Schweinsteiger kneift nur gegen Daniel van Buyten

Doha - Bastian Schweinsteiger soll Bayern München zum Rückrundenauftakt in Mönchengladbach wieder die während seines Ausfalls schmerzlich vermissten Impulse geben. In Katar schuftet er für sein Comeback.

„Alles“, betont Bastian Schweinsteiger mit einem verschmitzen Lächeln, „alles kann ich noch nicht wieder machen. So schwere Sachen werfen etwa.“ Weil Schweinsteiger aber weder Hammer- noch Diskuswerfer, sondern ein an der Schulter operierter Profifußballer ist, scheint das verkraftbar. Aus Rücksicht auf das lädierte Schlüsselbein habe er sich im Trainingslager des FC Bayern München in Katar bisher dennoch auf „kleine Zweikämpfe“ beschränkt, „so gegen Philipp Lahm“, scherzt er: „Ich bin noch nicht gegen Daniel van Buyten gelaufen, das wird der größte Test, da lasse ich mir noch ein bisschen Zeit.“

Der belgische Innenverteidiger hat die körperliche Präsenz eines Catchers und weiß diesen Vorteil einzusetzen. Obwohl Schweinsteiger dieses Duell (noch) scheut, ist in diesen Tagen in Doha längst klar geworden: Schweinsteiger, der seit dem 2. November nicht mehr spielen konnte, ist wieder da. Das zeigt sich auch auf dem Trainingsplatz. „Der war nicht aus!“, schreit er Kollege Thomas Müller bei einem Trainingsspiel an. „Doch, war er!“, brüllt Müller. „Nee, nee, nee!“, gibt Schweinsteiger nochmal Contra, ehe die Trainer zum Weiterspielen auffordern. Ob der Ball nun tatsächlich im Aus war, war Schweinsteiger dabei gar nicht wichtig. Wichtig ist ihm zu zeigen: „Hallo, der Chef ist zurück!“

Von den Verantwortlichen und seinen Mitspielern wird die Rückkehr des 27 Jahre alten Nationalspielers in den Spielbetrieb sehnlich erwartet. „Wir alle sind froh, dass er zum Rückrundenstart gegen Mönchengladbach spielen kann“, sagt Sportdirektor Christian Nerlinger: „Er ist ein Schlüsselspieler für uns, der im zentralen Bereich den Takt vorgibt, da fehlte uns seine Erfahrung und Spielweise, auch wenn Toni Kroos das hervorragend gemacht hat.“

Als Schweinsteiger im Teamhotel zum Gespräch auf einer Couch sitzt, gibt ihm Kollege Franck Ribery einen Klaps auf den Hinterkopf und murmelt: „Du bist soo schlecht!“ Das war jedoch einer der Scherze des Filous, tatsächlich hält er sehr viel von Schweinsteiger. „Seine Präsenz ist außergewöhnlich. Wenn er auf dem Platz ist, wissen die Verteidiger, was sie tun müssen, wo sie den Ball hinspielen müssen“, sagt er. Trainer Jupp Heynckes nennt dies „die Qualität, ein Spiel zu drehen“, also die Richtung zu ändern, „umzuschalten“.

Die erste Gelegenheit seit seiner Pause, dieses Können auch im Wettkampf zu demonstrieren, hatte Schweinsteiger noch am Donnerstag in Doha beim Testspiel gegen den katarischen Klub SC Sailiya. Das Training, sagt er, sei ihm jedoch „fast noch lieber“, schließlich ist das beim FC Bayern anspruchsvoll genug - und in Doha äußerst wichtig. „Wir wissen, dass wir noch besser spielen können. Das versuchen wir herauszukitzeln. Wir müssen sehen, dass wir noch dominanter, noch überlegener werden, so dass der Gegner gar keine Chance hat“, formuliert Schweinsteiger den Anspruch. Dennoch sieht er die Bayern schon jetzt „stärker als 2010“, als sie das Champions-League-Finale zwar erreichten, aber verloren.

Im Mai soll es anders kommen, dafür will Schweinsteiger persönlich sorgen. „Ich habe mir die Messlatte für das neue Jahr sehr hoch gelegt“, sagt er, und zieht weit über seinem Kopf eine Linie durch die Luft, „bei Bayern München und der Nationalmannschaft.“ Beide Teams hätten das Potenzial für den ganz großen internationalen Titel. Um dieses Ziel zu erreichen, will Schweinsteiger seinen Einfluss nicht nur auf dem Platz geltend machen. „Ich trage Verantwortung, das ist mir bewusst. Ich versuche, auch über Gespräche etwas zu bewirken.“

Das tat er auch während seiner Verletzungspause, mitunter eilte er sogar in die Kabine, um „den Jungs zu helfen“. Schließlich habe er von der Tribüne aus Dinge gesehen, die es zu verbessern galt und gilt. „Sehr emotional“ könne er in Situationen werden, in denen etwas „nicht so läuft wie geplant“, sagt er.

Diese Emotionalität will Bastian Schweinsteiger fortan wieder auf dem Platz ausleben. Wenn auch (vorerst) nicht gegen Daniel van Buyten.

sid

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