Reuiger Ribéry will Wiedergutmachung

+
Franck Ribéry

München - Mit Gala-Auftritten hat er bei den Bayern längst “den Spaß wiedergefunden“ - im Nationalteam fehlte Franck Ribéry zuletzt die rechte Freude. Jetzt will der sensible Künstler die Liebe seiner Landsleute zurückgewinnen.

“Ich habe Mist gebaut wie noch nie in meinem Leben“ - zu Beginn des EM-Jahres sprach Bayerns Superstar Franck Ribéry ungewohnt deutlich über seine privaten Fehltritte und die Aussetzer im Nationalteam. Jetzt will der sensible Filigran im Duell mit Deutschland die französischen Herzen zurückerobern. “Das ist eine Möglichkeit für mich, das hoffe ich“, sagte der 28-Jährige über das Spiel am Mittwoch in Bremen, “es wäre so schön, wenn alles wieder wäre wie früher.“

Ribérys Melancholie ist verständlich. Seit 20 Länderspielen wartet er schon auf ein Tor für die Équipe Tricolore. Auch wegen seiner Rotlicht-Affäre ist er längst nicht mehr der “Chouchou“, der Publikumsliebling, vergangener Zeiten. Durch neue Heldentaten wollen Ribéry und die einst so stolze Fußball-Nation Frankreich das frühe Aus und den beschämenden Trainingsboykott bei der WM 2010 - mit dem Bayern-Ass als einem der Anführer - vergessen lassen.

Dem Feingeist selbst geht es vor allem um die persönliche Rehabilitation nach der “schwärzesten Phase meiner Existenz“. In einem sechsseitigen Interview der Sportzeitung “L'Équipe“ hatte er sich im Februar als “Niete bei der WM“ gegeißelt und öffentlich ungewohnt deutlich über sein Familienleben gesprochen: “Ich habe Mist gebaut wie noch nie in meinem Leben. Ich habe Wahiba leiden lassen, die Mutter meiner Kinder.“

Luxus pur: Das Trainingszentrum des FC Bayern

Luxus pur: Das Trainingszentrum des FC Bayern

Trotz des Liebesentzugs des französischen Publikums, das ihn sogar im Pariser Stade de France auspfeift und nach Ansicht von football.fr “hasst“, genießt Ribéry weiter das Vertrauen seines Teams. “Er ist ein sehr großer Spieler. Er kann allein ein Spiel gewinnen“, sagte Mannschaftskollege Philippe Mexes. Auch der umstrittene Nationalcoach Laurent Blanc setzt auf den einzigen Weltstar, den das seit 17 Spielen ungeschlagene Frankreich nach dem Ausfall von Karim Benzema in Bremen aufbieten kann: “Er ist ein Junge, der Lust hat im Nationalteam weiter zu machen, der echt motiviert ist“, lobte Blanc, “ich sage ihm, dass er sich nicht so viel Druck machen soll.“

Ribéry braucht diese Wärme seiner Umgebung, um Höchstleistung zeigen zu können. In seiner Heimat sei er “täglich die Zielscheibe“ gewesen, in München hätte man ihn “nie verstoßen“. “Die Leute lächeln mir zu und schlagen mir auf den Rücken. Für mich ist es wichtig, das zu spüren“, berichtete der Dribbelkünstler über einen Grund für die große Diskrepanz seiner zwei Welten. Während Ribéry für den deutschen Rekordmeister seit der EM 2008 in Pflichtspielen alle 227 Minuten trifft, braucht er im Nationalteam 575 Minuten pro Tor. Vorlagen liefert er bei den Bayern fast viermal so häufig wie für den zweimaligen Europameister.

Dennoch warnte Bundestrainer Joachim Löw eindringlich vor den unbestrittenen Qualitäten des Ausnahmekönners: “Er ist agil und torgefährlich und kann ein Spiel alleine entscheiden“. Noch immer ist Ribéry rasanter Antritt über die linke Seite gepaart mit wachsender Spielübersicht kaum zu stoppen. Nach seinen zwei Toren gegen Schalke nimmt er mit zehn Ligatreffern nach dem 23. Spieltag Kurs, seine beste Saison bei den Bayern (2007/08 - 11) zu toppen. “Ich versuche Sachen und die gelingen auch“, erklärte er. Vor dem Prestige-Duell gegen die Löw-Elf fragte allerdings nicht nur “L'Èquipe“, wann “wir den großen Ribéry wiedersehen“ - im Nationaltrikot. Zumindest bei den Bayern hat der Mittelfeldtrickser längst “den Spaß wiedergefunden“.

dpa

Ribérys Welten: Torflaute für Frankreich, Vorlagen-Ass bei Bayern

Seit 20 Länderspielen wartet Franck Ribéry auf ein Tor im Trikot der französischen Fußball-Nationalmannschaft. Zuletzt war er im April 2009 gegen Litauen erfolgreich. Beim FC Bayern München hat der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler alleine diese Saison schon 13-mal in Pflichtpartien getroffen. Auch andere Statistiken verdeutlichen die Unterschiede seiner zwei Welten: Während er in den vergangenen vier Jahren für eine Vorlage bei den Münchnern im Schnitt 154 Minuten braucht, dauert es im Nationalteam fast viermal so lang.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare