Rassismus? Terry schweigt vor Gericht

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John Terry

London - Wegen Vorwürfen des Rassismus ist Kapitän John Terry vom Champions-League-Sieger FC Chelsea am Montag vor einem Strafgericht in London erschienen.

Gegen den englischen Nationalspieler wird wegen des Verdachts der rassistischen Beleidigung ermittelt. Terry soll im Ligaspiel am 23. Oktober 2011 gegen die Queens Park Rangers den dunkelhäutigen Anton Ferdinand beleidigt haben. Eine Abschrift der angeblich üblen Beleidigungen kursierte im Internet.

Das Videomaterial hatte die Staatsanwaltschaft veranlasst, ein Verfahren gegen den 31-jährigen Terry einzuleiten. Im Gerichtssaal wurden TV-Sequenzen der Szene gezeigt. Der Beschuldigte beruft sich darauf, dass er wegen einer außerehelichen Affäre mit der Ex-Freundin eines früheren Mitspielers von Ferdinand provoziert worden sei.

Wie bei der Verhandlung bekannt wurde, hatte Terry in vorangegangenen Vernehmungen zu Protokoll gegeben, dass er nur Worte wiederholt habe, die ihm Ferdinand an den Kopf geworfen habe. Konfrontiert mit der Anschuldigung, er habe den QPR-Profi rassistisch beleidigt, meinte Terry laut der Aufzeichnungen: „Das ist einfach nicht wahr.“

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Anton Ferdinand sagte aus, dass er nach der verbalen Konfrontation mit Terry zunächst „nicht geglaubt hatte, dass rassistische Ausdrücke“ benutzt worden seien. Erst als ihm seine Freundin nach dem Match die Szene auf Youtube vorspielte, sei er überzeugt gewesen, dass „rassistische Begriffe“ gefallen seien, erklärte der als Hauptzeuge geladene Ferdinand: „Und wenn jemand deine Hautfarbe mit ins Spiel bringt, ist ein anderes Level erreicht. Das ist sehr schmerzhaft.“

Der englische Verband FA hatte Terry „aufgrund der hohen moralischen Verpflichtung des Amtes“ die Kapitänsbinde weggenommen. Englands damaliger Teammanager Fabio Capello, der sich auf die Seite des Innenverteidigers geschlagen hatte, war daraufhin im Februar zurückgetreten.

Terry gab am Montag beim Betreten des Gerichtsgebäudes keinen Kommentar ab. Er trug einen grauen Anzug und eine pinkfarbene Krawatte. Einige Anhänger riefen ihm zu: „Viel Glück, John.“ Seine Anwälte haben bereits bekannt gegeben, dass sie auf unschuldig plädieren wollen.

Sollte Terry verurteilt werden, könnte ihm eine Geldstrafe in Höhe von 3150 Euro drohen. Der Imageschaden wäre nicht zu beziffern. Einige Chelsea-Profis sind bei dem Prozess als Zeugen geladen.

SID

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