Pander: Sein Kampf um die letzte Chance

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Christian Pander im Hannover-Dress

Hannover - Er galt in Deutschland als Versprechen für die linke Abwehrseite, traf in Wembley gegen England und stand bei Real Madrid im Notizbuch. Jetzt kämpft Christian Pander in Hannover um seine letzte Chance.

Es ist ruhig geworden um Christian Pander. Und das ist keine schlechte Nachricht für den Mann, der an guten Tagen immer noch die gefährlichsten Freistöße der Bundesliga schießt. Denn Pander hatte in seiner Karriere mehr schlechte als gute Tage. In Hannover wagt er einen Neuanfang. Es ist wohl seine letzte Chance.

„Ich habe mich ganz bewusst entschieden, den Reset-Knopf zu drücken und von vorne anzufangen. Weg von den alten Gewohnheiten, hin zu etwas Neuem“, sagt Pander dem Sport-Informations-Dienst (SID), „auf Schalke habe ich in einer Schublade gesteckt. Wenn ich im Training nur ein klitzekleines Zimperlein hatte, stand es am nächsten Tag in der Zeitung.“ Wirkliche Schlagzeilen machte er aber mit seinen häufigen und schweren Verletzungen, die den 27-Jährigen immer wieder zurückwarfen.

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Kreuz- und Innenbandriss 2005, Bänderriss 2007, Bänderanriss 2009, mehrere Knieoperationen und zuletzt sechs Monate Zwangspause wegen einer Zehenverletzung: Weil ihn sein Körper viel zu oft im Stich ließ, stehen für den hochveranlagten Abwehrspieler, der im August 2007 das Siegtor zum 2:1-Länderspielsieg in Wembley erzielte, erst 80 Bundesliga-Spiele in der Statistik. „Vielleicht ähnelt mein Körper ein bisschen einem Auto mit Ferrari-Motor und Golf-Chassis“, meint Pander: „Die Verletzungen kann man ja nicht wegdiskutieren. Aber im Moment bin ich ziemlich fit. Und ich meine nicht, dass ich schon am Ende angekommen bin.“

Nach zehn Jahren auf Schalke wurde sein Vertrag bei den Königsblauen im Sommer nicht mehr verlängert. Dann klingelte Panders Handy, sein alter und neuer Trainer Mirko Slomka erkundigte sich nach der Verfassung und lotste ihn nach Hannover. Für Pander ein Glücksfall. „Die Mannschaft hat eine sensationelle Saison gespielt und es wurde kein Leistungsträger abgegeben“, sagt er: „Dadurch werden keine zu hohen Erwartungen an mich gestellt und ich kann wieder langsam aufgebaut werden.“

Pander ist mit den Jahren und Rückschlägen bescheiden geworden. Kampfansagen an Ex-Nationalspieler Christian Schulz, seinen Konkurrenten auf der linken Abwehrseite, gibt es von ihm nicht. „Ich bin nicht gekommen, um schlechte Stimmung zu verbreiten“, sagt er: „Ich habe schon Schlimmeres erlebt, als ein paar Spiele auf der Bank zu sitzen.“ Gesund bleiben, das ist heute sein Ziel.

Klingt unspektakulär für einen spektakulären Spieler, dessen Freistöße „Brandfackeln“ (Zitat Ralf Rangnick) sind, der vor ein paar Jahren Hoffnungsträger für ein ganzes Fußball-Volk für die brachliegende linke Abwehrseite war und intensiv von Real Madrid beobachtet wurde. Aber es ist wohl die Wahrheit. „Jeden Tag zur Reha zu gehen und zu merken, dass man keinen oder nur ganz kleine Fortschritte macht, ist zermürbend“, erklärt Pander.

Ans Aufgeben hat er aber nach eigener Aussage noch nicht gedacht. „Dazu bin ich zu ehrgeizig. Ich habe mir immer gesagt: Diese Verletzung wird mich nicht besiegen“, sagte Pander. „Bis jetzt habe ich es immer geschafft.“

Und wenn das Kreuzband doch noch einmal reißt? „Ich kann nicht sagen, ob ich noch einmal bereit wäre, diese Strapazen auf mich zu nehmen. Ich hab das ja schon oft durchgemacht und weiß, was auf mich zukäme“, sagt Pander: „Aber ich lebe nicht im Konjunktiv.“ Auf seinem rechten Arm hat er ein Tattoo mit dem Schriftzug: „Never give up“. Gib niemals auf.

sid

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