Schiris wollen wilde Trainer mehr bestrafen

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Bald Vergangenheit? Manuel Gräfe (li.) und Club-Trainer Dieter Hecking in einer angeregten Diskussion.

Altensteig-Wart - Beim Leistungstest der Schiedsrichter der Bundesliga und 2. Liga legten sich die Referees auf eine härtere Gangart gegen aufbrausende Trainer fest.

Kritik am wilden Verhalten der Trainer und ein stiller Abgang: Am Rande des Leistungstests der Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga und der 2. Liga in Altensteig-Wart beschlossen die Referees ein härteres Durchgreifen gegen aufbrausende Coaches. Zudem sorgte Marc Seemann für Schlagzeilen. Der Unparteiische aus Essen fiel durch die Prüfung, verzichtete auf eine zweite Chance und wird in der kommenden Saison keine Zweitliga-Spiele pfeifen. Damit kommen in der am 15. Juli beginnenden Spielzeit im Unterhaus insgesamt nur noch 20 statt wie geplant 21 Schiris zum Einsatz.

Seemann war in der vergangenen Woche bereits aus der Bundesliga in die 2. Liga zurückgestuft worden. Der 38-Jährige war zwischenzeitlich ein Jahr wegen einer Fußverletzung ausgefallen. Die Zweitliga-Neulinge Martin Petersen (Leinfelden-Echterdingen), Benjamin Cortus (Nürnberg) und Marcel Unger (Nordhausen) hatten dagegen bei dem obligatorischen Leistungstest ebenso wie ihre anderen Kollegen keine Probleme.

Bei dem Treffen fehlte Bibiana Steinhaus. Die deutsche Vorzeige-Schiedsrichterin aus Hannover ist derzeit bei der Frauen-WM gefordert. Auch Florian Meyer (Burgdorf) war verletzungsbedingt nicht dabei.

Bei dem viertägigen Lehrgang standen neben dem physischen Leistungstest noch Schulungen zur Teamarbeit, zum Einsatz des Headset-Systems und zur Körpersprache auf dem Programm. Zudem gab es für die Spielleiter Hinweise zur Regelauslegung insbesondere bei Abseits, Handspiel sowie der Anwendung von Gelben und Roten Karten.

Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, kritisierte mit Blick auf die vergangenen Saison vor allem das Verhalten einiger Trainer auf der Bank oder am Spielfeldrand. „Da gab es Fälle, die so nicht möglich sind. Trainer haben wild gestikulierend und außerhalb der Coachingzone agiert. Das ist ein Eingriff in die Befugnisse der Schiedsrichter. Da müssen klare Grenzen gesetzt werden“, forderte der frühere FIFA-Referee ein hartes Durchgreifen.

Manuel Gräfe, im Mai zum Schiedsrichter des Jahres gewählt, schlug in die gleiche Kerbe: „Es geht beim Verhalten auf der Bank um Respekt und Vorbildfunktion. Das hat auch Signalwirkung auf die Zuschauer“, meinte der Berliner.

Unter der Regie von Hellmut Krug, der für das Schiedsrichterwesen in der Deutschen Fußball Liga (DFL) zuständig ist, wurde zudem das Video-Portal ausgebaut. Dort erhält zukünftig jeder Unparteiische eine eigene Seite, auf der er seinen aktuellen Leistungsstand überprüfen kann. Dort finden sich auch Einzelszenen, die mit der offiziellen Stellungnahme der Schiedsrichterkommission versehen sind.

Auch die Themen Abseits und Handspiel nahmen einen breiten Raum ein. Laut Fandel-Stellvertreter Lutz Michael Fröhlich soll nur noch gepfiffen werden, „wenn deutlich erkennbar ist, dass die Hand zum Ball geht.“ Beim Abseits zählte in der Vergangenheit der Eingriff eines Akteurs, der in Abseitsposition stand. Künftig soll schon gepfiffen werden, „wenn durch diesen Spieler eine Irritation vorliegt“, sagte Fröhlich.

sid

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