Schwalbenkönig Robben warnt seine Kollegen

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So schön fliegt bei den Bayern eigentlich sonst nur Torhüter Manuel Neuer: Arjen Robben in der Luft.

München - Arjen Robben war der enstcheidende Mann bei Bayerns hart erkämpftem 2:1-Sieg im DFB-Pokal beim VfL Bochum. Der Niederländer erzielte kurz vor Schluss das Siegtor, machte sich zuvor aber unbeliebt. Nach dem Spiel zeigte er sich einsichtig.

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Seine peinliche Schwalbe, sein goldenes Tor in letzter Minute, der Zittersieg beim Außenseiter - Arjen Robben hatte den 2:1 (0:1)-Erfolg beim VfL Bochum mit all seinen Begleiterscheinungen längst abgehakt, als er sich lächelnd in den Weihnachtsurlaub verabschiedete. Doch bevor er sich zu seiner schwangeren Frau Bernadien und den beiden Kindern aufmachte, gab er seinen Teamkollegen von Bayern München noch das Motto für 2012 mit in die Feiertage.

„Wir sind erst auf der Hälfte. Im nächsten halben Jahr werden die Preise verteilt, dann müssen wir da sein“, sagte der 27 Jahre alte Niederländer, der die Bayern im Pokal-Achtelfinale mit seinem Treffer in der Nachspielzeit vor einer möglichen Blamage bewahrt hatte. Er selbst absolvierte beim kampfstarken Zweitligisten sein erst drittes Saisonspiel über 90 Minuten, und wäre da nicht sein Tor gewesen, hätten die Diskussionen über einen nicht ganz fitten Robben in der Startelf durchaus die Winterpause überdauern können.

Der Vize-Weltmeister blieb bis in die Nachspielzeit hinein unauffällig und glücklos im Abschluss, stand klar im Schatten des bärenstarken Franck Ribery auf dem anderen Flügel und leistete sich zu allem Überfluss eine der dreistesten Schwalben der Saison.

In der 40. Minute wurde Robben von Marcel Maltritz im Strafraum gefoult, er fiel aber nicht sofort, lief ein paar Schritte weiter, bevor er dann doch theatralisch abhob. Wüste Beschimpfungen von den Rängen und die Gelbe Karte waren die Folge. „Das war dumm von mir“, sagte Robben nach dem Schlusspfiff - und zeigte immerhin vor der ZDF-Kamera Größe.

Auch Trainer Jupp Heynckes wies darauf hin, dass Robben nach seiner Leistenverletzung „noch nicht in Bestverfassung“, aber „der Mann für die entscheidenden Tore“ sei.

Da er dies auch in Bochum unter Beweis gestellt hatte, musste Robben kein schlechtes Gewissen haben, als er sich vorzeitig in den Weihnachtsurlaub aufmachte. Während sich der Rest der Mannschaft noch zum Regenerationstraining am Mittwoch an der Säbener Straße verabredete, durfte Robben direkt nach dem Spiel nach Hause ins beschauliche Bedum fahren.

Aber auch bei seinem Teamkollegen war die Stimmung vorweihnachtlich. „Das hätte hier auch anders ausgehen können. Aber jetzt sind wir in allen Wettbewerben hervorragend dabei und können in Ruhe Weihnachten feiern“, sagte der erneut überzeugende Toni Kroos, der in der 52. Minute die Bochumer Führung durch Giovanni Federico (26.) ausgeglichen hatte.

Und immer wieder wurde angesichts der Herbstmeisterschaft und des Durchmarsches in Champions League und Pokal vor Selbstzufriedenheit gewarnt. „Wir müssen weiter hungrig auf Siege sein“, sagte Nationaltorwart Manuel Neuer, während Heynckes schon mal eine „Top-Vorbereitung“ in Katar (2. bis 9. Januar) forderte.

Kapitän Philipp Lahm freute sich zunächst auf „so schöne Weihnachten wie lange nicht mehr“, sparte mit Blick auf das letzte Spiel des Jahres aber auch nicht an Kritik: „Wenn man nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel geht, ist es immer schwierig.“

Bissige Bochumer wuchsen am Dienstag über sich hinaus und machten in ihrem „Spiel des Jahres“ den Bayern das Leben enorm schwer, ohne allerdings so destruktiv zu spielen wie zuletzt der 1. FC Köln in München. Selbst als der Rekord-Champion nach der Pause aufdrehte, hielt der Zweitliga-Neunte bravourös dagegen.

Entsprechend untröstlich war Kapitän Christoph Dabrowski nach seinem entscheidenden Fehlpass in der Nachspielzeit. Lahm fing den Ball ab, passte auf Ribery, der Maltritz stehen ließ und in den Rücken der Abwehr passte, wo Robben („Da muss man den Ball nur noch richtig treffen. Wenn man ihn zu wild macht, schießt man ihn aus dem Stadion“) einschussbereit war. „Ich nehme das auf meine Kappe“, sagte „Dabro“ niedergeschlagen, „Es tut mir leid für die Mannschaft. So brutal ist Fußball.“

sid

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