Portugals Luxus-Stars am Pranger

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Cristiano Ronaldo

Lissabon - In Portugal gibt es vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland kaum EM-Fieber. Nicht nur wegen der Test-Blamagen. Im verarmten Krisenland wird auch der ausschweifende Lebensstil der Stars angeprangert.

In einem ist Portugals Fußball-Auswahl schon vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland Europameister: „Bei den Ausgaben für die Unterkunft. Sie wird 33 174 Euro pro Nacht zahlen, mehr als jede andere Auswahl“, kritisierte neben anderen Medien die Zeitung „I“. Die Regierung im ärmsten Land Westeuropas sah sich prompt zur Mitteilung veranlasst, von dem Staat, der Gehälter und Sozialleistungen kürzt, gebe es nur einen kleinen Zuschuss. Und überhaupt: Das Team werde „sicher anmutige Leistungen zeigen“.

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Doch im Gegensatz zu früheren großen Turnieren, darunter die Heim-EM 2004, hingen am Tag vor der ersten Partie in Lissabon kaum Fahnen aus den Fenstern. „Es ist sehr viele Jahre her, dass die Selecção so wenig Begeisterung geweckt hat“, stellte die Zeitung „Público“ fest.

Nicht nur die miserablen Testspielleistungen ohne einen Sieg werden von Fans und Medien angeprangert. Im krisenerschütterten Portugal sorgten auch die Luxuskarossen, mit denen Ronaldo, Nani & Co. im Trainingslager vorfuhren, für Aufregung. „Wir haben 16 Prozent Arbeitslose und die mit ihren 400 000-Euro-Autos. Die leben doch in einer irrealen Welt, das war eine Beleidigung der vielen Armen bei uns“, schimpfte sogar der angesehene Alttrainer Manuel José (66) am Donnerstag im Interview des TV-Senders TVI.

Der Ex-Coach von Benfica und Sporting hatte zuvor geklagt, dass die Profis mitten in der EM-Vorbereitung „von Party zu Party“ gezogen seien. Sein Vorwurf, die Nationalelf sei „zum Zirkus“ verkommen, wurde von Ex-Nationaltrainer Carlos Queiroz bekräftigt. Das Massenblatt „Correio da Manhã“ trat am Freitag nach: „Die Nationalelf überzeugt niemanden, und das Benehmen der Spieler hilft nicht.“

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Volksidol Cristiano Ronaldo geriet besonders ins Visier. Medien berichteten, der Real-Madrid-Stürmer habe zunächst einer jungen Portugiesin ein Autogramm verweigert, weil sie ein Barcelona-Trikot getragen habe. Dann hieß es, der Stürmer habe Diskotheken besucht und dort wegen Frauen Streit mit anderen Besuchern angezettelt. Dann wurde Ronaldo scharf kritisiert, weil er beim Abschied im Präsidentenpalast Staatschef Anibal Cavaco Silva allzu salopp einlud: „Kommen Sie zu unseren Spielen, ok?“

dpa

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