“, er nennt es einen „Traum, ihn trainieren zu dürfen“. Ähnlich überschwänglich äußert sich Bundestrainer Joachim Löw, für den der 101-malige Nationalspieler angesichts der Verletzungen der defensiven Mittelfeldspieler Sami Khedira und Ilkay Gündogan mit Blick auf die WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) unverzichtbar scheint.

Scheint, nicht ist, weil Schweinsteiger noch immer nicht wieder der Alte ist. Das zeigte sich zuletzt beim historischen 0:1 der Münchner am vergangenen Samstag beim FC Augsburg, wo er mit unterging und in der Schlussphase bei Kontern überlaufen wurde.

Und scheint auch deshalb, weil Löw mit Schweinsteigers Teamkollege Philipp Lahm inzwischen eine erstklassige Alternative für die „Sechs“ besitzt, sofern er die Schaltzentrale nicht doppelt besetzen will. „Auf dieser Position“, sagte Guardiola, „ist es unmöglich, besser zu spielen als Philipp in den vergangenen Wochen.“

Lahm überraschte am Dienstag in einem Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky mit der Aussage: „Ich fühle mich im Moment mehr als Sechser denn als Außenverteidiger.“ Zwar sei diese Rolle für ihn „immer noch eine Herausforderung“, allerdings eine, „die mir sehr viel Spaß macht“.

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Schweinsteiger wird Löw und Guardiola in den kommenden Wochen überzeugen müssen, dass er der bessere Chef im defensiven Mittelfeld ist. Dass er seinen Platz mit öffentlichen Kampfansagen einfordern wird, ist dabei nicht zu erwarten.

Schweinsteiger, einst als Teenieschwarm und everybody's „Schweini“ kaum um einen Spruch verlegen, ist schweigsamer geworden. Wird er in der Mixed Zone von Journalisten angesprochen, senkt er häufig sein grau gewordenes, seit einigen Tagen raspelkurz rasiertes Haupt und eilt nach angedeutetem Kopfschütteln weiter.

Abseits des Rampenlichts ist Schweinsteiger aber der Gaudibursch geblieben, der er immer war. Sein Kumpel, Ski-Ass Felix Neureuther, hätte einige Anekdoten aus den vergangenen Monaten über „den Basti“ auf Lager. Er verrät nur so viel: „Mit ihm ist es immer lustig.“

Dass er inzwischen um seinen Platz kämpfen muss, tut dem keinen Abbruch. „Ich habe eine gewisse Ruhe in mir, ich weiß, wie es abläuft“, sagte er zuletzt einmal über den langen Weg zurück. Der Wertschätzung der Verantwortlichen kann er sich ohnehin sicher sein. Nach dem 2:1 gegen Bayer Leverkusen, das Schweinsteiger mit einer Vorlage und einem Tor sicherstellte, sagte Sportvorstand Matthias Sammer, er sehe Schweinsteiger „auf einem super Weg“ - und nicht dauerhaft als Zuschauer.

sid

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