Schalke: Nicht "in der Klapse landen"

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Lewis Holtby im Training

Gelsenkirchen - Nach dem Aus im Pokal und Meisterrennen hofft Schalke 04 auf den Europa-League-Titel. Doch die Voraussetzungen vor dem Hinspiel bei Twente Enschede sind alles andere als günstig.

Huub Stevens hatte nicht von ungefähr schlechte Laune. Das Aus im Meisterrennen nach zwei Niederlagen in Folge, große Personalsorgen und die Aussicht auf einen recht ungemütlichen Abstecher in seine niederländische Heimat ließen den Trainer von Schalke 04 mal wieder dünnhäutig werden.

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„Ich glaube nicht, dass die Welt untergegangen ist“, sagte der Coach des Fußball-Bundesligisten sichtlich angespannt vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League bei Twente Enschede: „Das Schöne am Fußball ist, dass es weiter geht und wir schon am Donnerstag die Chance haben, es besser zu machen als in Freiburg.“

Doch nicht nur das 1:2 beim Abstiegskandidaten SC Freiburg und die anhaltende Talfahrt seines Teams machen dem „Knurrer von Kerkrade“ vor dem Duell mit dem Tabellenzweiten der Ehrendivision (19.00/Sky und Kabel eins) zu schaffen. Die dünne Personaldecke zwingt Stevens zum Improvisieren.

Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar stieg am Mittwochnachmittag nicht mit in den Bus. Zwar hatte der 28-Jährige am Morgen eine Laufeinheit absolviert. Doch gemeinsam mit den Ärzten wurde entschieden, auf den in dieser Europapokalsaison schon zehnmal erfolgreichen Stürmer vorsichtshalber zu verzichten.

“Die Ausfälle tun uns natürlich weh“, räumt Jungstar Julian Draxler vor seinem 17. Europapokalspiel ein. Während sich Jermaine Jones nach einer Erkältung zurückmeldete, zerschlug sich auch die Hoffnung auf ein Mitwirken von Christoph Metzelder (Muskelfaserriss). “Christoph ist noch nicht einsatzfähig“, sagte Stevens. “Und bei Klaas wollen wir kein Risiko eingehen.“ Der holländische Stürmer hatte vor einer Woche beim Länderspiel in England eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Und die letzten Reaktionstests bei Huntelaar waren nicht positiv.

Die einsatzbereiten Spieler blicken trotz allem zuversichtlich auf die Begegnung im Stadion Grolsch Veste. „Wir haben die Fehler aus dem letzten Spiel analysiert und das abgehakt. Wir würden ja in der Klapse landen, wenn wir uns durch jede Niederlage verrückt machen ließen. Im Gegenteil, wir sind noch enger zusammengerückt“, sagte Lewis Holtby.

Dazu gehörte angeblich auch, dass die Mannschaft den zuletzt lustlosen Farfan zur Rede stellte. Durch seine Sperre erübrigt sich die ansonsten interessante Frage, ob der eigenwillige Peruaner in Enschede eine Bewährungschance erhalten hätte.

Unabhängig von der Aufstellung muss sich Schalke auf eine extrem schwere Aufgabe einstellen. Twente, trainiert vom ehemaligen Wolfsburger Coach Steve McClaren und dessen Assistenten Youri Mulder, einem der Schalker Eurofightern von 1997, strotzt nach dem 6:2 bei PSV Eindhoven vor Selbstvertrauen. „Dieses Ergebnis sollte Warnung genug sein“, sagte Draxler.

Stevens, der das Spiel am Sonntag in Eindhoven verfolgt hatte, wollte das Offensivspektakel des kommenden Gegners nicht überbewerten. „Twente hat ein gutes Spiel gemacht, aber wir müssen uns dort nicht verstecken. Ich denke, dass Enschede Respekt vor uns hat.“

Viele Schalker Fans dürften dennoch die nur rund 100 Kilometer bis nach Enschede mit einem mulmigen Gefühl antreten. Das letzte Aufeinandertreffen zwischen beiden Klubs endete im Dezember 2008 mit einem 2:1-Sieg für die Niederländer. Die Königsblauen schieden in der Gruppenphase des UEFA-Cups aus. Die Pleite trug zur Entlassung von Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller wenige Wochen später bei.

Die voraussichtlichen Mannschafsaufstellungen:

Enschede: Mihajlow - Cornelisse, Wisgerhof, Douglas, Rosales - Brama, Janssen, Fer - Chadli, de Jong, John. - Trainer: McClaren

Schalke: Hildebrand - Höger, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Jones, Holtby - Obasi, Raul, Draxler (Jurado) - Marica. - Trainer: Stevens

Schiedsrichter: Craig Thomson (Schottland)

sid / dpa

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