Reus: Der moralische Sieger

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Marco Reus (l.) und Jermaine Jones, hier in einem anderen Zweikampf

Mönchengladbach - Angeführt von einem erneut starken Marco Reus hat Borussia Mönchengladbach den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals perfekt gemacht. Auch als moralischer Sieger durfte er sich danach fühlen.

Mit etwas Pech hätte der Auftritt von Marco Reus nur sechs Minuten gedauert. Hinterhältig und vorsätzlich hatte Jermaine Jones versucht, die Achtelfinal-Begegnung des DFB-Pokals zwischen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 durch einen Tritt auf den bereits lädierten kleinen Zeh des Gladbacher Nationalstürmers zu Gunsten des Titelverteidigers zu beeinflussen. Doch die Gerechtigkeit siegte.

Reus spielte weiter und führte sein Team mit zwei Toren und einer Vorlage zum 3:1 (1:0)-Erfolg und ins Pokal-Viertelfinale. Während die Borussen den krönenden Abschluss eines verrückten Gladbacher Jahres feierten, erhielt Jones die Quittung: Das Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitete am Donnerstag nachträglich ein Disziplinarverfahren ein. Zudem droht ihm eine klubinterne Strafe.

„So etwas gehört nicht dazu. Ich weiß nicht, warum er so etwas macht. Er soll sich erst einmal auf Fußball konzentrieren“, sagte Reus, der nach der Attacke kurz humpelte, sich dann aber mit zwei Treffern (56., 90.+1) und der Vorlage zum ersten Treffer durch Juan Arango (18.) auf seine Art bei Jones und den Gästen aus Gelsenkirchen revanchierte. Doch auch den Schalkern fehlte angesichts der Unsportlichkeit jegliches Verständnis. „So etwas sollte er tunlichst vermeiden. Zu Konsequenzen möchte ich aus der Emotion heraus noch nichts sagen“, sagte Manager Horst Heldt.

Nicht nur aus sportlicher Sicht war Reus, der das Interesse der Top-Klubs Bayern München und Borussia Dortmund am Mittwochabend weiter gesteigert haben dürfte, erneut der Mann des Abends. Der 22-Jährige durfte sich auch als moralischer Sieger fühlen. „Mir soll es egal sein. Ich will mich da nicht drauf einschießen, ich will mich einfach über den Sieg und das Weiterkommen freuen“, sagte Reus, der sich eine Spitze in Richtung Jones und den S04 dann doch nicht verkneifen konnte: „Es freut mich umso mehr, dass wir es denen dann gezeigt haben.“

Über weite Phasen in der letzten Begegnung eines turbulenten Jahres spielte die Borussia - wie inzwischen gewohnt - ball- und kombinationssicher und gab das Heft nur kurz nach dem Anschluss von Julian Draxler (70.) aus der Hand. Nach dem Fast-Abstieg im Frühjahr ist am Niederrhein unter Trainer Lucien Favre nicht nur der Spaß am Fußball, sondern auch der Erfolg zurückgekehrt.

„Ich denke, dass dieses Jahr in Mönchengladbach reif ist für ein Buch. Das, was 2011 hier mit allen Geschichten drumherum passiert ist, war ein Jahr, das nicht unvergessen bleibt. So ein Abschluss wie heute ist dann ein bisschen wie gemalt. Es tut uns gut, es tut dem Verein gut. Wir sind mächtig stolz“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.

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Reus wollte sich über die anstehende Verschnaufpause nur bedingt freuen: „Mir wäre es eigentlich lieber, wenn wir weiterspielen könnten. Ich glaube, wenn man so eine Phase hat, dann möchte man nicht aufhören“. Seine gute Stimmung („Das Wunder geht weiter“) ließ sich Erfolgscoach Favre auch nicht nehmen, als klar war, dass ausgerechnet sein Ex-Klub Hertha BSC Berlin der nächste Gegner sein wird: „Viertelfinale in Berlin, das wird sehr interessant. Dass es mein Ex-Klub ist, ist mir egal.“

Frust statt Lust gab es dagegen bei Schalke. Fußtreter Jones wurde kurz vor Spielende mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, Hitzkopf Kyriakos Papadopoulos stürmte mit wilden Flüchen auf der Lippe in die Kabine. „Meine Spieler waren sehr aufgebracht“, sagte Trainer Seppo Eichkorn.

Der Assistent von Huub Stevens, der seinen bei der kranken Mutter weilenden Chef vertrat, suchte die Schuld lieber in den eigenen Reihen. Besonders die Gelb-Rote Karte gegen Klaas-Jan Huntelaar (47.), der zunächst dem Linienrichter den Vogel gezeigt und die fällige Gelbe Karte dann abfällig beklatscht hatte, ärgerte den Coach: „Wir hatten uns in der Pause viel vorgenommen, sind aber nach einer Minute direkt bestraft worden.“

sid

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