Schock für England: Cahill schwer verletzt

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In dieser Szene passierte es: Gary Cahill (m.) prallt mit Torhüter Joe Hart (r.) zusammen, nachdem er von Belgiens Dries Mertens gestoßen wurde.

London - Zweiter Sieg im zweiten Spiel, aber den englischen Nationaltrainer Roy Hodgson plagen nach dem müden 1:0 gegen Belgien schon wieder Verletzungssorgen. Nun fällt auch noch Gary Cahill aus.

Roy Hodgson konnte schon gar nicht mehr hinschauen. Wieder einer, mag er sich gedacht haben, als er Abwehrspieler Gary Cahill mit voller Wucht und dem Gesicht voraus auf Torhüter Joe Hart prallen sah. Der Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft ist zwar Kummer gewohnt, aber so langsam gehen ihm wirklich die Spieler aus. Cahill, Abwehrspieler vom FC Chelsea, fällt wegen eines doppelten Kieferbruchs für die EM aus. Auf den Three Lions liege ein „Fluch“, jammerte die Boulevardzeitung The Sun.

Die Mittelfeldspieler Gareth Barry und Frank Lampard fielen ohnehin schon aus, Angreifer Wayne Rooney ist für die ersten beiden Gruppenspiele gesperrt - und nach dem mühsamen 1:0 gegen Belgien am Samstag in Wembley musste Hodgson nun erneut nachnominieren. „So langsam gehen uns die Stand-by-Spieler aus“, sagte der 64-Jährige gleich nach dem Spiel mit einem Hauch von Fatalismus, „aber wir werden schon noch einen finden.“ Die hastige Suche endete bei Martin Kelly, er spielt beim FC Liverpool. Der Mann hat erst ein Länderspiel absolviert - am 26. Mai gegen Norwegen.

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Cahill, von hinten übel vom Belgier Dries Mertens geschubst, musste in der 17. Minute zunächst mit Verdacht auf Kieferbruch ausgewechselt werden, einen Tag später wurde die Diagnose bestätigt. „Uns würde wieder ein entscheidendes Element in unserer ursprünglichen Gruppe fehlen“, hatte Hodgson prophezeiht - seine düstere Vorahnung hat sich nun bestätigt. Immerhin bleibt der Abwehr ein Totalschaden zunächst noch erspart: John Terry, der am Samstag in der zweiten Halbzeit wegen akuter Oberschenkelprobleme ausgewechselt wurde, unterzog sich am Sonntag einer Computertomographie - und bleibt im Kader.

Da geriet es fast zur Nebensache, dass am Samstag im Wembleystadion auch Mannschaftskapitän Steven Gerrard vom Feld humpelte, angeblich nur wegen eines Muskelkrampfes, und Joleon Lescott das Spiel mit einem Turban beendete, nachdem er eine Platzwunde über dem Auge erlitten hatte. Bis zum ersten Gruppenspiel gegen Frankreich am kommenden Montag, 11. Juni, darf Hodgson den Kader laut Reglement noch ändern.

Immerhin war auch ein Lichtblick im Wembleystadion zu erkennen: Danny Welbeck. Der Angreifer von Manchester United erzielte in der 37. Minute den einzigen Treffer, es war ein wunderschönes Tor, und weil Welbeck bei der EM das Double für Rooney geben soll, herrschte allgemeine Erleichterung. „Es war großartig zu sehen, dass er sein erstes Tor erzielt hat“, sagte Rooney, der nach dem von Hodgson gewährten Sonderurlaub seit vergangener Woche bei der Mannschaft ist.

Rooney tat sein Bestes, um wenigstens jene Sorgen zu zerstreuen, die sein Fehlen in den Gruppenspielen gegen Frankreich in Donezk und Schweden (15. Juni in Kiew) hervorruft. „Ich habe genug gesehen, um daran zu glauben, dass wir ohne mich in den beiden Spielen gut zurechtkommen werden“, sagte er - eine massive Übertreibung, denn in der Tat war das Spiel wenig überzeugend. Rooney schien das nicht gesehen zu haben, jedenfalls ergänzte er: „Wir haben auf jeden Fall die Spieler, um in diesen ersten beiden Spielen gute Resultate zu erzielen.“

SID

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