Schalke nach 0:5 gegen Bayern unter Druck

"Der meldet sich schneller als meine Frau"

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Horst Heldt (l.) und Clemens Tönnies

München - Schalke 04 gerät nach dem 0:5 gegen den FC Bayern immer mehr unter Druck - auch Jens Keller . Auf die Frage nach einem Anruf von Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies antwortet Horst Heldt süffisant.

Die Reaktionen nach dem 0:5-Debakel im Test gegen Bayern München fielen wie erwartet aus. „Ein bisschen geängstigt“ habe ihn das Testspiel, sagte Olaf Thon, und die Klubikone sprach zahlreichen Fans von Schalke 04 aus der Seele. Sportdirektor Horst Heldt will von Angst natürlich nichts wissen. Mit Augenmaß, Ruhe und Investitionen auf dem Transfermarkt soll die königsblaue Krise bewältigt werden.

„Wir sind nicht bereit, unser Ziel Champions Legaue nach einem 0: 5 gegen Bayern aufzugeben. Wir werden daran festhalten. Hier gehen doch nicht die Lichter aus“, sagte Heldt im Interview mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe und betonte: „Es ist klar, dass wir jetzt zerissen werden, aber das muss man aushalten.“

Demonstrativ nahm er deshalb auch den neuen Trainer Jens Keller aus der Schusslinie: „Ich beurteile die Arbeit von Jens Keller danach, wie er sich bei der Mannschaft präsentiert: Und da kann man einfach nicht außer Acht lassen, dass er das gut macht und den Spielern einen Plan mitgibt. Ich bin überzeugt, dass seine Arbeit fruchten wird.“

Auch die Tatsache, dass er nach dem Spiel gegen die Bayern einen Anruf des mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies erhalten hatte, kommentierte Heldt betont gelassen. „Ja, der meldet sich schneller als meine Frau“, sagte der ehemalige Mittelfeldspieler und verwies auf den generell intensiven Austausch mit seinem Boss.

Der Druck auf Keller, Nachfolger des entlassenen Huub Stevens, ist trotz der Rückendeckung enorm. Von Aufbruchstimmung, die mit der überraschenden Beförderung des 42-Jährigen entfacht werden sollte, kann keine Rede sein. Im Trainingslager in Doha ist nicht zuletzt nach der Vorführung durch die Bayern sogar das Gegenteil eingetreten. „Zugegeben, eine gewisse Verunsicherung ist da“, sagte Keller dem kicker. Als „sinnvoll“ erachtete er, dass sein Team vom Rekordmeister deutlich aufgezeigt bekommen habe, „was wir schleunigst verbessern müssen“.

Die schnellsten Trainerentlassungen seit 1999

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Doch die angespannte Personalsituation engt Kellers Handlungsspielraum bis zum Ligastart gegen Hannover 96 am Freitag kommender Woche ein. Ibrahim Afellay (Sehneneinriss) und Christoph Moritz (Außenband-Anriss) fallen mehrere Wochen aus. Kyriakos Papadopoulos (Knie-OP) fehlt schon länger. Atsuto Uchida, Christoph Metzelder und Marco Höger sind angeschlagen, sie fehlten gegen die Bayern ebenso wie Jefferson Farfan (Trainingsrückstand). Zudem sind Klaas-Jan Huntelaar und Jermaine Jones gegen Hannover gesperrt.

Horst Heldt will nun auf die „ein Stück“, aber „nicht unendlich“ gefüllte Kriegskasse zurückgreifen. Den ehemaligen Hertha-Profi Raffael, der zurzeit bei Dynamo Kiew unter Vertrag steht, bezeichnet er als „interessanten Spieler“. Nach kicker-Informationen soll auch Sidney Sam bei Heldt auf dem Zettel stehen, eine mögliche Offerte an Bayer Leverkusen kann sich der Schalker Manager aber sparen. „Ein Verkauf von Sidney ist für uns absolut kein Thema, wir brauchen ihn“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler auf SID-Anfrage. Es liege aber, so Völler, auch keine Anfrage aus Schalke vor.

Die Schalker Spieler scheinen sich über den Ernst der Lage - in der Liga ist der Champions-League-Achtelfinalist auf den siebten Platz abgestürzt - im Klaren zu sein. „Wenn wir die Champions-League-Qualifikation erreichen wollen, haben wir in der Bundesliga noch 17 Endspiele vor uns, und davon müssen wir so viele wie möglich für uns entscheiden“, sagte Außenverteidiger Christian Fuchs. Frisches Selbstvertrauen unter Wettkampfbedingungen können sich die Schalker nur noch einmal holen: Am Montag im Test beim Zweitligisten SC Paderborn.

sid

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