Rehhagel glaubt noch an Klassenerhalt

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Otto Rehhagel

Berlin - Beim 0:4 auf Schalke spielte Hertha wie ein Absteiger. Dennoch ist die Chance auf den Relegationsplatz für die Rehhagel-Elf noch immer da.

“König“ Otto Rehhagel hielt diesmal nur in kleinem Kreis Hof. Während die meisten Medienvertreter noch die Abschieds-Fiesta für Spaniens Fußball-Legende Raúl in der Schalker Arena beobachteten, fand der kurz nach dem Abpfiff im Presseraum erschienene Trainer von Hertha BSC nur eine Handvoll Zuhörer vor. Und der 73-Jährige nahm sich nicht einmal die Zeit, auf dem Podium Platz zu nehmen, philosophierte stattdessen im Stehen. “Der Fußball-Gott hat gesagt: Komm, ich geb' euch noch eine Chance.“

Rehhagel schien nach der deftigen 0:4-Pleite bei Schalke 04 selbst erstaunt, dass der Bundesliga-Abstieg noch nicht besiegelt war. Dem SC Freiburg sei dank, denn die Breisgauer bezwangen den Tabellen-16. 1. FC Köln gleichzeitig mit 4:1. So kommt es zwischen Berlinern (28 Punkte) und Kölnern (30) am letzten Spieltag zum ultimativen Fernduell um den Relegationsplatz. Hertha empfängt am Samstag 1899 Hoffenheim mit Ex-Trainer Markus Babbel, Köln tritt daheim gegen Bayern München an. “Das ist jetzt ein klassisches Endspiel. Wir werden uns darauf konsequent vorbereiten und alles dafür tun, die Punkte in Berlin zu behalten“, beteuerte Manager Michael Preetz.

Dass ausgerechnet die Elf des kurz vor Weihnachten in Berlin entlassenen Babbel den sechsten Sturz in die Zweitklassigkeit seines früheren Arbeitgebers besiegeln könnte, ist Ironie des Schicksals. Preetz und Babbel hatten sich zuvor in einem zähen und unwürdigen Streit wochenlang öffentlich zerfleischt und gegenseitig der Lüge bezichtigt. Nun frohlockt der Bayer vor dem Wiedersehen: “Ich will die drei Punkte in Berlin mit aller Macht haben.“

Rehhagel ahnt, dass die Rettungschancen gering sind. Auch wenn Köln mit den Bayern einen dicken Brocken zu Gast hat. Doch offenbar glaubt der Fußball-Lehrer selbst nicht mehr an das Happy End. Zumindest baute er mit einem vernichtenden Urteil über sein arg verletzungsgebeuteltes Team schon mal vor. “Wir haben zu viele Spieler, die gar keine Körpersprache haben, die still sind und sich nicht so artikulieren können.“ Ein Trainer, der seiner Elf noch die Wende zutraut, klingt anders, auch wenn er ergänzte: “Wir haben tatsächlich die Hoffnung, dass am letzten Spieltag die Gunst der Stunde für uns ist. Wir müssen aber den Teufelskreis durchbrechen und mit Kampf und Einsatz zu Hause mal ein Spiel gewinnen.“

Auf Schalke war Hertha ohne echte Chance. Trotz Anlaufschwierigkeiten spielte nach der Führung von Klaas-Jan Huntelaar (32.) nur noch der Gastgeber, der sich mit dem Sieg endgültig Platz drei und den direkten Einzug in die “Königsklasse“ sicherte. Nach dem 2:0 durch Lewis Holtby (73.) brach Hertha völlig auseinander. “Danach war uns Schalke in allen Belangen überlegen. Es war deutlich zu sehen, dass sie in der Champions League spielen und wir gegen den Abstieg“, befand Rehhagel. Am Ende war er froh, “dass wir nicht abgeschossen wurden“.

Der gegen seinen Ex-Club Schalke gesperrte Lewan Kobiaschwili hatte wohl als einziger Hertha-Profi nicht mitbekommen, dass ein Interview-Verbot verhängt worden war. “Komischerweise haben wir noch eine letzte Chance. Aber gegen Hoffenheim müssen wir ganz anders auftreten. Das wissen wir“, betonte der Georgier.

dpa

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