Schalke und die Keeper: "Haben die Seuche"

Gelsenkirchen - Timo Hildebrand fällt bei Schalke am Sonntag bei seinem ehemaligen Verein 1899 Hoffenheim definitiv aus. Sitzt ein Novize wie Lukas Raeder oder Robin Himmelmann auf der Bank?

Nach der Raul-Gala mit bitterbösem Ende begann bei Schalke 04 die Suche nach dem letzten Fünkchen Hoffnung - und nach einem Torhüter. „Wir müssen jetzt langsam mal schauen, wer im Verein noch Handschuhe hat“, sagte Manager Horst Heldt nach dem 2:4 (1:1) im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Athletic Bilbao und klagte: „Der vierte Torwart der Saison - das ist schon nicht mehr lustig.“ Mittelfeldspieler Jermaine Jones brachte es auf den Punkt: „Wir haben die Seuche.“

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Nach Ralf Fährmann und Lars Unnerstall hatte sich auch Timo Hildebrand, die dritte Nummer eins in dieser Spielzeit, verletzt: Kapsel- und Sehnenverletzung am rechten Ellbogen lautete am Freitagmorgen die Diagnose, damit fällt der Ex-Nationaltorwart wohl länger aus. Der 35-jährige Mathias Schober, seit mehr als drei Jahren ohne Spielpraxis, musste zwischen die Pfosten. Die Aussicht, mit dem letzten verbliebenen „Eurofighter“ von 1997, in den meisten seiner 18 Profijahre der ewige Ersatzkeeper, in die entscheidenden Wochen zu gehen, ist wenig verlockend.

Trainer Huub Stevens lud deshalb am Freitag zum Torwart-Casting: Unnerstall, der vor sechs Wochen eine Schultereckgelenksprengung erlitten hatte, stand erstmals wieder auf dem Trainingsplatz. Zudem spielten U23-Keeper Robin Himmelmann und U19-Schlussmann Lukas Raeder vor. „Dass Lars wieder da ist, ist erfreulich, aber auch nicht mehr“, sagte Stevens, das Risiko, ihn schon am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei 1899 Hoffenheim einzusetzen, dürfe man nicht eingehen. „Wir haben Schobi. Wer dazu kommt, müssen wir noch besprechen.“

Auch wenn Schober, der zuletzt am 13. März 2009 beim 3:4 in Wolfsburg im Schalker Tor gestanden hatte, laut Heldt „an den Toren auch nicht so viel machen konnte“ - Sicherheit gab der Zwangswechsel der jungen Abwehr nicht. „Drei Gegentore zu bekommen, ist ärgerlich“, sagte der 35-Jährige und fügte trotzig an: „Jetzt müssen wir auf ein Wunder hoffen. Aber die gibt's ja immer wieder.“

Lange hatte es so ausgesehen, als sei ein Wunder gar nicht nötig. Nach Hildebrands Fehler und dem 0:1 durch Fernando Llorente (21.) blühte Raul gegen seine Landsleute regelrecht auf und versetzte die 53.883 Zuschauer mit seinen Europapokaltoren Nummer 75 und 76 (22. und 60.) in Partystimmung. Vor den Augen seines Beraters Gines Carvajal, der zu Verhandlungen eingeflogen war, betrieb der Weltstar beste Werbung für einen neuen Vertrag, hatte sogar das 3:1 auf dem Fuß (64.).

Doch dann erwiesen sich die Basken, die schon den letztjährigen Champions-League-Finalisten Manchester United ausgeschaltet hatten, als Partyschreck. Statt sich mit dem 2:1-Vorsprung zufrieden zu geben, rannten die Schalker ins Verderben und ließen sich auskontern. Nach den Toren von Llorente (73.), Oscar de Marcos (81. ) und Iker Muniain (90.+3) in der Schlussphase ist der Traum vom zweiten Europacup-Triumph nach 1997 schon vor dem Rückspiel am nächsten Donnerstag in Bilbao ausgeträumt.

Zudem droht die Gefahr, dass sich das Negativerlebnis nach zuletzt vier Pflichtspielen in Folge auch in der Bundesliga auswirkt. „Wir müssen das jetzt abschütteln“, sagte Heldt mit Blick auf das Spiel am Sonntag. Dann geht es darum, den dritten Platz und damit das Direkt-Ticket für die Champions League zu verteidigen.

„Es ist klar, dass das gegen Hoffenheim jetzt in die Hose gehen kann“, meinte Jones, setzte aber auch auf einen positiven Effekt der schmerzhaften Niederlage: „Ich glaube, dass die Mannschaft aus dem Spiel auch lernt. Sie muss einfach cleverer werden.“

sid

Rubriklistenbild: © dapd

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