Rehhagel macht aus Taktik ein Geheimnis

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Otto Rehhagel

Berlin - Die Begeisterung in der Hauptstadt ist riesig, die Erwartungshaltung enorm - doch Trainer-Altmeister Otto Rehhagel startet bei Hertha BSC mit der ganzen Gelassenheit seiner 73 Jahre in den Abstiegskampf.

„Als ich noch ein wandelnder Vulkan war, war das immer etwas schwierig. Inzwischen bin ich aber reifer und gehe mit der nötigen Ruhe ins Spiel“, sagte „König Otto“ vor seinem Debüt als Berliner Trainer am Samstag (15. 30 Uhr/Sky und Liga total!) beim direkten Konkurrenten FC Augsburg.

Der Hype um seine Person, der seit seiner Inthronisation am vergangenen Sonntag an der Spree herrscht - er lässt ihn völlig kalt. „Ich will keine Personality-Show. Ich will den Klassenerhalt“, hatte der mit 820 Spielen erfahrenste Bundesligatrainer zuvor im Interview mit dem Fachmagazin kicker erklärt.

Vor dem richtungsweisenden Spiel bleibt sich Rehhagel denn auch selbstverständlich treu. Seine Schwerpunkte: Disziplin und Psychologie gepaart mit einer Portion Lockerheit. So bestritt er bisher in Berlin seinen Dienst. Taktik? Ein untergeordnetes Thema.

„Ihr übertreibt es mit eurerem Systemfanatismus“, hatte Rehhagel im kicker erklärt: „Die Viererkette kann pendeln und hoch stehen. Aber wenn der Gegner den Ball in die Nahtstelle, wie es so schön neudeutsch heißt, spielt und du am Ende 1:3 verlierst, schaut dich deine Frau abends trotzdem schief an.“

Hart, Hertha, Rehhagel! Sein Trainingsauftakt im Schneetreiben

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Und komische Blick von seiner Beate will sich Rehhagel nach dem Augsburg-Spiel garantiert nicht einfangen. Denn bei einer Niederlage könnte die Regentschaft von „König“ Otto“ bereits nach dem ersten Spiel in eine „Staatskrise“ schlittern. „Dieses Spiel ist unglaublich schwierig“, betonte er.

Nur zwei Punkte trennen Berlin auf Platz 15 vom Tabellen-17. aus Augsburg. Eine Niederlage beim Mitaufsteiger wäre nicht nur gleichbedeutend mit der sechsten Ligapleite in Folge, die „Alte Dame“ würde auch erstmals in der Saison auf den Relegationsplatz abrutschen. Mindestens.

Auch psychologisch könnte die Begegnung möglicherweise entscheidende Weichen stellen. Siegt die Hertha unter Rehhagel, kann die Mannschaft die Verunsicherung der jüngsten Niederlagenserie vielleicht ablegen. Ganz nach dem Motto: Unter Otto läuft es ja. Bei einer weiteren Pleite jedoch könnte das Vertrauen in den Retter bereits rasch wieder schwinden.

In seinen ersten Trainingseinheiten zeigte der Altmeister seinen Spielern schon einmal, wo es langgeht. Kopfbälle machte Rehhagel den Hertha-Akteuren höchstpersönlich vor, die Unterbrechungen und Korrekturen während der Einheiten hielten sich in Grenzen. Viel wichtiger ist es ihm, den verunsicherten Hauptstadt-Kickern das im Abstiegskampf so wichtige Selbstbewusstsein einzuimpfen.

„Alles, was er sagt, hat Hand und Fuß“, sagte Pierre-Michael Lasogga. Und Peter Niemeyer ergänzte: „Er hat eine enorme Aura.“ Die ersten kleinen psychologische Erfolge ließen sich schon heraushören. Das Vertrauen in Rehhagels Kompetenz ist riesig.

„Wir brauchen jemanden, an dem sich die Spieler aufrichten können“, hatte Hertha-Manager Michael Preetz den Überraschungscoup erklärt. Rehhagel geht vor. Selbstbewusst, unbeeindruckt, ohne Zweifel - und die Spieler folgen. Zumindest im Training. „Ich habe die Richtlinienkompetenz“, sagte Rehhagel. Daran besteht nach den ersten drei Tagen keine Zweifel.

sid

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