Rafati: Der wahre Grund für meinen Suizidversuch

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Babak Rafati leidet an Depressionen

Hannover - Sechs Tage nach seinem Selbstmordversuch hat Schiedsrichter Babak Rafati den wahren Grund für seine Tat öffentlich gemacht. Wir zeigen den ganzen Brief im Wortlaut.

In einem Schreiben seines Anwalts Sven Menke heißt es, es sei der „falsche Eindruck“ entstanden, private Gründe oder familiäre Probleme hätten zu dem Suizidversuch geführt. Tatsächlich sei eine in den vergangenen Tagen diagnostizierte Depressions-Erkrankung Ursache seines Handeln gewesen. „Es ist ein dringendes Anliegen von Herrn Rafati, (...) die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Beweggründe zu informieren“, heißt es in der Mitteilung.

Rafati wird sich nun in fachärztliche Behandlung begeben. Nach einer erfolgreichen Therapie will er auch wieder als Schiedsrichter aktiv sein.

Der DFB teilte am Freitagnachmittag mit, er begrüße „ausdrücklich die Entscheidung von Babak Rafati, sich offen zu seiner Depressions-Erkrankung zu bekennen und in Ruhe fachärztlich behandeln zu lassen.“ Es sei ein „wichtiger und richtiger Schritt“, sagte Präsident Zwanziger. Zugleich sicherte er Rafati zu, der Verband werde ihn „mit all unseren Möglichkeiten unterstützen“. Dem Schiedsrichter stünden zudem „selbstverständlich auch die Hilfsangebote der Robert-Enke-Stiftung zur Verfügung, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2010 mit dem komplexen Krankheitsbild Depressionen beschäftigt.“ Rafatis Beispiel zeige erneut, wie wichtig die Arbeit der Stiftung sei.

Der DFB teilte darüber hinaus mit, dass sich sein Präsidium auf seiner nächsten Sitzung am 2. Dezember intensiv mit der aktuellen Situation und dem Gesamtkomplex des deutschen Schiedsrichterwesens befassen werde.

Die Erklärung von Dr. Sven Menke im Namen von Babak Rafati im Wortlaut

In Teilen der Öffentlichkeit ist aufgrund verschiedener Spekulationen der Eindruck entstanden, dass private Gründe bzw. familiäre Probleme die Ursache für den Suizidversuch von Babak Rafati gewesen sein könnten. Es ist ein dringendes Anliegen von Herrn Rafati, diesen falschen Eindruck zu korrigieren. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und seiner Familie hat er sich dazu entschlossen, die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Beweggründe zu informieren.

Von den behandelnden Ärzten wurde bei Herrn Rafati in den vergangenen Tagen eine Depressions-Erkrankung diagnostiziert. Die damit einhergehenden Symptome traten nach seiner persönlichen Einschätzung vor etwa eineinhalb Jahren das erste Mal auf und haben sich seither in ihrer Intensität immer weiter verstärkt. Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung. Eine Belastung, die irgendwann selbst Alltagsprobleme unlösbar erscheinen ließ und der er sich am Ende nicht mehr gewachsen fühlte.

Herr Rafati hat für sich dafür entschieden, offen mit der Krankheit umzugehen und sich ihr zu stellen. Er hat sich in fachärztliche Behandlung begeben, um die Ursachen therapieren zu lassen. Wie lange dies dauern wird, ist derzeit nicht absehbar. Babak Rafati wünscht sich, am Ende dieser Therapie in sein normales Leben zurückkehren zu können, auch als Schiedsrichter. Und er bittet darum, ihm die Ruhe und Zeit zu geben, die er jetzt für seinen Genesungsprozess benötigt.

sid

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