Schalke als Bayern-Jäger? Heldt prustet los

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Schalke steht auf Platz 2 hinter dem FC Bayern

Gelsenkirchen - Auf die Frage, ob der FC Schalke nun den Tabellenführer FC Bayern jagt, prustet Manager Horst Heldt los. Die Gelsenkirchener jagen sich angeblich "nur selbst". 

Der Senor beliebte zu schweigen. Freundlich lächelnd tauchte Raul unter einem Absperrband hinweg, kritzelte noch schnell einem Rollstuhlfahrer ein Autogramm auf ein Kissen und verschwand im Aufzug - ohne ein Wort. Das war aber auch nicht weiter schlimm, denn jeder Spieler und Offizielle von Schalke 04 bekam nach dem 1:0 (0:0)-Arbeitssieg gegen Borussia Mönchengladbach sowieso zunächst die eine, unvermeidliche Frage gestellt: „Ist Schalke der neue Bayern-Jäger Nummer eins?“

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Die Antwort ging immer in dieselbe Richtung, war jedoch unterschiedlich. Manager Horst Heldt prustete sogar ein wenig los, lachte lauthals und sagte dann: „Tss, tss, Bayern-Jäger! Wir jagen nur uns selbst. Wir sind froh, dass wir da oben sind und neun Punkte haben.“ Das sind neun mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Trainer Ralf Rangnick verwies dennoch auf die mangelnde Aussagekraft der Tabelle, die erst nach dem zehnten Spieltag in etwa die Verhältnisse spiegeln werde.

Viel wichtiger war der Führungsetage, dass diese Mannschaft eine neue Qualität entdeckt hatte. „Das eigentlich Erfreuliche war das Zu-Null. Es war unser mit Abstand bestes Spiel gegen den Ball“, sagte Rangnick - alles weitere komme automatisch: „Wenn wir so spielen, ergeben sich ordentliche Tabellenränge von alleine.“ Rangnick war so euphorisch, er musste nach einem „fantastischen“ Spiel „erst mal runterkommen. Hut ab!“

Von Beginn an präsent, in der Abwehr stabil, geduldig - und das gegen ein Team, „das seit gefühlten 15 Spielen nicht mehr verloren hat“, wie Rangnick es ausdrückte. Zuletzt hatte das häufig ganz anders ausgesehen, zum Beispiel, als der finnische „Nobody“ Teemo Pukki die Defensive im Europa-League-Play-off noch im Alleingang auseinanderschraubte.

Das Fazit: „Mit der Art und Weise, wie wir heute gespielt haben, bin ich mindestens so zufrieden wie mit dem Ergebnis“ (Rangnick) - oder, aus dem Mund von Horst Heldt: „Wir können von einem gelungenen Saisonstart sprechen.“ Nicht mehr, aber auch nicht weniger: „Nach dem Auftakt-Spiel beim VfB Stuttgart (0:3, d. Red) war noch Trübsal angesagt. Jetzt sieht es besser aus.“

Besonders bemerkenswert war, dass die auch europaweit absolut vorzeigbare Offensive mit Raul und Klaas-Jan Huntelaar rannte und rannte und rannte. Raul war ein Kilometerfresser, er legte 11,6 km zurück und hatte dennoch genug Luft, mit seinem Schalke-Rucksack die Treppen in der Arena im Laufschritt zu nehmen - denn sprechen wollte er ja nicht.

Auf Mönchengladbacher Seite sprach man dagegen recht gerne - trotz der ersten Saisonniederlage, die verdient war. „Man durfte nach dem Hype um die Tabellenführung ja nicht erwarten, dass der Fast-Absteiger kommt und 34 Spiele lang die Bundesliga überrollt“, sagte Sportdirektor Max Eberl: „Es gibt keinen Grund zu träumen. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber insgesamt können wir zufrieden sein.“

Ein Rand-Aspekt blieb trotz starker Fernsehbilder eine Szene kurz vor dem Abpfiff. Alexander Baumjohann hatte an der Seitenlinie einen Ball wegschlagen wollen, rasselte aber in vollem Tempo in den Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre, der den vermeintlichen Übeltäter sekundenlang am Kragen packte. Nach dem Abpfiff ging Baumjohann in die Kabine des Gegners und entschuldigte sich. Damit war die Sache für beide Seiten „erledigt“.

sid

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