Podolski: "Dann setz' ich mich eben auf die Tribüne"

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Lukas Podolski lässt seinen Lieblingsklub im Kampf um eine Vertragsverlängerung erst einmal abblitzen

Köln - In Köln dreht sich weiter alles um Lukas Podolski. Sein Trainer und der Sportdirektor lästern über den vermeintlichen Rivalen Schalke 04 - und der Superstar selbst lässt seinen Lieblingsklub erst einmal abblitzen.

Trainer Stale Solbakken und Sportdirektor Volker Finke spotteten im Überschwang der Gefühle über das Interesse von Schalke 04 - doch der Superstar selbst ließ seinen Lieblingsklub im Kampf um eine Vertragsverlängerung erst einmal abblitzen. „Dann muss ich eben in der 2. Mannschaft spielen oder setz' mich auf die Tribüne“, sagte Lukas Podolski nach seiner erneuten Galavorstellung beim 4:0 (1:0) gegen den SC Freiburg und konterte damit Finke.

Der Sportdirektor hatte noch einmal versichert, „mit Lukas auf keinen Fall in die neue Saison zu gehen, ohne mit ihm zu verlängern“ und damit versucht, den Nationalspieler unter Druck zu setzen. Doch den beeinflussen die zahlreichen Gerüchte um seine Zukunft offenbar gar nicht. Zum wiederholten Male war Podolski der Mann des Spiels, zum fünften Mal traf er am 15. Spieltag doppelt (61./73.), mit 13 Toren hat er schon vor Ende der Hinrunde seinen persönlichen Bundesliga-Rekord aus dem Vorjahr eingestellt.

Kein Wunder, dass die Interessenten Schlange stehen. Und in Köln empfindet man die emotionale Diskussion um die Zukunft des „Prinzen“ schon als unendliche Geschichte - obwohl die internen Gespräche noch gar nicht richtig begonnen haben. Dass unter der Woche Schalke 04 durch Aussagen von Sportdirektor Horst Heldt und Klub-Chef Clemens Tönnies Interesse an Podolski bekundete, rang dem Spieler, seinem Trainer und dem Sportdirektor aber nur ein müdes Lächeln ab.

„Wenn Lukas gehen sollte, kann er sicher zu einem besseren Verein gehen als zu Schalke“, sagte Solbakken mit einem breiten Schmunzeln. Finke geißelte das Vorpreschen der Gelsenkirchener ohne es so zu nennen als Wichtigtuerei. „Hauptsache, man ist im Gespräch“, sagte er: „Wenn Heldt sagt, dass sie weder mit dem Verein noch mit dem Spieler Kontakt aufgenommen haben, zeigt das doch, um was für ein Interesse es geht.“

Auch Podolski, an dem auch zahlreiche ausländische Klub wie der FC Arsenal Interesse haben sollen, meinte, es werde „immer Vereine geben, die sich nach vorne drängen. Das kann ich nicht beeinflussen, und das muss ich auch nicht ständig kommentieren“.

Beim FC muss man Podolski angesichts der aktuellen Leistungen jedenfalls den roten Teppich ausrollen - von seinem Standing bei den Fans, die den vermeintlichen Nebenbuhler während des gesamten Spiels mit „Scheiße 04“-Gesängen verspotteten, ganz zu schweigen. „Lukas ist ein Weltklassespieler und absolviert gerade das beste Halbjahr seiner Karriere“, sagte Solbakken und setzt ebenfalls auf die Fans als entscheidenden Faktor: „Lukas hat gesagt, dass er das erste Gespräch mit uns führen wird. Er hat ein Herz für den FC, und deshalb denke ich, dass wir ihn halten können.“

„Natürlich liebe ich die FC-Fans. Das ist seit meinem ersten Jugendspiel so und wird immer so bleiben“, meinte der Umworbene selbst, ohne über einen möglichen Einfluss auf seine Entscheidung zu sprechen. Doch auch die Mitspieler setzen sich trotz der möglichen Millionen-Einnahme für den Verein klar für einen Verbleib ihres begabtesten Kollegen ein. „Der Verein muss wissen, was wichtiger ist: Viel Geld oder Poldi. Ich bin natürlich für Poldi“, sagte Torhüter Michael Rensing.

Zweiter Matchwinner gegen die Freiburger war übrigens Christian Clemens, ein von Podolski stets väterlich gefördertes Eigengewächs. „Er ist immer ein bisschen schlafmützig, man muss ihn immer motivieren“, sagte Podolski nach den beiden Toren des Mittelfeldspielers (19./66.) und ergänzte mit Blick auf dessen direkt verwandelten Eckball: „Ich habe ihm schon mal zu seinem ersten Tor des Monats gratuliert. Jetzt braucht er nur noch zehn, um mich einzuholen.“

Den Freiburgern war angesichts des Sturzes auf den letzten Tabellenplatz nicht zum Spaßen zumute. „Die zweite Halbzeit war eine Katastrophe“, meinte Mittelfeldspieler Johannes Flum. Da im letzten Spiel des Jahres Meister Borussia Dortmund kommt, droht das Überwintern als Letzter. „Die Tabelle zählt nur an einem einzigen Spieltag“, meinte Trainer Marcus Sorg: „Und zwar am letzten.“

SID

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