Rivaldo mit Ball und Bibel nach Angola

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Rivaldo

Sao Paulo - Der bald 40-jährige Rivaldo überraschte mit seinem Wechsel zum exotischen Kabuscorp Sport Clube do Palanca. Dahinter stecken auch religiöse Motive.

„Gott hat mich hierhin geführt“. So simpel erklärte am vergangenen Freitag Brasiliens Idol Rivaldo einen scheinbar abwegigen Schritt in die Fußball-Einöde Angolas zum unbekannten Kabuscorp Sport Clube do Palanca. Dort, wo der Weltmeister von 2002 eine Kirche bauen wird, sollen sie auch seine fußballerische Botschaft empfangen.

Der einstige Sturmpartner Müller spricht jedoch aus, was nicht gerade wenige denken. „Seine Karriere war schon im Niedergang, und jetzt ist er ganz unten. Damit ist er praktisch ein Ex-Spieler. Er geht sicher wegen des Geldes“, munkelte der frühere Nationalspieler zynisch in einer TV-Sendung.

Neid mache die Leute blind, entgegnet Rivaldo empört den Spöttern und versichert: „Ich hatte finanziell bessere Angebote aus Brasilien und Indien. Mein Kommen nach Angola geht über den Fußball hinaus.“

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Die neue Nummer 9 des Vorjahreszweiten hatte vor fünf Monaten in der Hauptstadt Luanda Land gekauft, um für seine Glaubensgemeinschaft Shammah eine Kultstätte zu erbauen. „Damals konnte ich aber noch nicht ahnen, dass ich eines Tages hier spielen werde.“

Drahtzieher des spektakulären Coups ist der einflussreiche Klubpräsident Bento „Kangamba“ dos Santos. „Viele sprechen über sein Alter, aber mit seiner Qualität und Erfahrung kann er noch viel für den Fußball leisten“, bekräftigt der millionenschwere Geschäftsmann und einflussreiche Politiker, der nach Niederlagen die Spieler schon mal zur Strafe zu Fuß nach Hause gehen lässt.

„Ich war Champion in allen Ländern, in denen ich gespielt habe“, erinnert der Brasilianer, der auch in Spanien, Italien, Griechenland und Usbekistan anheuerte. Seine Blütezeit erlebte er beim FC Barcelona, den er 1998 und 1999 zur Meisterschaft führte. Der Weltverband FIFA und die französische Fußballzeitschrift France Football krönten ihn 1999 jeweils zum weltbesten Fußballer.

Mit der legendären 10 auf dem Rücken führte er die Selecao 1998 (0:3 gegen Frankreich) und 2002 (2:0 gegen Deutschland) in ein WM-Finale, schoss beim Titelgewinn in Asien bis einschließlich Viertelfinale in jedem Spiel ein Tor und traf bei seinen beiden Endrunden insgesamt achtmal.

Der am 19. April 1972 geborene Rivaldo Vitor Borba Ferreira unterzeichnete seinen ersten Profivertrag mit 19 Jahren, kam 1996 als Nachfolger von Landsmann Bebeto zu Deportivo La Coruna, ersetzte 1997 den zu Inter Mailand gewechselten Ronaldo bei Barcelona und ging 2002 zum AC Mailand, wo er seinen Stammplatz an Kaka verlor.

Dann war Schluss mit dem Spitzenfußball. Ein frustrierendes Kurzgastspiel in der Heimat bei Cruzeiro Belo Horizonte und der anschließende Wechsel nach Griechenland brachten ihn auch bei der Selecao ins Abseits. Ein fürstliches Salär lockte ihn 2008 zu Bunyodkor Taschkent nach Usbekistan. Im vergangenen Jahr wollte er es allen noch einmal beim FC Sao Paulo beweisen. Für eine Vertragsverlängerung bot er aber zu wenig.

Offiziell beginnt Rivaldo das Abenteuer Angola am 20. Januar. Anfang März startet die Girabola, Angolas erste Liga mit 16 Teams. Die fußballerische Bühne für den ehemaligen Weltfußballer ist im 12. 000 Zuschauer umfassenden Estadio Municipal Dos Coqueiros dann kleiner und baufälliger als je zuvor.

sid

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