Sammer: So fügt er sich bei Bayern ein

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Matthias Sammer (r.) auf der Bayern-Bank

München - Beim ersten Saisonspiel des FC Bayern saß der neue Sportvorstand Matthias Sammer zum ersten Mal auf der Bank. Er redet angeblich viel, in der Öffentlichkeit zu sagen hat er vorerst nichts.

Matthias Sammer hat sich offensichtlich noch nicht um alles kümmern können. Dienstagabend, der FC Bayern hilft dem klammen Nachbarn SpVgg Unterhaching mit einem kostenlosen Gastspiel aus, 7500 Besucher sind gekommen. Auch ein paar hartgesottene Anhänger der Münchner stehen auf den Rängen, sie singen gut vernehmbar „Freiheit für Breno“ und „rot-weiße Trikots - wir wollen rot-weiße Trikots.“ Sammer schaut von der Bank auf das Spielfeld. Für das penetrant grelle Orange auf weißen Trikots kann er nichts, für Breno auch nicht. Vergangenheit. Sammer soll die Zukunft gestalten.

Die Sammer-Time in München hat begonnen mit einem Tornado, mittlerweile ist der Sturm abgeebbt, zumindest sieht es so aus. Sammer spricht nicht öffentlich - das müssen andere tun. Trainer Jupp Heynckes etwa, der nach dem quälenden 1:0 (0:0) seiner ansehnlich besetzten Mannschaft mit bewundernswerter Geduld an der Wand neben dem Kabineneingang steht, halb umringt von einer Mauer aus Menschen mit Kameras und Mikrofonen. Heynckes lächelt, Heynckes erklärt. Er sagt unter anderem, dass es für ihn „normal“ sei, „wenn der Manager mit auf die Bank geht, wir haben da nicht drüber gesprochen, das ist eine Selbstverständlichkeit“.

Er wirkt, als müsse Heynckes erklären, dass die Sache mit Sammer das Beste ist, was auch ihm, dem Trainer, passieren konnte. Der neue Sportvorstand sei ein „Beobachter mehr, der sehr anspruchsvoll ist, das kann uns eigentlich nur gut tun“, sagt Heynckes.

Kurioserweise erscheint am Tag danach eine Serie von drei Fotos, abgedruckt in Sport Bild. Anhand der Gesichter von Heynckes, von Vorstand Karl-Heinz Rummenigge und Sammer lässt sich erahnen, wie es derzeit hinter den Kulissen zugeht: Heynckes und Sammer reden kontrovers, das dritte Bild zeigt in der Mitte einen beschwichtigenden Rummenigge.

Heynckes, der bereits die vergangene Vize-Saison bemerkenswert unaufgeregt durchmoderiert hat, lässt sich von möglichen Reibereien mit Sammer zumindest in der Öffentlichkeit nichts anmerken. Es stört ihn angeblich nicht, dass Sammer dem Vernehmen nach bei jedem Training zusieht und andauernd reden will. „Es ist doch klar, dass wir uns austauschen“, sagt Heynckes, er ergänzt, „dass sich das Verhältnis erst mal einspielen muss“. Und es sei auch erst mal abwarten, „wie das Ganze umzusetzen ist“. Zur Erinnerung: Heynckes soll bis zum Ende dieser Saison Trainer bleiben. Sammer muss bis dahin den Nachfolger gefunden haben.

Das erste Spiel der Saison verfolgt Sammer drei Sitzplätze von Heynckes entfernt, dazwischen sitzen die Assistenten Peter Hermann und Hermann Gerland. Auf der Tribüne wacht Präsident Uli Hoeneß, der als Erfinder des „Mia Sammer Mia“ gilt - und dies bei der Vorstellung von Sammer gleich ungewohnt Ich-bezogen kundgetan hat. Rummenigge bestätigt in Sport Bild, die Verpflichtung sei die Idee von Hoeneß gewesen - er und Vorstandskollege Karl Hopfner seien aber informiert gewesen. Sammer, ergänzt Rummenigge, sei tatsächlich „keine Personalie, die kurzfristig aus dem Bauch entschieden wurde“.

Sammer hat offensichtlich eine große Zukunft beim FC Bayern. Rummenigge erklärt, der neue Sportvorstand habe die Qualifikationen, die ihn befähigten, in seine Fußstapfen zu treten. Zunächst aber sitzt Sammer auf der Bank. Seine Aufgabe ist eindeutig. „Schöner Fußball reicht am Ende nicht“, sagt Klub-Chef Rummenigge: „Wir möchten wieder Titel.“

sid

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