Van Persie: So wandelte er sich zum Star

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Robin van Persie

Warschau - Oranje-Superstar Robin van Persie war früher ein schwieriger Charakter. Vor allem seine Familie hat dies geändert.

Robin van Persie gehört zweifellos zu den besten Stürmern der Welt. Nur wenige können ihm das Wasser reichen, Lionel Messi etwa. Selbst van Persies Sohn Shaqueel ist ein großer Fan des Argentiniers. Deshalb besorgte sich der Niederländer ein Barcelona-Trikot des Weltfußballers, ließ es vom Meister persönlich signieren und schenkte es seinem Fünfjährigen. Nun hängt Messis Dress eingerahmt in Shaqueels Kinderzimmer, gleich über dem lustigen Plüschkamel.

Bei der EM in Polen und der Ukraine will van Persie (28) nun das gewinnen, was Messi noch fehlt: einen internationalen Titel. Und weil der Kapitän des FC Arsenal seine wilde Zeit mit den peinlichen Schlagzeilen hinter sich gelassen hat, weil er das einst schwierige Verhältnis zum Bondscoach Bert van Marwijk geordnet hat und weil er die Saison seines Lebens spielt, glauben nicht wenige, dass van Persie Oranje in höchste Höhen führen könnte.

„Robin ist ein Ausnahmespieler. Seine Bewegungen im Strafraum sollte jede Fußballschule zeigen“, sagt sein Klub-Coach Arsene Wenger. Genau wie van Marwijk würde wohl auch Wenger den England-Legionär im ersten Spiel gegen Dänemark am Samstag (18. 00/ARD) spielen lassen und Ausnahme-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 auf die Bank setzen.

Van Persie ist ein spielender Mittelstürmer, weniger statisch als der „Hunter“, technisch stärker, der bessere Vorbereiter. Allenfalls Huntelaars Zielstrebigkeit im Abschluss erreicht er wohl nicht ganz, wobei 30 Tore in 38 Premier-League-Spielen in dieser Saison dies nur unzureichend belegen.

Und er läuft mehr als Huntelaar. Kein Premier-League-Spieler lief in dieser Saison mehr als van Persie. Sowohl Journalisten als auch seine Profikollegen auf der Insel wählten ihn nicht bloß aus einer Laune heraus zum „Spieler des Jahres“.

„Statistiken erzählen nie die ganze Geschichte. Aber diese Zahlen zeigen, dass ich in Topform bin“, sagt er. Dass van Persie wie vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika, als er nur ein Tor erzielte, ausgepowert sein könnte, scheint bei dieser EM ausgeschlossen. „Ich bin fitter als je zuvor“, sagt er. Es ist eine Warnung, auch an den zweiten Gruppengegner Deutschland und seinen Klubkollegen Per Mertesacker.

Zur Stürmerfrage, die im Land des Vize-Weltmeisters zur Staatsaffäre aufgebauscht wird, schweigt van Persie. Warum sollte er auch reden? Er ist der Gewinner des Zweikampfes, van Marwijk vertraut ihm blind.

Oranje-Stars trainieren gegen Kinder

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Das war nicht immer so. In ihrer gemeinsamen Zeit bei Feyenoord Rotterdam (2001 bis 2004) schickte der Coach den aufmüpfigen Jungprofi zunächst zurück in die Juniorenmannschaft. Später rauften sie sich zusammen, weil van Persie seinen Lehrmeister und dessen Methoden irgendwann doch akzeptierte.

Dennoch verlief die Karriere weiterhin nicht reibungslos. Nach seinem Wechsel nach London 2004 tat van Persie sich schwer, nicht nur wegen seines andauernden Verletzungspechs. Im Sommer 2006 kam der Tiefpunkt. Er geriet unter Verdacht, nach einem Nachtklubbesuch in einem Hotel eine Frau vergewaltigt zu haben, saß zwei Wochen in Untersuchungshaft. Anklage wurde nicht erhoben. Van Persie, der damals schon mit der Marokkanerin Bouchra, seiner heutigen Frau, zusammen war, musste aber ein „Treffen“ mit der Dame eingestehen.

All das standen die van Persies aus, die Kinder Shaqueel und die 2009 geborene Dina Layla ordneten das Leben neu. Wo die Vorlieben heute liegen, zeigt van Persies Facebook-Seite, auf der es vor Familienfotos nur so wimmelt. Shaqueels Messi-Trikot ist dort ebenfalls zu sehen.

Nur die Verletzungen blieben auch dem Vater van Persie treu. In dieser Saison war der gebürtige Rotterdamer, drittes Kind des Malers und Bildhauers Bob und der Kunstlehrerin Jose, erstmals konstant fit - und prompt startete er durch.

So eine Saison ruft natürlich die ganz Großen und Neureichen auf den Plan. Messis FC Barcelona, Juventus Turin und Manchester City sollen die Fühler ausgestreckt haben. Arsenal reagierte angeblich mit einem Angebot über umgerechnet 160.000 Euro pro Woche und 6,1 Millionen Euro Handgeld bei Verlängerung des 2013 auslaufenden Vertrages. Ob van Persie in der kommenden Saison gemeinsam mit Mertesacker und Lukas Podolski spielen wird, ist offen. Er schweigt dazu - warum sollte er auch reden?

sid

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