Sieg "wie eine Befreiung"

Ribéry: Wie er die Wetter-Pause verbrachte

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Franck Ribéry im Luftduell mit Anatoli Timoschtschuk

Donezk - Frankreich hat seine Serie von acht Turnierspielen seit 2006 ohne Sieg beendet und wieder alte Stärken demonstriert. Franck Ribéry spricht über das befreiende Gefühl und die einstündige Wetter-Pause.

Franck Ribéry und Anatoli Timoschtschuk lehnten relaxt an einer Wand in den Katakomben und hatten offensichtlich viel Spaß. So zu beobachten als Pausenfüller auf der Videowand in der Donbass Arena, als Blitz, Donner und Regen wie aus Kübeln die Begegnung zwischen Frankreich und der Ukraine für 57 Minuten unterbrachen. Nach dem Abpfiff lachte von den beiden Teamkollegen von Bayern München jedoch nur noch Ribéry.

Ribéry schnappte sich die silberne Trophäe für den „Man of the Match“ und zeigte den Kameras sein breitestes Lächeln. Nach dem geschichtsträchtigen Gewitter-Chaos von Donezk genoss der Bayern-Star sichtlich seine endgültige Rückkehr mit der französischen Nationalmannschaft ins Scheinwerferlicht. „Ich bin sehr glücklich, weil es exzellent für mich läuft“, sagte der 29-Jährige über seinen zweiten EM-Auftritt beim 2:0 (0:0) gegen die Ukraine.

Auch ohne eigenen Treffer oder Torvorlage war Ribéry Taktgeber für die Offensive der Équipe Tricolore und leitete mit kluger Übersicht und wahnwitzigem Tempo immer wieder die Angriffe ein. Dank des souveränen Erfolgs sicherte sich das Team von Nationaltrainer Laurent Blanc nicht nur die Tabellenführung und eine erstklassige Ausgangsposition für den Viertelfinaleinzug - eine besondere Wohltat war vor allem das Ende der schier ewigen Serie von 2172 Tagen ohne Sieg bei einem großen Turnier. „Ich glaube, es waren sechs Jahre“, erinnerte Ribéry korrekt, „das ist eine gewaltig lange Zeit.“

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

Zumindest das Unwetter, das sich angesichts des mäßigen Starts beim 1:1 gegen England und der acht Spiele ohne Sieg bei einer EM oder WM seit 2006, über der Equipe Tricolore zusammenbraute, ist - zumindest vorerst - verzogen. Einen wesentliche Beitrag zum 2:0 im zweiten Gruppenspiel gegen den Gastgeber und zur Serie von nunmehr 23 Länderspielen ohne Niederlage leistete zweifellos Ribéry. Der 29-Jährige beschrieb die zunächst kuriose Situation zu Spielbeginn. Denn die Marseillaise war kaum verklungen, als Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden die Partie nach 4: 17 Minuten unterbrach und die Spieler wieder in die Kabine schickte.

„Das war eine schwierige Situation für uns, denn wir wussten lange nicht wie es weitergeht. Aber wir sind Profis“, meinte Ribéry. Ja, Timoschtschuk und er hätten sich viel erzählt und viel gelacht, danach habe er sich in einer Aufwärmhalle im Stadion mit den anderen Teamkollegen auf die Fortsetzung des Spiels vorbereitet.

Dass Ribéry nach dem Abpfiff als Sieger vom Platz ging und zudem zum „Man of the Match“ gewählt wurde, hatte Symbolcharakter. Denn mit dem Dribbelkünstler besann sich die gesamte Mannschaft wieder auf alte Stärken, die im Auftaktspiel kaum zu sehen waren. „Der blaue Blitz! Der Himmel klart sich auf für die Blauen. Angetrieben von einem Ribéry, der endlich wieder seinen Anmut von 2006 wiedergefunden hat, dürfen sie ab jetzt sogar schon von viel mehr träumen“, schrieb die große Sportzeitung L'Equipe.

„Es war so wichtig, heute zu gewinnen. Der Druck war sehr groß. Wir haben diesmal sehr viel schneller gespielt und haben zwei schnelle Tore erzielt. Das war wie eine Befreiung“, berichtete indes Ribéry. Nach dem England-Spiel habe man zusammen mit Trainer Laurent Blanc über vieles nachgedacht und vieles besser gemacht. Die Treffer von Jeremy Menez (53.) und dem erneut starken Yohan Cabaye (56.) waren die logische Folge.

Entsprechend gelassen präsentierte sich Coach Blanc der internationalen Presse. Wie er sich denn fühle nach dem ersten Erfolg bei einem Turnier nach sechs Jahren. „Ich hoffe, dass Frankreich nicht wieder sechs Jahre auf den nächsten Sieg warten muss“, flachste der Ex-Profi. Das Grummeln in der Presse in der Heimat habe ihn nicht beunruhigt, „denn das erste Spiel bei einem Turnier sei zwar immer wichtig, aber nie entscheidend. Wir haben das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert“.

Der zweite Auftritt von Les Bleus stimmte auch die Gazetten in der Heimat wieder zuversichtlich. „Kostbarer Erfolg nach apokalyptischem Sturm. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Viertelfinale. Jetzt ist die Sache klar: ein Unentschieden gegen Schweden am Dienstag reicht für“s Viertelfinale„, kommentierte Le Parisien. `Dem Team muss klar sein, dass es sich nicht immer auf sein Talent verlassen kann.“ Frankreich hat seine Lektion gelernt.

sid/dpa

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