Rassismus-Vorwürfe: Lotte wehrt sich

Frankfurt/Main - Rassismus-Vorwürfe gegen den Viertligisten Sportfreunde Lotte sorgen beim DFB derzeit für Fassungslosigkeit. Die Spieler bestreiten die Vorwürfe vehement.

Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen gegen den West-Regionalligisten eingeleitet, weil Spieler des westfälischen Vereins am 10. Dezember des vergangenen Jahres dunkelhäutige Akteure des ehemaligen Zweitligisten Eintracht Trier auf dem Platz massiv mit rassistischen Ausdrücken wie „Affenkind, Neger und Negerkind“ beschimpft haben sollen. Insgesamt sind ein Dutzend Zeugen und Beschuldigte zu den Vernehmungen in der Frankfurter DFB-Zentrale am 13. Januar geladen.

„Ich bin seit mehr als 20 Jahren Mitglied im DFB-Kontrollausschuss, aber derart schwerwiegende Anschuldigungen sind mir noch nie untergekommen“, sagte Rechtsanwalt Erwin Bugar dem Nachrichtenmagazin Focus. Zunächst handelt es sich am kommenden Freitag aber nur um eine erste Anhörung. Erst danach wird der Kontrollausschuss des Verbandes entscheiden, ob es zu einer Anklage kommt. Im Falle einer Verurteilung drohen den Sportfreunden Lotte und den beschuldigten Spielern drakonische Strafen.

Eine bedeutende Rolle bei der Zeugen-Vernehmung wird dem FIFA-Schiedsrichter Michael Weiner, der die Partie leitete, zukommen. Weiner soll die Spieler von Lotte bereits in der Pause gewarnt haben, dass ihnen rassistische Beleidigungen „schnell zu trauriger Berühmtheit“ verhelfen könnten. Weiner hat zu diesem Spiel einen Sonderbericht verfasst, den der DFB derzeit prüft.

Während des Topspiels der Regionalliga West zwischen Lotte und Trier (2:3) sollen die beiden dunkelhäutigen Gäste-Spieler Jeremy Karikari und Marc Gouiffe a Goufan von Akteuren der Heimmannschaft rassistisch beleidigt worden sein. Die ehemaligen Profis des FC St. Pauli behaupten, die Lotter Spieler Martin Hess und Christian Schössler seien die Übeltäter gewesen und erstatteten Anzeige. Gouiffe a Gouffan gab an, seine Einwechslung wäre vom zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselten Schössler mit Affenlauten begleitet worden. Im Gegenzug hatte Hess noch am Tag des Spiels Eintracht-Akteur Karikari angezeigt, weil der ihn 45 Minuten nach Spielende geschlagen haben soll. Die Vorfälle werden sowohl zivilrechtlich als auch vom DFB-Kontrollausschuss verfolgt.

Die Lotte-Spieler bestreiten die Vorwürfe vehement. „Das ist eine absolute Frechheit. Ich habe Karikari niemals rassistisch beleidigt! Es sind Worte wie 'Arschloch', oder 'verpiss dich' gefallen, aber das ist normal im Fußball“, sagte Sportfreunde-Akteur Christian Schlösser, der von Referee Weiner in der Pause konkret auf die Vorwürfe angesprochen wurde: „Als ich von Herrn Weiner gebeten wurde, dies doch bitte zu unterlassen, da wir sonst einen bundesweiten Skandal riskieren würden, war ich geschockt. Mein bester Freund ist Somalier. Ich habe viele Ausländer im Freundeskreis.“

Sein Teamkollege Martin Hess distanzierte sich ebenfalls von jeglichen Rassismusvorwürfen: „Ich habe viele ausländische, farbige Freunde und noch nie irgendwelche Probleme in diesem Zusammenhang gehabt. Im Spiel ging es etwas härter zur Sache und man schmeißt sich unsanfte Worte an den Kopf, aber das ist ganz normal im Fußball. Jedoch sind rassistische Beleidigungen Unterstellungen, die nie vorgekommen sind.“ Was am 10. Dezember auf dem Platz der Sportfreunde Lotte tatsächlich passierte, muss nun der DFB-Kontrollausschuss klären.

sid

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