Sperre für Florenz-Coach nach Prügel-Eklat

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Ein Foto der Prügelszene

Rom - Delio Rossi hat mit einer Schlägerei für seine Entlassung beim AC Florenz gesorgt. Zudem bekam er prompt die Quittung in Form einer Sperre.

Ein kurzes, heftiges Wortgefecht genügte - und schon brannten bei Delio Rossi alle Sicherungen durch. Der Trainer des AC Florenz stürmte zur Auswechselbank, packte seinen Spieler Adem Ljajic am Kragen und prügelte dreimal mit der Faust auf den Serben ein. Erst dann rissen ihn Spieler und sein Co-Trainer von seinem Opfer los (zum YouTube-Video). Weil Ljajic bereits in der 32. Minute gegen Novara Calcio (2:2) ausgewechselt wurde, hatte er seinen Trainer verhöhnt und beleidigt. Daraufhin verlor Rossi nicht nur die Kontrolle über sich, sondern auch seinen Job und für drei Monate seine Trainerberechtigung.

Fiorentina-Präsident Andrea Della Valle beobachtete die hässliche Szene mit versteinerter Miene von der Tribüne und entließ den Coach unmittelbar nach dem Spiel. „In meinen zehn Jahren im Fußball war dies meine schwierigste Entscheidung. Rossi ist provoziert worden und er hat die Nerven verloren, doch uns ist keine andere Wahl geblieben“, sagte Della Valle, „dieser Klub lebt nach anderen Werten als Gewalt.“ Und die Gazzetta dello Sport kommentierte: „Wilder Westen in Florenz - die Fiorentina erlebt einen Abend der Schande.“ Dazu trugen auch die Tifosi bei, die den Serben Ljajic als „Zigeuner“ beschimpften.

Florenz wurde dafür mit einer Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro belegt. Ljajic durfte aus disziplinarischen Gründen nicht am Donnerstagstraining teilnehmen, Rossi wurde vom Sportgericht des italienischen Verbands wegen „gewalttätigen und unberechenbaren Verhaltens“, das nicht mit dem Stress eines Meisterschaftsspiels gerechtfertigt werden könne, für drei Monate gesperrt.

Klub-Boss Della Valle zeigte trotz der Entlassung auch Verständnis für Rossi, der erst seit November auf der Bank von Florenz saß und einen Vertrag bis 2013 hatte. Rossi habe sich wegen des drohenden Abstiegs stark unter Druck gesetzt. „Rossi hat in seinem ganzen Leben niemals so etwas getan. In wenigen Sekunden hat er den Stress rausgelassen, den er in Monaten angesammelt hatte“, sagte Della Valle, „die Entlassung ist vor allem für sein Wohl ergriffen worden.“ Am Donnerstag präsentierte Della Valle Vincenzo Guerini, den bisherigen Klubmanager, als Nachfolger für den geschassten Rossi.

Auf den 51-Jährigen kommen jetzt weitere harte Konsequenzen zu. Rossi erwartet eine empfindliche Strafe seitens des italienischen Fußball-Verbandes (FIGC). Zudem hat der Berater von Ljajic eine Anzeige wegen Körperverletzung angekündigt. Der Präsident der italienischen Trainergewerkschaft, Renzo Ulivieri, kritisierte Rossi: „Prügeleien sind unannehmbar, aber auch die Spieler müssen ihre Zunge hüten.“ Novara-Trainer Attilio Tesser zeigte dagegen Verständnis: „Er ist nicht verrückt. Der Spieler muss ihm etwas gesagt haben, und er hat den Kopf verloren“.

Die Prügel-Attacke ist eine weitere Schande für den italienischen Fußball, der in den vergangenen Monaten mit zunehmender Gewalt für negative Schlagzeilen sorgte. Am 23. April hatten Hooligans des FC Genua gegen Siena beim Zwischenstand von 0: 4 durch das Zünden von Rauchbomben eine 50-minütige Spielunterbrechung gesorgt und die Genua-Profis gezwungen, sich das Trikot auszuziehen, weil sie wegen ihrer schwachen Leistungen der Vereinsfarben unwürdig gewesen seien. Vergangene Woche wurden Federico Marchetti und Andre Dias von Lazio Rom wegen heftiger Proteste gegen ein umstrittenes Tor zu langen Sperren verurteilt. Die Mannschaftskollegen des Nationalspielers Miroslav Klose hatten den Schiedsrichter attackiert und sind auf ihre Gegenspieler losgegangen. „Die Meisterschaft der Schande hat nach den Vorfällen mit Genua und Lazio Rom in Florenz eine weitere schwarze Seite geschrieben“, schrieb die Gazzetta dello Sport.

sid

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