Sammers Erwartungen an DFB-Kapitän Lahm

Philipp Lahm erhältRatschläge von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

München - Die Debatte um Führungsspieler in Deutschland ist in vollem Gange und langsam formieren sich die einzelnen Parteien. Bundestrainer Joachim Löw stützt Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ergreift Partei für Oliver Kahn.

In der Führungsspieler-Debatte herrscht selbst in der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes Uneinigkeit. Während Nationaltrainer Joachim Löw seinem Kapitän Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger demonstrativ den Rücken gestärkt hatte, stellt sich Sportdirektor Matthias Sammer auf die Seite von Kritiker Oliver Kahn.

“Ich folge Oliver Kahn inhaltlich zu 100 Prozent. Ich bin froh, dass ein sehr wichtiges Thema im Fußball in den Mittelpunkt rückt: die Persönlichkeitsentwicklung“, sagte der 43-Jährige auf “Sky“, warnte aber davor, die Diskussion “personenbezogen“ zu führen: “Sie muss sachorientiert sein.“

Löw lobt Führungsqualitäten von Lahm und Schweinsteiger

Löw hingegen hatte für Kahns Äußerungen, Bayern Münchens Kapitäne würden oftmals Konsens und Anerkennung suchen, anstatt die Mitspieler anzutreiben, nichts übrig: “Niemand von all den ehemaligen Nationalspielern, die sich jetzt in der Führungsspieler-Diskussion kritisch äußern, war in seinem Alter nur annähernd so weit mit seinen Führungs-Qualitäten wie jetzt Lahm und Schweinsteiger“, hatte der Bundestrainer “Sport-Bild online“ gesagt und sich hinter seine vermeintlichen “Leitwölfe“ gestellt.

Laut Sammer zeichnet sich ein Führungsspieler durch “sportliche Leistungsfähigkeit aus, die unumstritten ist. Und er muss dies in seiner Mannschaft berücksichtigen. Er muss der Mannschaft dienen“, sagte der Europameister von 1996, der “Gleichmacherei“ als den “Tod des Fußballs“ bezeichnete.

Führung habe nichts “mit Lautstärke zu tun“, stellte Sammer klar. Auch die kritisierten Lahm und Schweinsteiger, die zu Beginn der Woche vom ehemaligen Nationaltorhüter Oliver Kahn angegangen worden waren, dürfen daher “niemanden kopieren wollen, sondern sie müssen authentisch bleiben“, forderte Sammer.

Lahm muss sich seiner Rolle bewusst ein

Von Lahm erwarte Sammer, dass er sich als Nationalmannschaftskapitän seiner Rolle bewusst sei: “Ich finde, das müssen wir von ihm einfordern“. Der 27-Jährige solle gar nicht “zu den anderen schauen“, sondern er selbst bleiben. Dennoch glaubt Sammer wie Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer an eine positive Wirkung der anhaltenden Debatte: “Aus der Diskussion werden beide noch mal gestärkt hervorgehen.“ Vorbild für die perfekte Führungsstruktur ist für Sammer Welt- und Europameister Spanien. “Teamplayer, Individualisten und ein Leader“ sei die beste Zusammensetzung, um große Titel zu gewinnen.

Ballack, Lahm und die ehrenwerten Herren: Alle deutschen WM-Kapitäne

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Löw sieht das Duo Lahm und Schweinsteiger auf einem guten Weg. “Philipp und Bastian äußern und vertreten ihre Meinung intern, immer konstruktiv und offen. Gleichzeitig denken sie nicht nur an sich, sondern engagieren sich stets im Sinne der Mannschaft, damit die Leistung des Teams stimmt“, fügte der 51-Jährige an. Lahm bewertete es als “immer wichtig, dass der Trainer hinter den Spielern stehen.“

Lahm weiter unbeeindruckt, Schweinsteiger schon belustigt

Kahn hatte die Debatte um die Notwendigkeit von Führungsspielern im deutschen Fußball zu Beginn der vergangenen Woche losgetreten und Lahm und Schweinsteiger dazu aufgefordert, sich zu hinterfragen. Die Bayern-Kapitäne hatten sich wie der Großteil der Führungsetage des Rekordmeisters allerdings von den Vorwürfen distanziert. Nach Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich auch Schweinsteiger am Rande des 5:0 gegen den Hamburger SV bereits belustigt über die Diskussion. “Es ist zum Schmunzeln. Wir sind halt anders als die von früher. Es sind auch andere Zeiten“, sagte der Mittelfeldspieler. Auch Lahm blieb weiterhin unbeeindruckt: “Kritik ist Olis gutes Recht“, sagte er nur.

dapd

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