Sportvorstand stellt Aussage richtig

Sammer im Interview: "Habe mit Löw telefoniert"

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Matthias Sammer

München - Matthias Sammers taktische Analyse des Champions-League-Spiels gegen Juventus Turin hat unbeabsichtigt für Wirbel gesorgt. Jetzt stellt er sie im Interview richtig und spricht über das Rückspiel.

Im Gespräch mit dem SID stellt Sportvorstand Matthias Sammer von Bayern München klar, dass es ihm dabei nicht um einen Vergleich oder gar um Kritik an der Nationalmannschaft ging, der er bis vergangenen Sommer als Sportdirektor zur Seite stand. Außerdem spricht Sammer über die „Gier“ der Bayern-Mannschaft und das Verhalten im Falle des 23. Gewinns der deutschen Meisterschaft am Samstag in Frankfurt.

Matthias Sammer, am Samstag kann Bayern München in Frankfurt zum 23. Mal deutscher Meister werden. Dürfte es diesmal ein Gläschen geben?

Matthias Sammer: Das kann es ja immer geben, auch unabhängig von der Meisterschaft darf man genießen. Wir sind diesmal von niemandem abhängig, um deutscher Meister zu werden. Wenn es so kommen sollte, sollte man nicht traurig oder bedrückt damit umgehen, sondern die Freude über das nach harter Arbeit Erreichte auch ausdrücken. Aber wir müssen es vielleicht anders machen als sonst üblich, wenn man bis morgens feiert. Die Feier müssen wir jedoch verschieben, weil am Mittwoch wieder Juventus Turin wartet.

Glauben Sie, die Mannschaft hätte im Fall der Fälle auch Verständnis für das Gebot der Zurückhaltung?

Sammer: Ja, sicher. Man merkt die Gier dieser Mannschaft, das was sie erreicht hat, auch weiter leben zu wollen. Das erfordert ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung, vor allem von den Kapitänen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Und es würde bedeuten, dass wir nach dem Spiel in Frankfurt und unserer Rückkehr nach München diszipliniert bleiben. Das erwarten wir - und das wird auch passieren.

Taktisch äußerst diszpliniert verhält sich die Mannschaft derzeit auch auf dem Platz - der Schlüssel für den Erfolg?

Sammer: Die Bereitschaft und die Disziplin aller ist unglaublich hoch. Gegen Juventus hatten wir keine Situation, in der ein Spieler nicht diese Bereitschaft mitgebracht hätte. Es geht um dieses extreme Arbeiten gegen den Ball, um das Verteidigen in der vordersten Linie. Das ist bei allen da - ohne, dass dabei Freude am Spiel oder Kreativität verloren gehen.

Ihre taktische Analyse nach dem Spiel gegen Juventus wurde Ihnen teilweise als Kritik an der Nationalmannschaft ausgelegt. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Sammer: Nein, überhaupt nicht. Es so darzustellen, als hätte ich die Nationalmannschaft kritisiert, ist Krawall. Ich habe das Spiel taktisch analysiert und gesehen, dass die Spielanlage, das Aufbauspiel, wie es Juve gespielt hat, mir in der Form das letzte Mal im EM-Halbfinale bei den Italienern begegnet ist. Und ich habe analysiert, dass wir sehr gut verteidigt und Andrea Pirlo konsequent rausgenommen haben. Ich habe überhaupt niemanden miteinander verglichen.

Können Sie diese Analyse konkretisieren?

Sammer: Juventus hat im Mittelfeld versucht, Passwege auf die beiden Stürmer aufzumachen, sich breitgestellt, um schnell auf die beiden Spitzen zu spielen, die sich gestaffelt bewegt haben. Diese Spielanlage war bei Italien ähnlich. Aber ein Vergleich ist unzulässig! Ich habe nie gesagt: Wir haben es besser oder schlechter gemacht.

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Wie hat Bundestrainer Joachim Löw auf Ihre Aussagen reagiert?

Sammer: Wir haben kurz telefoniert. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht verglichen habe, sondern, wie ich Ihnen das jetzt sage, dass es mir darum ging, etwas taktisch darzustellen und sachlich zu beschreiben. Mein Eindruck war der eines vollständigen Verständnisses von seiner Seite.

Juventus wird sich auf das Gegenpressing im Rückspiel vermutlich besser einstellen...

Sammer: Ich gehe davon aus, dass sie taktisch flexibel sind. Und es ist ja nicht so, als wäre jetzt alles schon erledigt. Es ist ja erst eine Halbzeit, ein Spiel gespielt. Wir müssen im zweiten Spiel den Beweis antreten, dass wir es noch einmal so gut machen können. Aber jetzt geht es psychologisch gesehen erstmal um Frankfurt. Und da müssen wir uns daran messen lassen, wie wir gegen Juve gespielt haben - auch unter taktischen Gesichtspunkten.

sid

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