"San Gigi" Buffon soll Italien zum Titel führen

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Auf Gigi Buffon ruhen die Hoffnungen der italiensichen Tifosi.

Warschau - In Italien wird Torhüter Gianluigi Buffon verehrt wie ein Heiliger. „San Gigi“ soll auch im Halbfinale gegen Deutschland der Sieggarant des viermaligen Weltmeisters sein.

Der „heilige Gigi“ steht auch in den schwierigsten Situationen über den Dingen. Gianluigi Buffon ging vor dem EM-Elfmeterkrimi lässig auf Englands Kapitän Steven Gerrard zu, lachte ihn an und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Der italienische Startorhüter strahlte Ruhe und Optimismus aus. Danach schwor der Kapitän die Squadra Azzura auf den Showdown im Viertelfinale ein. Das Ende ist bekannt - Italien erreichte das Halbfinale gegen Deutschland am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) in Warschau, und England hatte wieder ein Elfmeterschießen verloren.

In seiner Heimat ist Buffon nicht nur wegen seiner Gelassenheit ein Heiliger. „San Gigi“ nennen sie ihn, und „San Gigi“ ist da, wenn er gebraucht wird. Der 34-Jährige stellt sich den großen Aufgaben. „Er hat bei den Elfmetern große Reife bewiesen. In solchen Momenten lastet die Zukunft der gesamten Mannschaft auf den Schultern des Tormannes. Doch Buffon versteht es, Verantwortung zu übernehmen“, sagte die italienische Torhüter-Legende Dino Zoff.

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Buffon genießt daher auch bei seinen Teamkameraden und Trainer Cesare Prandelli großes Ansehen. Er wird als absoluter Führungsspieler akzeptiert, seine Worte haben Gewicht. Auch eine mögliche Verstrickung in den nationalen Wett- und Manipulationsskandal lässt den viermaligen Welttorhüter kalt. Er soll zwischen Januar und September 2010 bis zu 14 Schecks im Gesamtwert von 1,5 Millionen Euro bei einem Wettbüro in Parma eingereicht haben. Nach den Statuten des nationalen Fußballverbandes FIGC ist den Profis jegliche Wettbeteiligung untersagt. Eine Befragung Buffons soll aber erst nach der EM stattfinden. Er mache mit seinem Geld, was er wolle, hatte „Gigi“ vor der EURO erklärt.

Unterstützung erhielt der Weltmeister von 2006 sogar von seinen Konkurrenten. „Wenn Buffon nicht mitkommt, dann fahren wir alle nach Hause. Italien ohne Gigi, das könnte man doch nicht mitansehen“, sagte Torhüter Emiliano Viviano, der aus dem EM-Kader gestrichen wurde.

So denken auch viele Fans des Rekordmeisters Juventus Turin. Buffon ist die personifizierte Vereinstreue. Er ging beim Zwangsabstieg vor sechs Jahren mit in die Zweitklassigkeit und vermittelte durch diesen Schritt sofort wieder Aufbruchsstimmung bei der alten Dame. In diesem Jahr feierte Buffon mit Juve nach 2002 und 2003 seine dritte Meisterschaft. Jetzt soll der nächste Titel her, der heilige Gral. Italien wartet seit 1968 darauf.

Der Respekt beim Gegner ist groß. Es werde nicht einfach, Buffon zu überwinden, sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Buffon selbst freut sich besonders auf das Aufeinandertreffen mit dem acht Jahre jüngeren Manuel Neuer. Er sei am Ende seiner Karriere, und Neuer habe noch viel vor sich. Er freue sich auf ihr Zusammentreffen, sagte Buffon.

Ganz nahe könnten sich die beiden Torhüter beim Elfmeterschießen kommen. Wenn die Italiener dran sind, wird Buffon sich wieder abwenden. „Das ist wie eine Lotterie. Ich kann das nicht sehen“, sagte er nach dem Viertelfinale. Wie beruhigend: Selbst „San Gigi“ ist nicht immer cool.

sid

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