Pizarro trifft spät - Werder erster Bayern-Jäger

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Claudio Pizarro: Doppeltorschütze für Bremen gegen Hertha.

Bremen - Claudio Pizarro schnappte sich den Ball und knallte ihn mit einem Jubelschrei in den dunklen Himmel über Bremen. In letzter Minute sicherte sein Treffer Bremens Erfolg über Hertha.

Das späte Tor für Werder zum 2:1 (1:1) gegen nur neun tapfer kämpfende Spieler von Hertha BSC Berlin war nicht nur für den Torjäger eine Erlösung. Eine halbe Stunde lang hatten die Hanseaten kein vernünftiges Überzahlspiel auf die Reihe bekommen - aber am Ende waren sie doch wieder der erste Verfolger des Rekordmeisters Bayern München.

Der Held war Doppeltorschütze Pizarro, der vor seinem wild umjubelten Last-Minute-Siegtreffer (90.+3) schon den Ausgleich zum 1:1 (23.) erzielt hatte. Für die Hertha hatte Adrian Ramos (3.) getroffen. „Wir haben nach zwei Platzverweisen wohl gedacht, jetzt wird es ein einfaches Spiel. Das war es gar nicht. Zum Glück haben wir doch noch das Tor gemacht“, sagte Pizarro, der mit letzter Kraft seinen Kopf in einen Eckball von Marko Marin gehalten hatte.

Sein Trainer Thomas Schaaf, der wegen allzu lauter Proteste die letzten Minuten von der Tribüne aus verfolgen musste, ging dennoch kritisch mit seiner Mannschaft um. „Man denkt dann, man müsse nun nicht mehr laufen - genau das haben wir getan. Wir haben uns das Leben unnötig schwer gemacht“. Der Frage nach dem FC Bayern wich der Trainer aus - ganz anders Offensivmann Marko Arnautovic: „Wir sind nun wieder Zweiter, also sind wir auch ein Bayern-Jäger!“

Die Berliner mussten ab der 57. Minute mit nur noch neun und ab der 63. Minute sogar mit nur noch acht Feldspielern auskommen. Der zuvor bereits verwarnte Rechtsverteidiger Christian Lell sah zunächst nach einer weiteren derben Attacke die Gelb-Rote Karte. Das gleiche Schicksal ereilte Ramos, der vorbelastet den Ball nach einer Spielunterbrechung wegschlug. Dennoch hatte Raffael sogar den Siegtreffer für die Gäste auf dem Fuß, doch sein Schuss aus zwölf Metern kurz vor dem Abpfiff wurde von Philipp Bargfrede neben das Tor gelenkt.

In der hektischen Schlussphase hatte Pizarro dagegen kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit noch einmal ins Hertha-Tor getroffen - vor seinem Kopfball hatte er sich allerdings allzu energisch den Weg freigeräumt. Die Entscheidung, das Tor nicht anzuerkennen, erzürnte Schaaf dermaßen, dass er auf die Tribüne verwiesen wurde.

Erst nach dem 1:1 waren die Bremer vor 40.760 Zuschauern in der fast ausverkauften Arena besser in die Partie gekommen, ohne jedoch zunächst klare Chancen herausspielen zu können. Die beste Einschussmöglichkeit hatten in der 17. Minute sogar die Berliner, aber Ramos fand in Werder-Keeper Sebastian Mielitz seinen Meister. Die Nummer zwei im Bremer Tor vertritt den wegen einer Roten Karte gesperrten Stammtorhüter Tim Wiese.

In der 31. Minute wäre aber auch Mielitz machtlos gewesen, doch Raffael verpasste eine gute Kopfballchance um Zentimeter. Aber auch ein zweiter Treffer für den SV Werder wäre noch vor dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Felix Brych aus München möglich gewesen, Aaron Hunt scheiterte in der 34. Minute zunächst an Kraft, dann am rechten Torpfosten.

Ungeachtet der doppelten numerischen Unterlegenheit bemühten sich die Berliner in der letzten halben Stunde, die Partie nicht zu einseitig werden zu lassen. Dabei profitierten sie von der großen Nervosität der übermotivierten Bremer, die zu überhastet agierten und klein klares Überzahlspiel zustande brachten.

SID

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