"Rode Duivels" hoffen auf ein Fußball-Wunder

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Belgiens Assistenztrainer Marc Wilmots war einst ein Star beim FC Schalke

Düsseldorf - Die "Rode Duivels" brauchen ein kleines Fußball-Wunder, doch so recht daran glauben mag in Belgien niemand. Die Belgier erstarren fast vor Ehrfurcht, wenn sie vom DFB-Team sprechen.

Egal ob der frühere Schalke-Star Marc Wilmots, Nationaltrainer Georges Leekens oder die Spieler selbst - vor dem Duell gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (19.00 Uhr) wird im belgischen Lager geradezu ehrfurchtsvoll vom Gegner gesprochen.

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“Die Deutschen sind Siegertypen. Sie hassen es zu verlieren und werden gegen uns keine Geschenke verteilen. Sie wollen die zehn Siege“, sagt Wilmots, der einst sechs Jahre lang das Mittelfeld auf Schalke beackerte und heute Assistenztrainer bei den Belgiern ist.

Wie ein Kaninchen vor der Schlange wollen sich die Belgier in Düsseldorf aber nicht präsentieren. “Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir müssen an unsere Fähigkeiten glauben“, appelliert Leekens wohlwissend, dass die Chancen auf eine Sensation eher gering sind: “Deutschland ist ein ausgeglichenes Team mit Klasse-Spielern. Sie gewinnen auch die weniger guten Spiele.“

Seit 2002 nicht mehr für WM oder EM qualifiziert

Am Dienstag muss aber Belgien gewinnen, ansonsten dürfte zum fünften Mal in Folge seit 2002 ein Fußball-Großturnier ohne den Vize-Europameister von 1980 stattfinden. Die Belgier liegen zwar aktuell einen Zähler vor der Türkei auf dem zweiten Platz, doch auf einen Patzer des direkten Konkurrenten gegen die von Berti Vogts trainierte Auswahl Aserbaidschans wollen die Belgier nicht setzen.

“Sollten wir uns qualifizieren, können wir Geschichte schreiben“, ergänzt Leekens. Mit einem Sieg würden die “Roten Teufel“ zweifelsohne Historisches vollbringen. Seit dem 16. Mai 1910 (3:0 in Duisburg) hat keine belgische Nationalmannschaft mehr auf deutschem Boden gewonnen. Auch der letzte Sieg daheim liegt schon über 57 Jahre zurück (2:0 in Brüssel).

Van Buyten fehlt gelbgesperrt

Doch die Voraussetzungen sind für Dienstag nicht die besten. Abwehrchef Daniel van Buyten von Bayern München ist nach seiner unnötigen Gelben Karte gegen Kasachstan (4:1) gesperrt. Auch hinter dem Einsatz von Jungstar Eden Hazard steht noch ein Fragezeichen. Der 20-Jährige vom französischen Erstligisten OSC Lille, mit dem große Hoffnungen für die Zukunft verknüpft sind, klagt über eine Knöchelverletzung.

Hazard ist ein Spieler aus einer Reihe von vielversprechenden Youngstern, die eine neue Ära im belgischen Fußball einleiten sollen. Dazu gehört auch Jungstar Romelu Lukaku, der im Sommer für 23 Millionen Euro zum FC Chelsea an die Stamford Bridge gewechselt ist. Einhergehend mit dem Verjüngungsprozess leiden die Belgier aber noch an Kinderkrankheiten. So verschenkten sie in der EM-Qualifikation mit naiven Fehlern unter anderem in den Heimspielen gegen die Türkei (1:1) und Österreich (4:4) Siege, die den Belgiern ein “Endspiel“ gegen Deutschland erspart hätten.

Die neuen “Roten Teufel“ setzten bei ihrem Stilwechsel vor allem auf spielerische Elemente. Während die Belgier in Abwehr und Mittelfeld gut besetzt sind, fehlt noch ein echter Torjäger. Diese Rolle soll in Zukunft Lukaku ausfüllen, am Dienstag dürfte jedoch der Gladbacher Igor de Camargo den Vorzug erhalten.

Tore verhindern soll indes der Ex-Hamburger Vincent Kompany, der vor dem Duell gegen Deutschland Zuversicht demonstriert: “Uns kommt die Außenseiterrolle vielleicht gelegen. Ich habe das Gefühl, dass etwas Besonderes passieren kann.“ Ein Gefühl, das nicht jeder in Belgien hat.

dapd

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