DFB prüft Lahm-Buch - Drohen Konsequenzen?

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Joachim Löw und Kapitän Philipp Lahm

Berlin - Das brisante Buch seines Kapitäns Philipp Lahm beschäftigt nun auch Bundestrainer Joachim Löw. Drohen dem Münchner sogar Konsequenzen?

Welches Buch derzeit auf dem Nachttisch von Joachim Löw liegt, ist nicht bekannt. Die brisante Biografie von Philipp Lahm (“Der feine Unterschied“) dürfte für den Bundestrainer aber nicht als beruhigende Gute-Nacht-Lektüre taugen. Spätestens mit der Nominierung für den Länderspiel-Doppelpack gegen Österreich und Polen an diesem Freitag schwappt die Aufregung um Lahms Lästereien über Trainingsmethoden von Rudi Völler bis Jürgen Klinsmann auch zur Fußball-Nationalmannschaft über.

Konkrete Statements oder gar Disziplinarandrohungen gibt es nach der Veröffentlichung erster Passagen aus Lahms launiger Fußball-Literatur weder von Löw noch von höherer Verbandsstelle. Auch am Donnerstag gab es zunächst keine neuen Kommentare. Weiterhin will man sich in der Zentrale in Frankfurt “einen kompletten Überblick über die Inhalte und Zusammenhänge“ verschaffen, “um die Situation seriös bewerten und sorgfältig einordnen zu können“, hieß es aus der DFB-Medienabteilung.

Längst beschäftigt sich aber die höchste DFB-Hierarchieebene intensiv mit dem Schriftstück des Nationalmannschaftskapitäns. Nach dpa-Informationen könnte noch vor der Kaderbenennung ein Urteil gesprochen werden. Lahm hatte am Donnerstag beim FC Bayern München trainingsfrei und hält den richtigen “Zeitpunkt, über mein Buch zu reden“, ohnehin nicht für gekommen. In den Handel geht das 265 Seiten dicke Werk am Montag, offiziell vorgestellt wird es erst am 25. September - im Münchner Volkstheater.

Lahms Sammelsurium an ausgeplauderten Team-Interna aus dem engsten DFB-Zirkel dürfte Löw nicht besonders lustig finden, obwohl ihm im Gegensatz zu den arg kritisierten Trainerkollegen Klinsmann, Völler, Felix Magath und Louis van Gaal durchweg geschmeichelt wird. “Jogi Löw ist ein präziser Denker mit einem guten Gespür für die taktischen Möglichkeiten einer Mannschaft“, schreibt Lahm unter anderem über seinen Förderer.

Sollte Lahm sanktionsfrei bleiben, würden Löw und dem DFB bei künftigen verbalen Indiskretionen Argumente für mögliche Strafen fehlen. Für Torwart Toni Schumacher war nach seinem Autoren-Debüt (“Anpfiff“) 1987 die DFB-Karriere beendet. Lothar Matthäus musste zehn Jahre später nach seinem “Geheimen Tagebuch“ beim FC Bayern die Kapitänsbinde abgeben.

Für Löw wird es abseits der laufenden Funktionärsgespräche darum gehen, die Gemüter zu beruhigen, um seine Auswahl von kommenden Montag an mit der nötigen Akribie auf das EM-Qualifikationsspiel am 2. September in Gelsenkirchen gegen Österreich vorbereiten zu können. Ein Sieg würde vorzeitig das EM-Ticket sichern und nach dem Testspiel am 6. September in Danzig gegen EM-Gastgeber Polen weitere Experimentiermöglichkeiten zum Qualifikationsabschluss in der Türkei (7. Oktober) und gegen Belgien (11. Oktober) bescheren.

Verzichten muss Löw wohl wieder auf Sami Khedira. Der Profi von Real Madrid laboriert an einer Adduktorenverletzung. Nach DFB-Angaben vom Donnerstag steht noch eine abschließende Untersuchung des 24-Jährigen aus. Nach Informationen des “Kicker“ muss Khedira mindestens zwei Wochen aussetzen. Der beim 3:2 gegen Brasilien geschonte Mesut Özil steht wie der lange verletzte Per Mertesacker wieder zur Verfügung.

Erstmals im DFB-Aufgebot dabei sein soll am Freitag Ron-Robert Zieler. Der Torwart von Hannover 96 wird als dritter Schlussmann hinter Manuel Neuer und Tim Wiese für den verletzten René Adler nominiert, wie Bundestorwarttrainer Andreas Köpke bereits in der Vorwoche verkündet hatte.

dpa

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