PSG plant Großangriff mit Katar-Kohle

+
Mit Hilfe eines arabischen Großinvestors bläst Paris St.Germain zum Angriff.

Paris - Die große Zeit von Paris St.Germain liegt schon weit zurück. Ein Investor aus Katar will den Pariser Renommierklub jetzt mit einer nie dagewesenen Transferoffensive zurück in die Erfolgsspur hieven.

Als Paris St. Germain seinen letzten großen Erfolg feierte, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler, das Internet noch weitgehend unbekannt, und der Europacup der Pokalsieger wurde noch ausgespielt. Bruno N'Gotty schoss PSG im Finale gegen das große Rapid Wien zu einem mühsamen 1:0-Erfolg, doch seither gab es außer vier Triumphen im französischen Pokal nichts mehr zu bejubeln. Das soll sich bald ändern, und auf dem Weg zurück zu alter Größe greift PSG ganz tief ins neuerdings prall gefüllte Portemonnaie.

Allein 40 Millionen Euro haben sich das Unternehmen Qatar Sports Investment und dessen Präsident Nasser Al-Khelaifi Ende Mai 70 Prozent der Klub-Anteile kosten lassen. Al-Khelaifi, Sportchef des arabischen TV-Senders Al-Dschasira, ließ außerdem 200 Millionen für Übertragungsrechte an der Ligue 1 springen.

Besitzer des Unternehmens ist Tamim bin Hamad Al-Thani, der Kronprinz von Katar. Und die Kataris wollen mit PSG künftig richtig große Baguettes backen. „Wir wollen zeigen, dass wir der beste Klub Frankreichs sind. Das nächste Ziel ist Europas Spitze“, sagt Al-Khelaifi.

Um diesen Anspruch zu unterstreichen, holte er zunächst den Brasilianer Leonardo als Sportdirektor. Ausgestatt mit reichlich Petro-Dollars begab sich der frühere Coach von AC und Inter Mailand sogleich auf Einkaufstour. Sein Ziel: Eine Mannschaft zusammenzustellen, die 2012 den dritten Meistertitel nach 1986 und 1994 gewinnt - und mehr. „Es geht nicht darum, ein Spiel zu gewinnen, sondern darum, alle zu gewinnen“, sagt Leonardo.

Seine Transferpolitik unterstreicht diesen Anspruch. Die französischen Nationalspieler Kevin Gameiro (FC Lorient/11 Millionen Euro), Blaise Matuidi (AS Saint-Etienne/10) und Jeremy Menez (AS Rom/8) kamen an die Seine, zudem lockte er Mohamed Sissoko von Juventus Turin (7) nach Paris. Sein wohl größter Coup steht kurz bevor: Für die französische Rekordablöse von 43 Millionen Euro soll der Argentinier Javier Pastore von US Palermo kommen - das sind rund zehn Millionen Euro mehr, als PSG 2000 für Nicolas Anelka von Real Madrid ausgab.

Insgesamt beliefen sich die Ausgaben dann auf fast 90 Millionen Euro, 150 Millionen stehen angeblich zur Verfügung. Ein Großteil des Rests soll möglichst noch vor Beginn der Saison am Samstag gegen den FC Lorient in einen Stürmer investiert werden. Als Top-Kandidat gilt Dimitar Berbatow (Manchester United). Ob mit dem oder den früheren Leverkusener - „die Mannschaft ist reif für den Titel“, sagt Leonardo. Pastore will gar „alles gewinnen“.

Fegt nun eine Revolution über die Ligue 1?

Der Angriff der Hauptstädter auf die in den letzten Jahren dominierenden Mannschaften aus Lyon, Bordeaux, Marseille und Lille könnte den französischen Fußball revolutionieren. Die Ligue 1 war über Jahre eine ausgeglichene Klasse, die oft von seriös geführten Klubs gewonnen wurde, die außerdem technisch und taktisch gut geschulte, meist über Jahre gewachsene Teams aufboten. Nach dem Vorbild der neureichen Pariser könnte tabula rasa in Mode kommen und die Ligue 1 ähnlich wie Englands Premier League zum Tummelplatz von Investoren werden.

Die Konkurrenz allerdings hegt Zweifel an den Erfolgsaussichten des Teams von Trainer Antoine Kombouare. „Manchester City hat das Gleiche auch versucht, aber in den ersten zwei, drei Jahren nicht den erhofften Erfolg gehabt“, sagt der frühere Hamburger David Rozehnal, der beim Double-Sieger in Lille spielt. UEFA-Präsident Michel Platini sagt, er sei „kein Fan“ der PSG-Revolution.

Leonardo kennt Paris übrigens gut. Als Spieler hat er mit PSG 1996/97 schon mal den Angriff auf die Spitze gewagt - und belegte den zweiten Platz.

SID

Kommentare