Preisspirale auf dem Fußball-TV-Markt gestoppt

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"Bundesliga, Nationalmannschaft und Champions League sind A-Rechte", erklärt Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser - und die Bayern natürlich besonders interessant

Berlin - Die sich über Jahrzehnte stetig nach oben drehende Preisspirale auf dem Fernsehmarkt für Fußball-Rechte ist gestoppt.

Nur noch die TV-Rechte für beste Premiumware erzielen in einem angespannten Finanzumfeld hohe Erlöse für die Fußball-Vereine und -Verbände. Dass die Preise nicht mehr in den Himmel wachsen, zeigen die aktuellen Ausschreibungen der TV-Rechte für die Europa League und den DFB-Pokal. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) musste aktuell die bittere Erfahrung machen, dass die Angebote für den DFB-Pokal etwa zehn Prozent unter dem Verkauf des letzten Rechtepakets liegen. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hat kein Interesse mehr am Pokal. Und die Spiele der nächsten Spielzeit der Europa League liegen buchstäblich auf der Resterampe. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat noch keinen deutschen Sender gefunden, der die Spiele des kleineren europäischen Wettbewerbs im Free-TV live übertragen möchte.

Von 800 Millionen Euro Fernsehgelder für die Bundesliga pro Saison fabuliert Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge gerne. Aber selbst für eine Premiumware wie die Bundesliga sind solche Summen mittlerweile utopisch. “Man kann die Rechte in drei Kategorien aufteilen. Bundesliga, Nationalmannschaft und Champions League sind A-Rechte, der DFB-Pokal B und die Europa League C. Der DFB-Pokal hat zwar den Reiz groß gegen klein, aber richtig interessant sind meist die Partien ab dem Halbfinale. Diese Spiele sind aber auch in der Bundesliga zu sehen“, erläutert Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser die Hackordnung.

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Nur Premiumware ist gefragt

So zahlten ARD und ZDF für die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft 180 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre. Für die Champions League zahlt das ZDF 54 Millionen Euro pro Saison. Die Ausschreibung der nächsten Bundesliga-Rechte ab der Saison 2012/13 erfolgt in den kommenden Monaten. Steigerungen gegenüber der derzeitig durchschnittlichen Einnahme von 412 Millionen für die vier Spielzeiten bis zum Vertragsende dürften nur erreicht werden, wenn es der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gelingt, die Rechtepakete wie schon erfolgreich praktiziert zu differenzieren nach Internet- und TV-Verbreitung.

Dass die UEFA bisher keinen Käufer aus dem Bereich des frei empfangbaren Fernsehens für die Rechte der Europa League gefunden hat, ist für den Münchner Juristen und Sportrechteexperten Martin Stopper keine Überraschung. “Für Sender, die wie der Spartenkanal Sport1 nur Sport senden wollen, sind die Rechte des DFB-Pokals oder der Europa League zu teuer. Kommerzielle Vollprogramm-Sender wie Sat1 kaufen Sportrechte, um ihren Markenwert zu erhöhen, aber das geht nur mit Premiumware. Sat1 will der Champions League-Sender sein, nicht der Europa League-Sender.“

Der im Pay-Bereich konkurrenzlose Sender Sky hat die Rechte für den ehemaligen UEFA-Cup und den DFB-Pokal erworben. Aber im Vergleich zu den Jahren zuvor zu niedrigeren Preisen. “Derzeit zahlt Sky für DFB-Pokal und Europa League keine strategischen, sondern marktgerechte Preise. Das muss aber kein Dauerzustand sein, dafür ist der Markt für Sportrechte zu dynamisch“, meint Stopper.

Europa League mit der “Champions League verzahnen“

Bis zum Ende dieser Spielzeit besitzt Sat1 im Paket mit der Champions League auch die Europa League. Der Wert dieses Paketes wird auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt. Nun liegt momentan kein Angebot vor. Denn die Lizenzen für die europäische Königsklasse hat sich das ZDF für geschätzte 54 Millionen Euro gesichert. Das Zweite verzichtet nach Aussage von Sportchef Dieter Gruschwitz aus zwei Gründen auf die Europa League. Die Champions League habe schon ein großes finanzielles Volumen, außerdem wolle man nicht zum reinen Fußballsender mutieren. Und die ARD beschränkt sich auf den nationalen Fußball.

Die Europa League gilt in der Branche als schwer vermarktbares Produkt. Denn welcher deutsche Klub teilnimmt, ist unsicher und auch die internationale Konkurrenz reißt die Fans nicht von den Sitzen. “Der Stellenwert der Europa League ist zu gering. Man müsste sie mit der Champions League verzahnen, vielleicht durch einen Aufstieg der Gruppensieger, das würde sie aufwerten“, fordert Holzhäuser die UEFA auf, Modelle zu entwickeln, den Wettbewerb aus seinem Nischendasein hervorzuholen. Die Europa League gilt wie der DFB-Pokal in der Branche als Indikator dafür, dass die Einnahmezuwächse des Fußballs vom Fernsehen vorerst gestoppt zu sein scheinen.

dapd

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