Ebert: Eine Mischung aus Messi und Ronaldo

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Patrick Ebert (l.) hat in Spanien sein Glück gefunden

Valladolid - Nicht Mesut Özil, nicht Sami Khedira - Patrick Ebert ist derzeit der heißeste Deutschland-Export in der spanischen Primera Division.

Wenn sein Name fällt, erinnern sich viele deutsche Fußballfans oft nur an die unschöne Autospiegel-Affäre. In Spanien aber schreibt Patrick Ebert sportliche Schlagzeilen, der Mittelfeldspieler von Real Valladolid ist eine der größten Entdeckungen der Saison. Und weil spanische Medien in so einem Fall gerne zu Superlativen greifen, fand sich der ehemalige Berliner kürzlich mit den ganz Großen seiner Branche auf einer Stufe wieder. „Messi? Cristiano? Nein, Ebert!“, titelte die Zeitung Marca über den Spieler des vergangenen Spieltages.

Ganz so falsch lag das Blatt nicht, denn beim 3:1-Heimsieg gegen Real Mallorca begeisterte Ebert als eine Mischung aus den beiden Superstars. Bei seinem ersten Treffer hämmerte der 25-Jährige den Ball mit der Wucht eines Cristiano Ronaldo in den Winkel. Beim zweiten Streich ließ er gekonnt wie Lionel Messi Gegenspieler und Torwart mit geschickten Körpertäuschungen ins Leere grätschen.

„Ebert verkleidet sich als Lionel Messi“, schrieb Marca. Es gibt Schlimmeres für einen Fußballprofi, als mit dem Weltfußballer verglichen zu werden. „Hier habe ich mein Glück wiedergefunden“, sagte Ebert. In nur 14 Spielen glänzte der zeitweise verletzte Mittelfeldspieler mit insgesamt fünf Treffern und sechs Torvorlagen. So etwas bleibt natürlich auch der Konkurrenz nicht verborgen.

Laut der Sportzeitung AS soll Europa-League-Sieger Atletico Madrid seine Fühler nach dem Offensivspieler ausgestreckt haben und bereit sein, als Ablöse acht Millionen Euro zu zahlen. Bei Atletico könnte Ebert auf der rechten Außenbahn den wechselwilligen Adrian ersetzen. „Davon weiß ich nichts. Patrick bleibt auf jeden Fall bis Sommer in Valladolid“, sagte Eberts Berater Jörg Neubauer der Bild.

Klar ist aber auch, dass Ebert nach Höherem strebt. „Wenn es hier weiter so gut läuft, kommt vielleicht ein großer Klub“, sagte er. Irgendwann dürfte es ihn nach England oder Italien ziehen, denn: „Mein Traum war immer, in meiner Karriere in allen vier großen Ligen Europas zu spielen.“

Das Ende seiner Karriere in Deutschland war alles andere als glanzvoll. Publikumsliebling Ebert verabschiedete sich als Absteiger von Hertha BSC, für den er 14 Jahre aufgelaufen war. Zudem heftete ihm spätestens seit der Autospiegel-Affäre der Ruf des Skandal-Profis an. Er und Kumpel Kevin-Prince Boateng sollen im März 2009 nach einer Party-Tour Autospiegel abgebrochen haben. Ebert, zwischenzeitlich vom Verein suspendiert, musste eine Geldbuße in fünfstelliger Höhe zahlen.

Lange Zeit schien es, als ob Ebert nie über den Status des ewigen Talents hinauskommen würde. Während Spieler wie Mesut Özil, Sami Kehdira oder Mats Hummels, mit denen er 2009 gemeinsam U21-Europameister wurde, scheinbar mühelos die Karriereleiter hochkletterten, trat Ebert auf der Stelle. „Ich habe ein bisschen später als sie begriffen, worum es in diesem Geschäft geht“, gestand der Flankenspezialist einmal ein.

Der Schritt ins Ausland war deshalb auch eine bewusste Entscheidung. „Dort kann ich jetzt gegen die Besten der Welt spielen und mich auch als Mensch weiterentwickeln“, sagte Ebert. Eine Rückkehr nach Berlin, wo ihn die Fans noch immer lieben, schließt er trotz aller Ambitionen nicht aus: „Am Ende meiner Karriere noch mal für Hertha zu spielen, das hätte Charme.“

sid

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