Guardiola lässt Zufall keine Chance

Pep - ein Perfektionist bis zum Einwurf

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Perfektionist Pep Guardiola.

Pilsen - Pep Guardiola ist ein Perfektionist: Der Trainer von Bayern München will den Zufall ausschließen. Daher kündigt er auch schon mal nach Siegen überraschend Korrekturen am System an.

Mit einer einzigen Bemerkung hat Pep Guardiola am vergangenen Samstagnachmittag ein mittelschweres Erdbeben ausgelöst. „Ich muss mein Konzept korrigieren“, sagte der Trainer von Bayern München - nach einem Sieg, wohlgemerkt. Nun ist 1899 Hoffenheim nachweislich kein Gegner, vor dem sich die Münchner fürchten. Viktoria Pilsen, am Dienstagabend in der Champions League, ist es auch nicht. Guardiola aber findet selbst, oder gerade bei einem Sieg gegen einen „Kleinen“ noch ausreichend Anhaltspunkte für Selbstkritik.

Präsident Uli Hoeneß, Anklage hin oder her, sagte über Guardiola: „Er ist Perfektionist. Wenn ein Spiel nicht so läuft, wird er immer gewisse Dinge infrage stellen.“ Der Trainer sei „nie zufrieden, will nie zur Tagesordnung übergehen“.

Daran, ergänzte Hoeneß noch, müssen „wir uns gewöhnen - aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein“. Gegen Hoffenheim dürfte Guardiola aufgefallen sein, dass der Gegner die Mitte des Spielfeldes verstopfte, also dort nervte, wo sich die Münchner am liebsten austoben. Der FC Bayern war überrascht.

Was genau Guardiola nun unter „korrigieren“ versteht, wird am Ende vielleicht nur in Details zu erkennen sein. In Pilsen hat er vor dem Spiel gegen die ortsansässige Viktoria gesagt, „das Niveau des FC Bayern ist im Himmel“. Er ergänzte aber: Ziel müsse es sein, dieses Niveau immer zu erreichen. Und da hat er offensichtlich eine Maxime: Es geht immer noch ein bisschen besser. „Wenn wir gewinnen, machen wir nicht immer gute Aktionen. Immer nach einem Spiel, egal ob du gewonnen oder verloren hast, gibt es Dinge zu verbessern.“

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Eines kann Guardiola gar nicht leiden: Zufälle. Um Zufälle im Spiel des FC Bayern auszuschalten, um der Mannschaft also für jede denkbare Situation eine Lösung anbieten zu können, arbeitet er Tag und Nacht. Xavi, das Gehirn des FC Barcelona, hat dies mal in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung so geschildert: „Der“, also Guardiola, „plant den ganzen Tag vor sich hin. Seine Maschine läuft 24 Stunden.“ Und dann, wenn das Spiel begonnen habe, „ist er allen anderen zwei Spielzüge voraus“.

Xavi beschrieb Guardiola als eine Art Schach-Großmeister, der eine Begegnung schon durchgespielt hat, ehe sie beginnt. Der seine Spieler dann aber auch bis ins Detail einweist. Entscheidend sei an diesen Anweisungen, dass die Spieler „den Grund einer jeden Aktion kennen“, berichtete Xavi. Und Guardiola erläutere stets „das Warum“, also etwa: „Warum verteidigen wir bei Einwürfen so und nicht anders? Warum üben wir auf einem Raum von zehn Metern Druck aus, um den Ball zurückzuerobern?“

Guardiola, sagte Xavi, „ist sehr didaktisch“, er kann also auch gut erklären - und das wirklich Bemerkenswerte sei: „Er trifft den Nagel eigentlich immer auf den Kopf.“ Das muss Guardiola aber auch: Nichts ist schließlich schlimmer als ein Trainer, den die Mannschaft nicht ernst nimmt, weil das, was er vorgibt, nicht funktioniert. Und so klingelt Guardiola auch schon mal mitten in der Nacht seine Assistenten aus dem Bett, weil er dringend über eine einzige Szene aus einem längst vergangenen Spiel sprechen will.

Vorstandsvorsitzende und Präsidenten finden den Trainer, den sie gerade geholt haben, ja grundsätzlich immer toll, und besonders beim FC Bayern ist der aktuelle Trainer in der Regel stets der weltbeste. Das ist im Fall von Guardiola nicht viel anders - diesmal aber sind Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß aber wohl zum ersten Mal zu der Auffassung gelangt, dass der Trainer sogar mehr Ahnung haben könnte als sie selbst. Beinahe demütig nehmen sie derzeit zur Kenntnis, wie Guardiola dem FC Bayern das Fußballspielen neu beibringt.

In die laufende Korrektur-Debatte wollte sich Rummenigge jedenfalls nicht einbringen. Er werde dem Trainer bestimmt „keine fachlichen Ratschläge“ erteilen, betonte er. Das könnte auch daran liegen, dass auch er rätselt, was der Perfektionist denn nun schon wieder perfektionieren möchte.

sid

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