Raul-Poker: Heldt spielt mit verdeckten Karten

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Rauls Zukunft in Gelsenkirchen ist mehr als ungewiss

Gelsenkirchen - Der Vertragspoker mit den Stars könnte für Schalke 04 in der Schlussphase der Saison zur Belastung werden. Manager Horst Heldt will den Fokus wieder auf das Sportliche richten.

Nachdem Horst Heldt ein paar Sätze zum Viertelfinale in der Europa League gesagt hatte, kam natürlich wieder die Frage nach Raul. Der Manager von Schalke 04 holte weit aus, erzählte vom schönen Wetter, das er schon beim Aufstehen bemerkt habe, und von seinem Gefühl, dass sich der Fokus mittlerweile verschoben habe. „Wir müssen ihn wieder auf das Wesentliche lenken, das sind die Spiele“, sagte er, „ich werde keine Auskunft mehr über offene Personalfragen geben.“

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Ganz offensichtlich nervt der Vertragspoker mit dem spanischen Weltstar, der sich seit Jahresanfang wie Kaugummi zieht, den Schalker Sportvorstand. Bislang hat der Ex-Profi sich stets ausführlich zum Stand der Dinge geäußert. Jedes Treffen, jedes Angebot - ob für Raul, Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar oder Flügelflitzer Jefferson Farfan - war in irgendeiner Zeitung nachzulesen.

Heldt spielte mit offenen Karten. Die Erfolge indes blieben aus. Während in Sachen Raul nach nach drei Monaten Hickhack endlich eine Entscheidung naht, weil sein Berater Gines Carvajal am Donnerstagabend zum Hinspiel gegen Athletic Bilbao einflog, ließ Huntelaar den Manager erst mal abblitzen. Erst nach der EM wolle er über seine Zukunft entscheiden, sagte der Torjäger vom Dienst, den Heldt so schnell wie möglich länger als bis 2013 an den Klub binden möchte.

Und Farfan? Von einem nicht ganz so geheimen Geheimtreffen mit einem seiner Berater war zuletzt zu lesen, weil sich der Peruaner mit seiner Handgeld-Forderung von angeblich 14 Millionen Euro verzockt habe. Anscheinend sind die großen Klubs Europas doch nicht so sehr an dem Zehn-Millionen-Einkauf, der zum Saisonende ablösefrei ist, interessiert.

Heldt schweigt nun und will sich nicht mehr in die Karten gucken lassen. Ein bisschen gerät er wohl auch ins Grübeln, wenn er sieht, wie der Erzrivale Borussia Dortmund seine offenen Personalfragen erledigt. „In Dortmund läuft das anscheinend geräuschloser ab als bei uns“, stellte er mit Blick auf die Vertragsverlängerung mit Jungstar Mario Götze fest - und fügte schnell noch süffisant an: „Vielleicht liegt es auch daran, dass es nicht so viele Leute interessiert wie bei uns.“

Gut ein Jahr nach dem Rauswurf des allmächtigen Trainers und Managers Felix Magath und seiner eigenen Beförderung steht Heldt vor seiner bislang größten Bewährungsprobe. Zwar verpflichtete der ehemalige Stuttgarter Manager in Marco Höger, Christian Fuchs oder Timo Hildebrand Leistungsträger und holte die unter Magath ausgeliehenen Lewis Holtby und Jermaine Jones zurück. Doch im Wesentlichen profitieren die Schalker noch von den Stars, die Magath für viel Geld und mit zahllosen Fehleinkäufen drumherum verpflichtete (Huntelaar, Raul), und den jungen Talenten, die der Ex-Trainer und -Manager entdeckt hatte (Julian Draxler, Joel Matip, Kyriakos Papadopoulos).

Die schwierige Aufgabe für Heldt ist es nun, aus dem aufgeblähten Kader mit 94,6 Millionen Euro Personalkosten im vergangenen Jahr die Leistungsträger wie Huntelaar zu halten und Ladenhüter wie den fast genauso teuren Jose Manuel Jurado loszuwerden. Das Horrorszenario, in der nächsten Saison in der Champions League ohne Huntelaar, Raul und Farfan dazustehen, ist noch nicht abgewendet. Dass Teemu Pukki, Ciprian Marica und Chinedu Obasi, die Heldt verpflichtete, nicht annähernd gleichwertiger Ersatz sind, weiß der Schalker Manager selbst. Jetzt pokert er mit verdecktem Blatt.

sid

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