Kapitän macht den Mund auf

"Nicht akzeptabel!" Lahm widerspricht Hoeneß

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Kapitän Philipp Lahm findet klare Worte

München - Philipp Lahm kann auch durchaus ein unbequemer Kapitän sein. Jetzt macht der 28-Jährige den Mund auf und widerspricht dem Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß nicht nur einmal, sondern zweimal.

Interviews mit Philipp Lahm fallen oft sehr zurückhaltend aus. Der Kapitän des DFB-Teams und des FC Bayern lehnt sich selten weit aus dem Fenster, auch weil er ein "moderner Lautsprecher" ist, der Kritik eher intern als extern äußert. Sollte Lahm mal einen raushauen, dann ist das wohl kalkuliert, etwa, als er während der WM 2010 öffentlich via tz Michael Ballacks Kapitäns-Binde für sich beansprucht hatte.

Philipp Lahms Traumhochzeit

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Jetzt wird Lahm wieder laut. Gekitzelt hat ihn Uli Hoeneß mit seiner Kritik, die Nationalmannschaft sei "die gesamte EM hindurch nicht gut" gewesen. Lahms widerspricht via Kicker: "Dieses Urteil akzeptiere ich nicht. Wir haben bei der EM vier Spiele gewonnen und Griechenland - ob es nun ein Mega-Gegner ist oder nicht - im Viertelfinale geschlagen. Wir wissen alle, dass es wichtig ist, Ergebnisse zu erzielen." Und als ob es nicht gereicht hätte, Hoeneß einmal zu widersprechen, macht es Lahm gleich noch mal: "Diese Aussage von Uli Hoeneß kann ich nicht akzeptieren."

Die deutlichen Aussagen ehren Lahm - er nimmt als Kapitän das DFB-Team in Schutz. Auch für eine weitere Hoeneß-Aussage hat er einen Konter parat. Dem Bayern-Präsidenten zufolge sei kurz vor der EM in Polen und der Ukraine im Kreis der Nationalmannschaft "ja nur noch darauf geachtet worden, zu welchem Formel-1-Rennen man noch alles fahren sollte, damit die Spieler bei Laune gehalten wurden. Ständig ging es in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc. Manchmal ist weniger mehr." Lahms Reaktion: "Ich habe auch bei der EM kein einziges Mal Tischtennis gespielt. Wenn ich Tischtennis spiele, dann im Verein bei Bayern."

Vielleicht hätte der eine oder andere Schmetterball Jogis Jungs ja gut getan. Denn dass intern nicht alle "Gute Freunde kann niemand trennen" gesungen haben, lassen jetzt auch Lahms Aussagen vermuten. Stichwort atmosphärische Probleme. Nach Bastian Schweinsteigers Kritik, nicht alle Ersatzspieler seien während der EM bei Toren aufgesprungen, stärkt ihm Lahm den Rücken. Es sei dessen gutes Recht, Dinge, die ihm auffallen anzusprechen. "Vielleicht denken dann manche darüber nach, ob sie alles richtig gemacht und das Beste für die Mannschaft getan haben. Es geht doch darum, dass wir uns alle verbessern wollen." Das klingt nicht gerade nach grenzenloser interner Harmonie bei der EURO in Polen und der Ukraine. "Die Stimmung war schon mal besser als bei der EURO", unterstreicht Lahm, schränkt jedoch ein: "Aber: Wir hatten keine schlechte Stimmung."

Kapitän Lahm ermahnt insbesondere die Jungen, sich dem Team unterzuordnen. "Es gehört sicher dazu, dass Spieler unzufrieden sind, auch junge mit großem Talent; aber man muss sich selbst hinten anstellen in einem Turnier. Und das kann dann ein Bastian Schweinsteiger mit Sicherheit ansprechen, weil sich dann Spieler eben hinterfragen." Namen nennt Lahm natürlich keine. Doch hochtalentierte junge Bankdrücker gab es bei der EM ja mehrere. Man kann nur spekulieren, wer davon intern für eine gewisse Unruhe gesorgt hat.

al.

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