UEFA-Boss von DFB-Elf begeistert

Platini für Winter-WM und gegen Torkamera

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UEFA-Präsident Michel Platini

Köln  - UEFA-Präsident Michel Platini zeigt sich vor dem Länderspiel „seiner“ Franzosen gegen die DFB-Auswahl als Fan der Löw-Elf und sprcht sich gegen Torkameras und für eine Winter-WM 2022 aus.

UEFA-Präsident Michel Platini hat sich vor dem Länderspiel „seiner“ Franzosen gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch in Bremen (20.45 Uhr/ZDF) als großer Fan der DFB-Elf geoutet. „Deutschland hat derzeit das beste Team Europas, sehr jung, sehr kreativ. Kein Punktverlust in der EM-Qualifikation - Ihr seid die großen Favoriten für die Europameisterschaft, zusammen mit Spanien“, sagte Platini im Interview mit der Welt am Sonntag.

Die „Equipe Tricolore“, die Platini 1984 zum EM-Titel geführt hatte, sieht der 56-Jährige derzeit kritisch: „Wir haben zwei, drei wirklich gute Spieler wie Karim Benzema und Franck Ribery. Der Rest ist so lala.“

Platini sprach sich in dem Interview zudem gegen die von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter mittlerweile bevorzugte Torkamera-Regelung aus. „Fußball ist der beliebteste Sport der Welt, weil er einfache Regeln hat, die überall funktionieren“, sagte Platini. Ein Tor wie das der Engländer im WM-Achtelfinale 2010, das zu Unrecht nicht anerkannt wurde, fiele „nur alle paar Jahre“, sagte der ehemalige Weltklassespieler.

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Er sprach sich für eine Alternative mit zusätzlichen Torlinien-Schiedsrichtern aus, wie sie die Europäische Fußball-Union (UEFA) bereits im Europacup einsetzt. Mit dieser Lösung sei man „mittlerweile sehr zufrieden“. Es sei doch immer besser, „Menschen einzusetzen, die Situationen bewerten können - zum Beispiel bei einem Handspiel - als komplizierte Technik zu installieren“.

Dass Blatter aktiv in eine der zahlreichen Korruptionsaffären der FIFA verwickelt sein könnte, hält Platini für ausgeschlossen. „Bestimmt gab es in der FIFA Fälle von Korruption, aber davon nehme ich Blatter aus. Ich bin sicher, dass er clean ist.“

Den Gerüchten, dass er schon vor dem Ablauf von Blatters Amtszeit den Schweizer an der Spitze des Weltverbandes ablösen könnte, widersprach Platini: „Ich bin gewählter Präsident der UEFA, Blatter ist gewählter Präsident der FIFA. Bis 2015 wird sich daran nichts ändern.“

Im Hinblick auf die WM 2022 in Katar macht sich Platini für eine Ausrichtung der WM-Endrunde im Winter stark. Der Kritik an der Ausrichter-Wahl, wie sie der scheidende DFB-Präsident Theo Zwanziger immer wieder geäußert hat, will sich der Franzose nicht anschließen: „Katar ist offiziell gewählt worden. Diese Wahl steht fest. Ich rege aber an, die WM im Winter durchzuführen, denn im Sommer herrschen dort über 50 Grad.“

Platini machte unterdessen keinen Hehl daraus, dass er den anstehenden Wechsel an der DFB-Spitze von Zwanziger zu Wolfgang Niersbach begrüßt. „Bei Niersbach bin ich sicher, dass wir von Beginn an eine hervorragende Zusammenarbeit haben werden. Wolfgang und ich sind aus einer Generation, während Zwanziger und ich aus zwei verschiedenen Welten stammen“, sagte Platini und bezeichnete Niersbach als „eine sehr gute Wahl“.

Dabei hatte Platini den designierten DFB-Präsidenten beim ersten Aufeinandertreffen beschimpft. Niersbach belauschte Anfang 1990 als DFB-Mediendirektor Platini, der als Nationaltrainer Frankreichs während eines Länderspiels gegen die deutsche Elf auf der Trainerbank Anweisungen gab. „Als ich ihn dabei erwischt habe, rief ich: 'Hey, du Lump, verzieh dich!' Seitdem sind wir Freunde.“

SID

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