"Welche Aufbruchstimmung?"

Schalke im Schockzustand

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Timo Hildebrand kassierte mit Schalke vier Treffer in München

Gelsenkirchen - Schalke 04 befindet sich nach dem 0:4 bei Bayern München im Schockzustand. Besserung ist nicht in Sicht, vor allem, weil sich Manager Horst Heldt in eine Zwickmühle manövriert hat.

 Natürlich durften die Profis von Schalke 04 am Rosenmontag keinen Karneval feiern, Videoanalyse und Krafttraining standen auf dem Programm. Zwei Tage nach dem 0: 4-Debakel beim Tabellenführer Bayern München versuchten die Königsblauen, mithilfe von wenig erbaulicher Alltagsarbeit den Schock aus den Gliedern zu bekommen. Der Absturz vom Bayern-Jäger zum größten Pflegefall der Fußball-Bundesliga stellt die Schalker vor eine harte Probe - vor allem Manager Horst Heldt, der einen Großteil der Krise selbst zu verantworten hat.

Das ganze Schalker Elend war am Samstag kurz nach dem Ende der Vorführung der Bayern im Gesicht von Torwart Timo Hildebrand abzulesen gewesen. Und auch seine Worte sprachen Bände. Auf die Frage nach Aufbruchstimmung unter dem neuen Trainer Jens Keller sagte Hildebrand: „Welche Aufbruchstimmung? Lassen wir das Thema, ich glaube, da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Es bringt jetzt nichts, darüber zu reden.“ Ein weiterer Satz des 33-Jährigen ins ZDF-Mikrofon ließ vermuten, dass sich sein Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der sportlichen Führung in Grenzen hält: „Wir müssen weitermachen, nach vorne schauen - die üblichen Parolen.“

Davon hatten Heldt („Die Spieler müssen sich an der Ehre gepackt fühlen“) und Keller („Es gibt Unruhe, aber das ist Schalke 04“) zuletzt reichlich zu bieten. Viele von Heldts Entscheidungen in den vergangenen Wochen erwiesen sich im Nachhinein als falsch. Nun herrscht eine Dynamik, die kaum noch beherrschbar ist. Die Entlassung von Huub Stevens war nach derzeitigem Stand kontraproduktiv, weil die Talfahrt unter dem unerfahrenen und blassen Keller noch rasanter vonstattenging.

Ein Sieg in den vergangenen zehn Spielen haben die Schalker vorzuweisen. Das war das vogelwilde 5:4 gegen Hannover 96, das den desolaten Zustand der Defensive (35 Gegentore in der Bundesliga) nicht kaschieren konnte. Es folgten ein 0:0 in Augsburg, das 1:2 gegen Schlusslicht Greuther Fürth und der leblose Auftritt in München. Dort hatte Schalke auch mit einer Verletztenmisere zu kämpfen, für die Heldt nichts kann - im Gegensatz zu den Verpflichtungen: Teemu Pukki, Tranquillo Barnetta oder Chinedu Obasi sind als Krisenhelfer schlichtweg überfordert.

Auch die Personalien Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby löste Heldt in der Rückschau eher unglücklich. Der Vertragspoker mit beiden zog sich monatelang hin, der Angreifer und der Regisseur stürzten in ein Leistungstief. Auch die Entscheidung, Huntelaar mit einem neuen Multimillionenvertrag auszustatten und Holtby für nur 1,75 Millionen Euro vorzeitig zu Tottenham Hotspur ziehen zu lassen, sehen viele Fans der Königsblauen extrem kritisch.

Nun ist Huntelaar verletzt, und im Mittelfeld fehlt Holtbys Kreativität, die Neuzugang Raffael (noch) nicht zu bieten hat. Und Michel Bastos, der den langzeitverletzten Ibrahim Afellay ersetzen soll, sorgte bei den Fans bereits für zusätzlichen Frust. In der Halbzeitpause in München hatte der Brasilianer nichts Besseres zu tun, als schon mal das Trikot mit seinem brasilianischen Landsmann Dante zu tauschen.

Schalke bot ein einziges Bild des Jammers. Angesichts des Spiels ist eine Wende zum Guten in den anstehenden Spielen beim FSV Mainz 05 und bei Galatasaray Istanbul im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals unwahrscheinlich.

Zudem steckt Heldt in der Zwickmühle, weil er Keller eine Jobgarantie bis zum Saisonende gab. Die Folge war das Gegenteil von Ruhe. Spekulationen, Keller diene nur als Platzhalter für eine große Trainerlösung im Sommer, ließ der Manager bislang unwidersprochen. Und solange Heldts Freund Armin Veh bei Eintracht Frankfurt seinen Vertrag nicht verlängert, steht eine schlüssige Option im Raum.

Selbst eine Trennung vom Manager, der seit der Entlassung von Felix Magath alle Fäden in der Hand hält, scheint nicht ausgeschlossen. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies hält sich derzeit bedeckt. Der Fleischfabrikant weilt in Australien.

sid

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