Vom Partylöwen zur WM-Hoffnung

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Ronaldinho hat immer noch Chancen auf die WM 2014 im eigenen Land

Berlin/London: Ronaldinho, Altstar der Selecao, steht wieder hoch im Kurs. Nationaltrainer Mano Menezes sagt: "Ich musste ihn einfach wieder zurück in die Mannschaft holen."

Das “Joga Bonito“, das “Spiele schön“, hat er einfach immer noch drauf. Als Brasiliens Fußball-Altstar Ronaldinho beim 1:0-Testspielsieg gegen Ghana eine butterweiche Flanke Richtung Alexandre Pato schlug und dessen Kopfball nur knapp über die Latte strich, deutete sich schon an, wie wertvoll der zweimalige Weltfußballer immer noch für die Selecao sein kann. Und dass sein Freistoß in der 89. Minute nicht im Netz landete und damit das Nationalmannschafts-Comeback des 31-Jährigen perfekt gemacht hätte, daran war nur Ghanas Torhüter Adam Larsen schuld, der mit einer Glanzparade dem Ball seinen Bestimmungsort verwehrte.

“Einen Spieler wie Ronaldinho musste ich einfach wieder zurück in die Mannschaft holen“, sagte Brasiliens Nationaltrainer Mano Menezes nach dem Auftritt des ehemaligen Stars des FC Barcelona und AC Mailands, der im Herbst seiner Karriere sein Geld bei Flamengo Rio de Janeiro in seiner brasilianischen Heimat verdient. Denn auch wenn Ronaldinho vielleicht die Magie vergangener Tage abgeht: Einer sich im Neuaufbau befindenden brasilianischen Nationalelf tut die Inspiration eines Ronaldo de Assis Moreira gut.

Samba am Zuckerhut - die Vorbereitungen auf die WM 2014 in Brasilien laufen

Fußball-Samba am Zuckerhut - die Vorbereitungen auf die WM 2014 in Brasilien laufen

Das wurde spätestens nach dem schmeichelhaften 2:3 des Rekordweltmeisters gegen die deutsche Mannschaft offenkundig, als die desillusionierte brasilianische Öffentlichkeit entsetzt feststellen musste: Jetzt schlägt uns sogar Deutschland in unserer stärksten Disziplin - dem Offensivspiel. Das von den Brasilianern seither wie selbstverständlich beanspruchte Recht auf Zauberfußball ist mittlerweile auf andere Mannschaften übergegangen. Für gepflegte Fußballunterhaltung sorgen inzwischen Spanien, die Niederlande oder eben die deutsche Elf.

Party-Marathons, Alkohol-Exzesse und Frauen-Geschichten

Auch deswegen drückte Menezes seinem Altstar wieder das Zepter des Handelns in die Hand. “Brasilien ist doch schon seit langem keine Macht mehr. Die Spielfreude, das, was uns immer außergewöhnlich gemacht hat, ist seit den neunziger Jahren einfach verschwunden“, bemängelte Legende Socrates jüngst in einem Interview des Magazins “11Freunde“ - Ronaldinho soll all das dem brasilianischen Fußball wieder zurückgeben.

Denn fernab des europäischen Fußballzirkus' blühte der Fußballer Ronaldinho in seiner Heimat wieder auf. Er hatte wieder Spaß an seinem Beruf gefunden, spielte bei Flamengo eine starke Saison, in der er seinen Klub zum Meistertitel führte, und brachte sich so wieder in den Fokus des Nationaltrainers.

Dabei schien der Stern des Ronaldinho bei aller Wertschätzung langsam, aber sicher unterzugehen. Party-Marathons, Alkohol-Exzesse und Frauen-Geschichten nagten am Image des 31-Jährigen, die Nachtclubs und Diskotheken Mailands waren Ronaldinhos neue Spielwiese. Die Folge: Eine Fülle von Geldstrafen, Verlust des Stammplatzes bei Milan, die Nichtnominierung für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika - Ronaldinhos Karriere schien vor dem Aus. Ehe Flamengo beim Starkicker anklopfte. 

“Er hat gezeigt, was er noch drauf hat“

“Nach seiner Rückkehr nach Brasilien hat er sich wieder in den Griff bekommen“, sagt Menezes heute über den Star, dem der brasilianische Auswahlcoach gar eine Nominierung für die WM 2014 im eigenen Land in Aussicht gestellt hat, trotz der neuen Stars wie Neymar, Ganso oder Leandro Damiao, der gegen Ghana mit seinem ersten Länderspieltor den entscheidenden Treffer erzielte. Zwar habe der 31-Jährige noch einen weiten Weg vor sich und bei seinem Comeback gegen Ghana gerade zu Beginn Probleme mit dem hohen Tempo der Partie gehabt, “aber dann hat er seinen Rhythmus gefunden und in der zweiten Hälfte gezeigt, was er noch drauf hat.“

Vom Partylöwen zur WM-Hoffnung Brasiliens - nach der blamablen Südamerika-Meisterschaft mit dem Aus im Viertelfinale könnte Ronaldinho tatsächlich noch einmal zu einem wichtigen Element in Brasiliens Nationalteam werden. “Er ist eine Führungsfigur und ein Spieler, auf den man sich verlassen kann“, sagte Menezes und bezeichnete die Nominierung Ronaldinhos für das Ghana-Spiel deswegen als “keine Übergangslösung. Ich bin wirklich der Überzeugung, dass er die WM 2014 spielen kann.“ Mit “Joga Bonito“, versteht sich.

dapd

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