Schon wieder Hooligan-Verfolgungsjagd

Rostock - Nach der nächtlichen Verfolgungsjagd durch einige Hooligans von Hansa Rostock auf der Autobahn hat die Polizei in Rostock von einer neuen Dimension der Gewalt im Fußball gesprochen.

Dem deutschen Fußball droht eine neue Form der Gewalt, Angriffe auf Fans weitab der Stadien scheinen Schule zu machen. Nur eine Woche nach dem brutalen Überfall von Kölner Fans auf einen Gladbacher Fanbus attackierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag Hooligans des Fußball-Zweitligisten Hansa Rostock anreisende Anhänger von Eintracht Frankfurt auf ebenso rabiate Weise.

„Wir hatten es schon öfter, dass Fans im Vorfeld eines Spiels angegriffen wurden. Dass sie aber so massiv verfolgt und bedroht wurden, ist neu“, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Rostock dem SID. Fassungslos reagierte auch Eintracht-Vorstand Klaus Lötzbeier. „Die immer schlimmer werdende Brutalität auf den Anfahrtswegen ist für den Fußball eine Katastrophe. Das sind unmenschliche Verbrechen und haben mit dem normalen Aufeinandertreffen von zwei Fangruppen nichts mehr zu tun“, sagte Lötzbeier dem SID.

Eine Gruppe von 15 vermummten Anhängern hatte in der Nacht zu Sonntag auf einem Parkplatz der Stadtautobahn zwischen Warnemünde und Rostock zuerst Fans der Eintracht mit Steinen und Flaschen angegriffen. Nachdem die Gäste-Fans mit einem Transporter flüchteten, nahmen die Angreifer mit drei Fahrzeugen die Verfolgungsjagd auf. Bei einem Stopp wurde der Transporter umstellt und erneut mit Flaschen beworfen.

Zum „Höhepunkt“ der Verfolgungsjagd kam es, als die Hansa-Fans den Transporter ausbremsen und von der Straße abdrängen wollten. Nachdem die Polizei per Notruf alarmiert worden war, nahmen Beamte sechs Personen vorläufig fest. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um Rostocker im Alter zwischen 17 und 27 Jahren, die alle bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sind und der gewalttätigen Fußballfanszene von Hansa Rostock zugerechnet werden. Einen zumindest ähnlich gelagerten Überfall hatte es Ende des vergangenen Jahres gegeben. Damals griffen im Vorfeld des Rostocker „Geisterspiels“ etwa 20 vermummte Personen Anhänger von Dynamo Dresden in einem Lokal in Warnemünde an.

Nach den jüngsten Ausschreitungen wird der Ruf nach der Einführung personalisierter Tickets wieder lauter. „Die Möglichkeit der Einführung von personalisierten Tickets wird derzeit von der Politik und den Sicherheitsbehörden geprüft bei Vereinen, bei denen es immer wieder zu Gewaltexzessen der Fans kommt“, sagte Polizeioberrätin Katja Kruse, stellvertretende Leiterin der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Sport-Bild. Die ZIS, die die Datei „Gewalttäter Sport“ führt, gehört zur „Task Force Sicherheit“ im deutschen Fußball.

Hansa Rostock distanzierte sich derweil von den Attacken seiner Fans im Vorfeld des Spiels gegen Eintracht Frankfurt (1:5). „Wir sind gegen jegliche Form der Gewalt und verurteilen solch ein Verhalten“, sagte Rostocks Sprecher Lorenz Kubitz.

Offenbar hatten sich die Rostocker eine Attacke Kölner Hooligans vor Wochenfrist gegen einen auf der Heimreise befindlichen Gladbacher Fanbus als „Beispiel“ genommen. Am 4. März hatten zunächst mehrere Fahrzeuge mit gewaltbereiten Kölner Anhängern versucht, einen Bus mit Gladbach-Fans auszubremsen. Auf dem Rastplatz Siegburg-Ost auf der Autobahn A3 hatten dann vermummte Personen den Bus angegriffen, woraufhin der Busfahrer die Flucht in Richtung Köln ergriffen hatte.

Die Ermittlungen in Rostock gegen weitere verdächtige Personen werden unterdessen fortgeführt. Am Sonntagabend hatte es noch Hausdurchsuchungen bei den Tatverdächtigen gegeben. Dabei wurden mehrere „beweisrelevante“ Gegenstände beschlagnahmt, die im Zusammenhang mit weiteren Straftaten rund um den Fußball stehen könnten.

SID

Rubriklistenbild: © getty (Symbolbild)

Kommentare