Polter lässt Magaths Einkäufe alt aussehen

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Kein Geld schießt auch Tore. Bester Beweis: Wolfsburgs Nobody Sebastian Polter.

Wolfsburg - Wolfsburgs Trainer Magath kaufte ein. Doch den Siegtreffer schoss der "Null-Euro-Stürmer" Sebastian Polter. Einen unrühmlichen Rekord heimste der Coach am Samstag ebenfalls ein.

Knapp 30 Millionen Euro hat Felix Magath in seinem Winter-Kaufrausch für neue Spieler ausgegeben, doch den Rückrundenauftakt rettete ihm ein Stürmer zum Nulltarif. Der 20-Jährige Sebastian Polter bewahrte den VfL Wolfsburg mit seinem Siegtreffer (78.) zum 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln vor einem Fehlstart in die zweite Saisonhälfte.

„Poldi“, wie der 2007 ablösefrei aus Braunschweig zur U17 des VfL gewechselte Polter von Magath genannt wird, stellte aber nicht nur den Kölner Nationalspieler Lukas Podolski in den Schatten. Sein zweiter Siegtreffer nach dem 1:0 zum Hinrunden-Abschluss gegen den VfB Stuttgart wirft auch kein gutes Licht auf die umstrittene „Hire and fire“-Transferpolitik seines Chefs.

Magath war daher auch bemüht, Polters Leistung zu relativieren und die Auftritte seiner millionenschweren Neuzugänge starkzureden. „Sebastian hat seine Aufgabe erfüllt. Er ist ein Stürmer, und der ist dazu da, das entscheidende Tor zu schießen“, sagte der 58-Jährige: „Ich beurteile einen Spieler nicht nur nach einer Aktion, sondern nach seinem gesamten Auftreten. Da gibt es sicher noch Steigerungsbedarf.“

Viel Lob hatte der ehemalige Nationalspieler für die fünf von insgesamt acht Neuzugängen übrig, die gegen Köln ihr Debüt im VfL-Trikot gaben. „Ich bin mit ihnen sehr zufrieden. Man hat ihr fußballerisches Potenzial gesehen“, sagte Magath. Bei einigen habe man aber auch gemerkt, „dass das Tempo in der besten Liga der Welt noch etwas zu hoch war“.

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Einen wenig schmeichelhaften Bundesliga-Rekord hat Magath mit seiner Kauflust gegen Köln eingestellt: In dieser Saison setzte der Trainer insgesamt 35 Spieler ein - genauso viele wie bei seiner eigenen „Bestmarke“ mit Eintracht Frankfurt in der Spielzeit 2000/01.

Doch längst nicht bei allen hatte Magath ein so glückliches Händchen wie bei Polter. Der 1,92 m große Stoßstürmer konnte gegen Köln den Ausfall des Top-Torjägers Mario Mandzukic (Lungenverletzung) nicht nur wegen seines wuchtigen Kopfballtreffers kompensieren.

Sein zweites Bundesligator im dritten Spiel ließ den Jung-Ehemann aber nicht abheben. „Ich stelle jetzt keine Ansprüche“, sagte Polter, gab aber zu, dass ihm Magaths Kaufwut nicht ganz geheuer war: „Natürlich registriert man, dass auf deiner Position neue Spieler geholt werden. Aber ich habe mich im Training aufgedrängt.“

Bei seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit nahm ihn Magath zur Seite. Dabei habe er ihm auch mahnende Worte mitgegeben, verriet Polter: „Er hat gesagt, ich soll mich mit Fouls zurückhalten. Ich bin ja einer, der gerne mal hinlangt.“

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Polter hörte auf seinen Trainer, auch das dürfte seine Chancen auf mehr Einsatzzeit erhöhen. Vielleicht ja schon am kommenden Wochenende gegen Rekordmeister Bayern München. Für Magath wird sein Ex-Klub trotz der 1:3-Niederlage zum Rückrundenauftakt in Mönchengladbach den Titel holen: „Unser Sieg gegen Köln war auch deshalb so wichtig, weil wir in der nächsten Woche beim kommenden deutschen Meister antreten.“

Bei den Kölnern trauerte man derweil den vergebenen Chancen hinterher. Kurz vor dem Gegentreffer hätte Stürmer Milivoje Novakovic, der nach viermonatiger Verletzungspause auf den Platz zurückgekehrt war, den FC in Führung bringen müssen. „Normalerweise macht er den, aber von uns gibt es keinen Vorwurf“, sagte Torhüter Michael Rensing. Der Druck auf die Kölner dürfte angesichts von nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Spielen aber deutlich zunehmen.

sid

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