Poldi oder Rehhagel: Wer steigt ab?

Köln/Berlin - Lukas Podolski verlässt den 1. FC Köln, Otto Rehhagel Hertha BSC Berlin . Einer der beiden Vereine wird am Samstagabend als Absteiger feststehen. Wen trifft's?

„Prinz Poldi“ gegen „König Otto“: Nach dem Saisonfinale wird entweder Lukas Podolski oder Otto Rehhagel der Fußball-Bundesliga als Absteiger den Rücken kehren müssen, der Gewinner bekommt eine Zusatzchance für einen ehrenvollen Abschied. Nationalspieler Podolski hat mit dem 1. FC Köln vor dem letzten Spiel gegen Bayern München zwei Punkte Vorsprung auf Hertha BSC mit Trainer Rehhagel. Aufgrund der schlechteren Tordifferenz müssen die Rheinländer aber auf jeden Fall gewinnen, um im Kampf um den Relegationsplatz unabhängig zu sein vom Ergebnis der Berliner gegen 1899 Hoffenheim (beide Samstag, 15.30 Uhr/Sky und Liga total!).

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In Köln wird es auf jeden Fall Tränen geben. Wenn vor dem Anpfiff laut Express die besten Szenen des scheidenden „Prinzen“ über die Stadion-Leinwand laufen und der kölsche Fußball-Held mit einem Blumenstrauß, einem Präsent und warmen Worten zum FC Arsenal verabschiedet wird, wird es sicher ausgesprochen emotional im Kölner WM-Stadion zugehen.

Das Schlimme jedoch: Die Wehmut rund um den Abgang des Publikumslieblings ist derzeit symbolisch für das Stimmungsbild am Geißbockheim. Alle hoffen zwar, dass der FC sich in die Relegation rettet, Podolski noch zweimal das Kölner Trikot tragen und sich am Ende als einziger aus der Bundesliga verabschieden wird. Doch die Fans haben nach den zahlreichen Nackenschlägen dieser Chaos-Saison den im Rheinland eigentlich typischen Glauben an das gute Ende verloren.

In den Spielern scheint derweil nur noch ein Glaube fest verankert: Der, dass sie der Konkurrenz als Altlast der Amtszeit von Trainer St†le Solbakken körperlich nicht das Wasser reichen können. Hoffnung macht vor dem Duell mit dem Rekordmeister eigentlich nur eines: Die Schwäche des Rivalen Hertha BSC.

Doch ausgerechnet der abtrünnige Podolski, der noch vor dem Abflug nach London eine erneute Rückkehr nach Köln als „jederzeit möglich“ bezeichnete, will vor seinem möglicherweise letzten Spiel im „Wohnzimmer“ RheinEnergieStadion Aufbruchstimmung verbreiten. „Ich will unbedingt, dass wir in der Liga bleiben“, sagte der Nationalspieler, immer noch in der Wir-Form sprechend. Schon 2006 hatte er sich als Absteiger verabschiedet, das will er diesmal unbedingt verhindern. Insgesamt wäre Podolski im Falle des Absturzes sogar an drei von vier Kölner Abstiegen beteiligt.

Unter der Woche plagten den 26-Jährigen eine Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Probleme, spielen wird er wohl trotzdem. Und erinnert an das glorreichste Kölner Spiel seit Jahren: Vor genau 15 Monaten, als der FC gegen die unter Trainer Louis van Gaal strauchelnden Bayern mit 3:2 gewann. „Da haben wir sie nach 0: 2-Rückstand geschlagen. Also haben wir auch diesmal eine Chance“, sagte Podolski: „Die müssen wir nutzen.“ Allerdings weiß der Stürmer auch: „Wenn wir spielen wie beim 1:4 in Freiburg, wird das nix.“

Das gilt auch für die Berliner, die auch unter Rehhagel ungebremst dem Abstieg entgegentaumeln. Nun fürchtet „König“ Otto um seinen Ruf, die Spieler kämpfen um ihren Arbeitsplatz, und Manager Michael Preetz würde Ex-Trainer Markus Babbel zu gerne das Maul stopfen. Für die Hauptdarsteller geht es um viel, am härtesten würde der Super-GAU jedoch den Verein treffen, denn eine baldige Rückkehr wäre kaum zu erwarten.

„Die finanziellen Möglichkeiten, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen, sind beim Verein nicht vorhanden“, sagte Herthas Vize-Aufsichtsratschef Andreas Schmidt. Der Etat würde von knapp 60 auf 30 Millionen Euro sinken, Leistungsträger wie Adrian Ramos und Raffael müssten angesichts des Schuldenbergs von 35 Millionen Euro verkauft werden. „Im Zweifelsfall muss man sich auf mehrere Jahre 2. Liga einstellen“, sagte Schmidt.

Doch zuvor wollen die Herthaner ihre allerletzte Chance nutzen, die ihnen der Fußball-Gott eingeräumt hat, wie Rehhagel sagte. „Die Jungs haben gut trainiert. Ich bin überzeugt, dass sie das Bestmögliche aus sich rausholen“, sagte er.

Rehhagel wirkt immer noch fokussiert, obwohl der einstige Meistermacher seinen Zauber längst verloren hat. Nach nur zwei Siegen aus elf Spielen droht dem Europameister-Coach von 2004 der zweite Bundesliga-Abstieg nach 1979 mit Arminia Bielefeld. Ein schwarzer Fleck in seiner Vita zum Ende der Karriere, auf den „König Otto“ gerne verzichten würde. Für Michael Preetz wäre es der zweite Abstieg in zwei Jahren. Der Manager darf aber wohl trotzdem bleiben.

sid

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