Raul sagt "Adios Europa" - oder doch nicht?

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Der Auftritt von Raul in Bilbao könnte sein letzter auf der eurpäischen Fußballbühne gewesen sein.

Bilbao - Mit dem 2:2 (1:1) bei Athletic Bilbao hat sich Schalke 04 vorübergehend aus dem Europapokal verabschiedet. Für Raul könnten es das letzte Spiel und das letzte Tor auf der europäischen Bühne gewesen sein.

Am Ende seines vielleicht letzten Europapokal-Abends lächelte Raul versonnen. „Es war ein schönes Tor“, sagte der spanische Weltstar, als er nach dem 2:2 (1:1) mit Schalke 04 bei Athletic Bilbao nach seinem 77. Europacup-Treffer gefragt wurde. Mit seinem sehenswerten Schuss in den Winkel zum zwischenzeitlichen 2:1 (52.) hatte der 34-Jährige nicht nur seine eigene Legende weitergeschrieben, sondern den Königsblauen noch einmal Hoffnung auf ein Wunder im San Mames gemacht. Doch das Aus hatte auch der Europapokal-Rekordtorschütze nicht verhindern können.

Am Ende fragten sich viele: War es sein letztes Tor auf der europäischen Bühne? Raul selbst ließ die Antwort offen, noch hat er nicht über eine Vertragsverlängerung mit den Gelsenkirchenern entschieden. Sein Sturmkollege Klaas-Jan Huntelaar indes konnte sich gut vorstellen, dass der Spanier seinem Rekord noch einige Treffer hinzufügen wird. „Er hat eine Super-Karriere bis jetzt, und er spielt immer noch“, sagte der Niederländer, der die Schalker mit seinem 42. Pflichtspieltor der Saison zum ersten Mal in Führung gebracht hatte (29.), und fügte an: „Er hat noch immer Freude daran, der Wille ist da. Der Kopf ist das Wichtigste.“

Außerdem, betonte Huntelaar, habe Raul in den beiden Viertelfinals gegen Bilbao „super gespielt“. Noch ein Jahr in der Champions League, die die Schalker als Bundesliga-Dritte auf direktem Wege ansteuern, traue er ihm durchaus zu, „aber er muss selbst entscheiden“. Mit seinen ingesamt drei Toren gegen Athletic, einer überragenden Leistung im Hinspiel und einer ganz starken zweiten Halbzeit in Bilbao zerstreute der 34-Jährige in der Tat alle Zweifel an seinem verbliebenen Potenzial.

Auch die spanische Presse zog den Hut vor dem Altstar. „Raul gibt nie auf, aber Athletic antwortet immer“, schrieb die Sporttageszeitung Marca, und viel Bewunderung schwang mit, als es hieß, dass Schalke mit „elf Rauls“ bis zur letzten Sekunde um seine kleine Chance gekämpft habe. Der Gelobte selbst fand, dass „wir ein großes Spiel gemacht“ und „leider in den letzten 20 Minuten im Hinspiel verloren haben“. Da hatten die Basken den von Raul herausgeschossenen 2:1-Vorsprung der Schalker in eine 2:4-Niederlage verwandelt. Ein bisschen klang es aber doch nach Abschied, als der Spanier sagte: „Ich möchte Danke sagen für all die Zuneigung, die ich erhalten habe.“

Seine Landsleute, die ihn schon bei der Ankunft wie einen König empfangen hatten, applaudierten besonders herzlich, als er vor dem Anstoß als Kapitän der Gastmannschaft einen Blumenstrauß an der Büste der Athletic-Legende Rafael Moreno Aranzadi, genannt Pichichi, niederlegte. Als die Europa-Tour mit Schalke zu Ende war, wünschte Raul den Spaniern den totalen Triumph. „Es könnte sein, dass es in der Europa League und in der Champions League zu einem spanischen Finale kommt, das wäre eine schöne Sache“, meinte er, „das zeigt das tolle Potenzial in Spanien. Der spanische Fußball ist eine Freude.“

Gegen einen anderen Leidtragenden dieser spanischen Freude kämpft Raul mit Schalke am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) um drei weitere Punkte auf dem Weg zurück in die Königsklasse. Gegen Hannover 96 gehe es jetzt darum, „den dritten Platz zu retten“, sagte Mittelfeldspieler Lewis Holtby, „das wäre nach dem Aus ein schöner Trostpreis“. Ob er auch Raul trösten wird, ist noch offen.

sid

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